Restaurierung : Forum The fastest message board....ever.
lackaufbau Sperrholzdeck
geschrieben von: christian (IP bekannt)
Datum: 05.09.04 18:44

Hallo,
nach diversen Forumseinträgen haben wir wohl ziemlich viel falsch gemacht. Bevor wir weitermachen, noch ein paar Fragen:

Wir haben im Winter bei unserem 25 Jahre alten KZV am Deck einige beschädigte Stellen sauber (tlw. bis aufs Holz) ausgeschliffen und mit A.W. Niemeyer Yacht Klarlack neu lackiert (1x verdünnt 40%, 1 x verdünnt 20%, 1 x unverdünnt). Der Rest vom Deck wurde angeschliffen und einmal überlackiert. Die ausgeschliffenen Stellen waren leider viel heller als der Rest des Decks, so daß alles schön fleckig aussah. Fehlte da die Beize vorher??

Nach einer halben Saison ist an allen ausgeschliffenen Stellen der Lack wieder weg (?), das Holz hat angefangen sich dort grau-schwarz zu verfärben. Wahrscheinlich waren die drei Anstriche zu wenig? Oder kann es daran gelegen haben, daß ich "normale" Nitroverdünnung statt dem Niemeyer Spezialverdünner verwendet habe? Oder taugt der Lack generell nichts?

Nun mußten wir eh eine kleinere Reparatur durchführen und haben jetzt angefangen, wegen der vielen hellen Flecken das ganze Deck bis aufs Holz runterzuschleifen. Dummerweise ist das Sperrholzschicht an einigen Stellen so dünn, daß jetzt an einigen Stellen die nächste Holzschicht durchkommt (das Holz ist natürlich dunkler und mit der Maserung querlaufend). Das Deck wird also wohl fleckig bleiben :-(

1. Frage: kann man das noch irgendwie ausspachteln? Ich dachte z.B. an Schleifstaub (ist ja genug da...), vermischt mit Lack oder Epoxy auf die Stellen dünn aufspachteln und dann wieder sauber glatt schleifen. Oder muß man mit den Stellen so leben, wenn das Holz nun mal weg ist?

2. Frage: Nun muß sicherlich als erstes mal Beize drauf. 1x oder 2x beizen? Das Deck ist jetzt nach dem Schleifen sehr hell, ich zweifele fast, daß es überhaupt Mahagoni-Sperrholz ist.

3. Frage: Lack oder Öl? Und wenn Lack: taugt der Niemeyer lack was und lag es nur am Verdünner oder was nehme ich sonst? Bin auch nach dem Lesen etlicher Forumseinträge nicht sicher, was nun eigentlich besser ist. Die Super-Glänzende Optik wäre mir nicht sooo wichtig, eher schon der geringere Aufwand. Klingt aber so, als wenn das erste Mal das ölen sehr aufwändig ist, auch wenns dann später weniger Arbeit macht - und wir wollten diese Saisaon eigentlich noch mal 2 oder drei Wochen segeln.

4. Frage: der Rumpf steht dann auch noch im Winter an. Wie erkenne ich, ob der Rumpf lackiert oder geölt ist? Der Verkäufer meinte, der Rumpf wäre mit Öl eingelassen. Vertragen sich die verschiedenen Öle miteinander oder evtl. sogar Öl mit Lack?
Was ist wenn ich nicht mehr rauskriege, was drauf war?
Reicht das bei einzelnen Stellen, wenn ich die wegen der Farbe mit Beize behandele, damit die Fleckenbildung nicht wieder so auffällig ist? (Eigentlich sieht der Rumpf noch sehr gut aus, hat aber ein paar weiße Streifen überlackiert, die wir gerne runterholen würden, ohne den ganzen Klarlack abzuschleifen bis aufs Holz.

Re: lackaufbau Sperrholzdeck
geschrieben von: Birger (IP bekannt)
Datum: 06.09.04 09:27

Sorry Christian,


Aber Du hast leider einige Fehler gemacht die Dir jetzt viel Arbeit bescheren werden.

1. Lack entfernt man durch Hitze oder Abbeizer, nicht durch schleifen.
2. Mahagony wird immer gebeizt, daraus folgt das bei Mahagony die ganze Fläche entlackt werden sollte. Mahagony ist UV anfällig.
3. Du hast mindestens 3-4 Lackschichten vergessen, d.h. mit Bootslack gibt es erst ab der 7. Schicht einen andauern Schutz.
4. Immer die zum Lack passende Verdünnung nehmen. Die Verdünnung wird genau auf den Lack abgestimmt, Nitro ist hier komplett falsch.
5. Wo Holz weg ist muß Holz wieder her. Das Deck bedarf einer neuen Furnierschicht.

Deine Fragen:
1. Nein. Da hilft nur neues Furnier.
2. 1-2 Beizen (nach Wunsch). Nur UV-beständige Beize verwenden (z.B. International Interstain), keine Bauhausware.
3. Wird oft als Glaubenssache aufgefaßt, wobei hier mit Öl fast immer Lacköle gemeint sind. Ich persöhnlich würde einen bewährten Bootslack nehmen. Echte Öle müssen monatlich aufgefrischt werden.
4. Für langfristigen Erfolg bei unbekanntem Untergrund muß ein Neuaufbau her. Einzelne Stellen mit Beizen neu aufbauen setzt viel Erfahrung voraus. Ich würde Dir in diesem Fall zu einen kompletten Neuaufbau raten. Entlacken (s.o.) mit Wärme oder Abbeizer, nicht schleifen. Da Dein KZV wohl immer im Wasser liegt würde ich zu Lack und nicht zu Lackölen greifen (Glaubenskrieg, s.o.). Ob 2K oder klassisch ist von der Bauweise (formverleimt / Vollholz) abhängig.

Sorry, aber um ein gutes Ergebnis zu erzielen ist einiges an Arbeit notwendig und Du hast Dir erhebliche zusätzlich Arbeit selbst gemacht.
Investiere auch in eine Komplettplane.
Trotzdem: Nicht aufgeben.

Handbreit - Birger

Re: lackaufbau Sperrholzdeck
geschrieben von: christian (IP bekannt)
Datum: 06.09.04 10:00

Hallo Birger,
vielen Dank für die hilfreichen Tips. Das wir uns viel zusätzliche Arbeit gemacht haben, ist uns nun auch schon aufgegangen...

Trotzdem noch zwei drei Fragen.

Das mit dem Beizen/Entfernen mit Hitze irritiert mich etwas, da sonst hier im Forum auch mehrfach Schleifen empfohlen wurde (u.a. heftige Diskussion, ob Schwingschleifer auch geht oder besser Festo...).
Oder geht man nur bei Sperrholz (unser Kieler ist formverleimt, nicht Massivholz) nie mit Schleifen dran, gerade wegen der dünnen Schichten?

Muß man nach dem abbeizen/entfernen mit Hitze nicht auch noch zumindest etwas schleifen? Welche Körnung nimmt man dann am besten?

Was heißt "bewährter" Bootslack? Gibt es da noch einen Tip von Dir? Der Niemeyer-Lack lief auch unter "Bootslack", war aber ein fertiger Bootslack. 2k ist mir ja klar (2-Komponenten-Lack) was das ist, aber was heißt "klassischer" Bootslack und wo liegen jeweils die Vorteile? Oder heißt deine Anmerkung: bei formverleimten Booten eh immer 2K Lack?

Und die letzte Frage (obwohl wir das wahrscheinlich nicht machen werden, da nur ganz wenige kleine Stellen betroffen sind: wie bringt man denn bitteschön eine neue Furnierschicht auf das Deck auf? Das stelle ich mir extrem schwierig/aufwändig vor.

Vielen Dank noch mal,
Christian

Re: lackaufbau Sperrholzdeck
geschrieben von: axel (IP bekannt)
Datum: 06.09.04 10:48

au weia,
da ist viel schiefgelaufen....
also: lack abziehen mit hitze und ziehklinge.
schleifen: ja, aber vorsichtig! nie mit grobem papier an ein furnier gehen. du kannst ebenso den rumpf mit der hand anschleifen. so etwa 180er, profipapier nehmen.
zum lack:fürs deck genügt ein lacköl (z.b. benar, le tonk). merke: erst verdünnt, mit der RICHTIGEN verdünnung arbeiten. nitro hat da nichts zu suchen. richtig: bis zu acht schichten DÜNN afbauen, feiner werdender zwischenschliff.
fürs unterwasserschiff sind diese lacke NICHT gedacht. sieh dich um bei sikkens, international, dann kannst du entscheiden, ob 1k (wenn vorher 1k drauf war) oder 2k. suche dir einen flexiblen lack, spröder lack reisst gerne und wird von wasser unterwandert.folge: schwarze stellen.
furniert habe ich noch nicht. aber mit sicherheit andere im forum...

ps.: steck lieber jetzt viel zeit in die vorarbeiten, in den nächsten jahren hast du dann umso mehr spass...

Re: lackaufbau Sperrholzdeck
geschrieben von: Birger (IP bekannt)
Datum: 06.09.04 11:56

Hallo Christian,

Entlacken: da hat Axel recht.
Ziel ist möglichst wenig vom Holz (egal ob Sperrholz oder Vollholz) abzutragen. Mit Schleifmaschinen kann das ganz schnell in die Hose gehen. Nach dem Entlacken wird das Holz leicht angeschliffen.

Lackwahl:
mit bewährt meine ich ein Produkt welches andere nachweislich mit Erfolg eingesetzt haben. Und zwar möglichst unter den gleichen Voraussetzungen (Sperrholz, Vorbereitung, Verarbeitung) und Bedingungen (Klima, Süß- oder Seewasser, Plane) wie bei Dir.
Besorge Dir die technischen Merkblätter für die infrage kommenden Lacke um zu erfahren ob der Lack auch wirklich Deine Anforderungen trifft (Klima, Sperr- oder Vollholz usw., Verarbeitungsvoraussetzungen). Gute Lackfabrikaten stellen diese Informationen zur Verfügung.
Ein Lack der sich in der Karibik bewährt hat hilft Dir nicht in Skandinavien und umgekehrt.
Klassischer Lack fällt in die Rubrik 1K-Lacke.
Axel weist richtig darauf hin das Lacköle in der Nähe der Wasserlinie und tiefer nicht zu verwenden sind.
Ich persönlich versuche mit möglichst wenigen unterschiedlichen System an einem Boot zu arbeiten (für außen nur ein System, innen ggf. ein anderes). Das macht die Organisation der Folgearbeiten einfacher.
2K-Lacke lassen sich nur auf Sperrholz verwenden, 1K-Lacke auf Voll- und Sperrholz. 2K-Lacken lassen sich nie auf 1K-Lacken auftragen, umgekehrt geht das schon eher.
2K-Lacke sind zumeist härter/schlagzäher als 1K-Lacke, 1K-Lacke sind zumeist elastischer.
Die Lackauswahl wird oft von sachfremden Einflüssen überlagert (Marketing, Glauben), lasse Dich nicht iritieren.
Kosten: Wenn Du Deine Arbeitsbestunden bewertest wirst Du feststellen das die Lackkosten nur einen Bruchteil des Gesamtaufwandes ausmachen.
Ich habe gute Erfahrungen mit Epifanes gemacht. Mit dem Niemeyer-Lack habe ich noch nicht gearbeitet.

Furnieren: mit Vacuum-Technik eine Lager Mahagony Furnier aufleimen. Aber das werden Dir andere im Forum besser erläutern.


Handbreit - Birger

Re: lackaufbau Sperrholzdeck
geschrieben von: axel (IP bekannt)
Datum: 06.09.04 12:16

hab zwar noch nicht furniert, halte aber die vakuum technik für einen, sagen wir: technisch interessierten laien, für kaum praktikabel, da schon eine gescheite vakkumpumpe beschafft werden muss. gehn würden zum verkleben auch sandsäcke, bzw. gewichte.

Re: lackaufbau Sperrholzdeck
geschrieben von: christian (IP bekannt)
Datum: 06.09.04 12:25

Erst mal vielen Dank für die ganzen Hinweise. Eine Frage noch zum Beizen: gibt es da irgendetwas zu beachten? Da habe ich im Forum nicht viel zu gefunden. Welche Beize, Verarbeitungstips - oder kann man da nicht viel falsch machen? (Qualitätsprodukte, nicht aus dem Baumarkt, vorausgesetzt)

Re: 2K Autolack
geschrieben von: Jürgen (IP bekannt)
Datum: 03.10.04 20:39

Hi Leute,ich habe mir ein GFK Boot gekauft und möchte dieses in 2K lack (Autolack) spritzen. Suche erfahrungswerte



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Benutzer schreiben.