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Planken-Dichtung
geschrieben von: Christoph Geyer (IP bekannt)
Datum: 01.11.02 10:08

Ahoi!
Ein Boot mit Massivholzplanken ist nie völlig dicht. Besonders im Hochsommer trocknen die Planken (Kiefer von 1917) oberhalb der Wasserlinie trotz überhängender Plane aus. Der Lack reißt und bei Lage rinnen dann innerhalb von zwei Stunden schon mal bis 8 Liter zusammen. Da das Boot (SK15 Prinsessan) bei 6,5 m Länge und 610 kg Verdrängung eine eine sehr flache Bilge hat, kommt dann das Wasser in der Kimm durch die Wegerung.

Deshalb suche ich Ratschläge zur “klassischen“ Dichtung, möglichst aus eigener Erfahrung. Ausleisten mit Epoxi ist ausgeschlossen.

Wie sieht es z.B. aus mit geteerter Baumwolle, Werg + Owatrol D1, Fensterkitt, Venetianerterpentin, dünnen Korkstreifen, Gummifäden, Aquarienkitt, Marine Glue, u.s.w.

Die Problematik wird sicher viele interessieren.
Danke im Voraus
Christoph

Re: Planken-Dichtung
geschrieben von: Olaf (IP bekannt)
Datum: 01.11.02 18:33

Ich kenne viele Holzboote deren Plankengänge mit Sikkeflex o.ä.
abgedichtet sind. Das ist, glaube ich, in ordnung.
Aber vieleicht gibt es noch etwas besseres.
Warum nicht ausleisten mit Epoxi ??

Re: Planken-Dichtung
geschrieben von: Christoph (IP bekannt)
Datum: 04.11.02 10:09

Ahoi,
... weil ich dann die Plankennähte auffräsen müsste, deslhalb auch keine Leisten und kein Sikaflex.

Re: Planken-Dichtung
geschrieben von: Oliver (IP bekannt)
Datum: 04.11.02 12:58

Hi Christoph,

die klassische Methode ist Kalfatern. Aus eigener Erfahrung kann ich noch nichts sagen, weil ich soweit noch nicht bin (ich kratze gerade noch den alten Lack aus dem Rumpf und mache mir Gedanken, wie ich mein Unterwasserschiff neu aufbaue (ist so ziemlich alles rott...). Mein Boot (20er JK) ist an einigen Stellen ausgeleitet und mit Sikka verklebt, an anderen Stellen ist irgendeine Dichtungsmasse stümperhaft zwischen die Fugen geschmiert.

Was ich bisher gehört habe: Entweder ganz klassisch kalfatern mit Baumwollfäden, Teer oder neueren Produkten (siehe hierzu Toplicht-Katalog), Kalfateisen und -hammer oder Sikka. Alle anderen Methoden (Fensterkitt, Bitumen, "Fassdichte" etc.) haben mehr oder weniger viele Nachteile (Fensterkitt wird mit der Zeit bröselig, Bitumen ist eine ziemliche Sauerei, Fassdichte hält auch nicht lange).

Bei Sikka musst Du vor allem darauf achten, dass das Holz an den mit Sikka zu behandelnden Flächen trocken und nicht rott ist, sonst gammelt es unter dem Sikka weiter.

Ich denke aber (nach meinem heutigen Wissensstand), dass Du beim Abdichten der Plankenfugen um ein Auffräsen oder wenigstens Beiarbeiten der Fugen nicht herumkommen wirst, um ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen.

By the way (sinngemäßes Zitat von Jörg (R400 Beam me up): "Holzboote und ihre Besitzer haben eines gemeinsam: Beide sind nicht ganz dicht!" ;-))

Ansonsten schau mal in die einschlägige Literatur (Holzbootsbau von C.W.Eichler o.ä.), da müsste eigentlich was drinstehen.

Viele Grüße, Oliver (...der sich im Moment eher Sorgen macht, dass er sein Boot beim nächsten zu Wasser lassen unter Wasser suchen muss...)

Re: Planken-Dichtung
geschrieben von: Christoph (IP bekannt)
Datum: 06.11.02 17:06

Ahoi,
Die Literatur kenne ich ganz gut. Unterhalb der WL tritt das Problem nicht auf, weil die 85 Jahre alten Kieferplanken in DREI Tagen dicht sind. Also nochmal Auffräsen steht nicht zur Debatte.
Vielleicht tut es außen über der WL ein elastischerer Decklack (weiß)?
Christoph

Re: Planken-Dichtung
geschrieben von: Christian (IP bekannt)
Datum: 06.11.02 18:02

Moin,

Christoph, Deine Idee mit dem elastischen weißen Decklack wird meiner
Erfahrung nach nicht ausreichen um das Schiff abzudichten.
Unsere Elb H-Jolle ist aus Eiche und mit weißem 1 K Lack von International
lackiert. Trotzdem haben wir nach einem warmen Juli/August das gleiche Problem wie Du. In dieser Saison trat das Problem nicht stark auf weil wir einen neuen Liegeplatz haben, in dem das Schiff in Ost- West Ausrichtung liegt. Das ergab sich eher per Zufall. Uns ist dieser Vorteil erst so im Juli bewußt geworden, als wir nicht mehr zig Liter lenzen mussten.
Das wird Dir aber leider nicht helfen, wenn Du Deinen Liegeplatz behalten möchtest.

Re: Planken-Dichtung
geschrieben von: Manfred Jacob (IP bekannt)
Datum: 08.11.02 20:56



Hallo Christoph,
dein Problem liegt in der Natur der Sache begründet. Mit herkömmlichen
Mitteln bekommst du das Problem schwer in Griff, das heißt:
dein Boot darf lecken (ist ja ein altes Holtboot!), wenn du nicht moderne
Mittelchen benutzen willst.
Damit das Boot wening leckt muss ein ausgeglichener Feuchtehaushalt des
Holzes über mehrere Jahre hergestellt werden.
Das kann man erreichen: die Planken nicht der prallen Sonne ausgesetzen, siehe ElbH-Jolle,
das Boot im Frühjahr ins Wasser bringen, bevor die
heißen Tages kommen und das Holz austrocknen lassen
das Boot im Winter so lagern, dass es nicht zu trocken wird
im Sommer oft segeln ( 2 mal die Woche), damit die
Planken feucht bleiben

Zur Kalfaterung: 'alter Farbe+Baumwolle'
Ich habe gute Erfahrungen (Mahagonie- sowie Nadelholz Planken) beim
Kalfatern mit 'alter Farbe + Baumwolle' gemacht, wobei bei jedem neunen
Anstrich diese Baumwolle gerne die neue Farbe aufgenommen hat und wieder neu
dichtete, so dass das Boot speziell über Wasser im Lauf der Jahre immer dichter wurde.
Modere Mittelchen: 'Sikaflex+Baumwolle'
Dann bin ich dazu übergegangen 'Sikaflex+Baumwolle' (ohne Primer, einfach mit
einem Messer zwischen die Planken drücken) zu verarbeiten (man kann damit
Fugen von einigen mm abdichten, aber auch das Sikaflex in sehr schmale Spalte drücken).
Das macht weniger Schweinkram als 'alte Farbe+Baumwolle'.

Aber bei Kalfat muss man sich klar sein, dass es Probleme geben kann, wenn die
Planken sich wieder dicht ziehen wollen. Ich hatte allerdings kein Problem
Überwasser feststellen können.

Fensterkitt und Aquarienkitt würde ich nicht nehmen, das Zeug wird steinhart
und brüchig.

Fassdichte:
Sehr gut ist "Fassdichte". Das gibt es dort, wo Wein angebaut wird.
Fassdichte wird benutzt um Weinfässer (auch von innen) abzudichten.
Kosten etwa 6 EURO je Liter. Faßdichte ist angenehm zu verarbeiten (ähnlich
wie Wachs) und klebt auch auf Nassem Holz.
Es bleibt ewig weich.


Ahoi
Manfred



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