Freundeskreis Klassische Yachten

Jetzt geht Ronja auf Reisen

Text: Kai Gerullis  



Zwei junge Moorfleeterinnen restaurierten Jollenkreuzer aus dem Jahre 1936

Allermöhe. Der Traum vom eigenen Boot endete für Mareike und Jenny Schiffler vor zwei Jahren mit einem Fiasko. Schon bei ihrer ersten Fahrt erlitten die beiden Schwestern Schiffbruch, ihr neu erworbener Jollenkreuzer Baujahr 1936 lief voll Wasser. Der Segeltörn endete auf der Werft, dort empfahlen die Experten, das Boot abzuwracken. „Aufgeben? Das kam für uns überhaupt nicht infrage“, erzählt Jenny Schiffler. Zusammen mit ihrer Schwester fasste sie den Entschluss, den schwimmenden Oldtimer auf der Werft Allermöhe von Grund auf zu restaurieren und wieder schwimmfähig zu machen.

Was mit an Arbeit auf die 24- und 22-jährigen Moorfleeterinnen zukommen würde, ahnten sie nicht. So benötigte das Holzboot einen neuen Schwertkasten, neue Leisten, der Aufbau wurde gestärkt, Planken ausgetauscht und das komplette Deck freigelegt. „Teulweise wurde das Boot in der Werft sogar mit dem Kiel nach oben aufgehängt, damit wir besser arbeiten konnten“, erzählt Mareike Schiffler. Bis zu zehn Stunden täglich war werkeln angesagt. „Es gab schon Momente, da hätten wir am liebsten alles angezündet. Aber jetzt sind wir froh, dass wir es geschafft haben“, erzählt Mareike Schiffler. Dem Schicksal hatte das Boot schon mehrfach getrotzt: Im Krieg lag der Kreuzer zwei Jahre versteckt auf dem Grund eines Berliner Gewässers, um nicht als Feuerholz zu enden.

Wie viele Stunden Arbeit und wie viel Geld in den Jollenkreuzern geflossen sind, haben die Schwestern am Ende nicht mehr gezählt. „Wahrscheinlich hätten wir uns dafür ein neues Boot kaufen können“, sagt Mareike Schiffler. Entsprechend sollte der Segler auch auf den Namen „Kontoleer“ getauft werden, im letzten Moment entschieden sich die Schwestern dann jedoch für den liebevollen Namen „Ronja“.

Die sollte nun endlich wieder Wasser unter den Kiel bekommen. Vorsichtig wurde die 68 Jahre alte Lady mit einem Kran angehoben und behutsam ins Wasser bugsiert. „Für uns ist dieser Moment einfach unfassbar, eigentlich war es so unrealistisch, dass das Boot je wieder schwimmen würde“, sagte Mareike Schiffler überglücklich nach dem feierlichen Moment.

Die beiden jungen Frauen wollen jetzt auf die Elbe hinauf segeln und zu Touren auf der Ostsee aufbrechen. In den Heimathafenauf der Werft Allermöhe soll „Ronja“ frühestens wieder im Herbst einlaufen – diesmal aber nur zum Überwintern.

Kai Gerullis in der Bergedorfer Zeitung vom 5.5.04


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