Restaurierung : Forum The fastest message board....ever.
Das Forum befindet sich aktuell im Umbau! Alle Beiträge und Neu-Registrierungen nach dem 15.11.2019 werden dabei leider nicht automatisiert in das neue System übernommen.
BM neu lackieren
geschrieben von: Ottmar (IP bekannt)
Datum: 08.10.04 20:44

Hallo liebe Freunde klassischer Yachten.
Seit dem Sommer bin ich stolzer Besitzer einer BM, die jedoch neu lackiert werden muß. Hier im Forum habe ich nun schon viel gelesen über dieses Thema, wodurch ich aber nicht unbedingt sicherer geworden bin. Da es offensichtlich viele Fehler gibt, die man dabei machen kann, möchte ich Euch um Eure Hinweise und Tipps bitten.
Das Boot ist komplett aus Stableisten gebaut. Insgesamt ist die Substanz noch ganz ok, soweit ich das als Laie beurteilen kann. Was unter dem Unterwasseranstrich los ist werde ich erst sehen. Von Grund auf neu lackiert werden muß es nach meiner Ansicht, weil der Lack an vielen Stelle gerissen und teilweise abgeblättert ist. Um welchen Lack es sich handelt kann ich nicht in Erfahrung bringen. Aufgrund der Risse im Lack, die wohl auch wegen eines längeren Aufenthalts im Trockenen entstanden sind, ist wohl Wasser zwischen die Leisten gedrungen und hat dort schwarze Verfärbungen verursacht. Das Boot ist auch nicht ganz dicht. Pro Tag sammeln sich 5-10 Liter. Ein Grund dafür ist offensichtlich eine gerissene Leiste, aus der man das Wasser ganz dünn eindringen sieht. Da muß wohl von außen was drauf?
Meine Fragen sind:
1. Wie bekommt man den Lack am besten runter vom Boot?
Abbeizen, schleifen, heißluftfönen?
2. Wie geht der schwarze Gubbel raus aus den Ritzen? Dampfstrahler? Chemie?
3. Muß das Holz vor dem Neuanstrich eine bestimmte Feuchte haben, oder gar gewässert werden? Ich denke an Öllack, und wenn ich Eure Berichte richtig verstanden habe, ist nach dem Ölen Schluß mit aufquellen. Wie wird das Boot denn dann wieder dicht?
4. Womit können Löcher im Holz wieder verschlossen werden. Einige vom Vorbesitzer montierte Beschläge möchte ich nicht mehr verwenden.
5. Wie ist das nun mit dem Beizen? Es muß ja wohl sein. Aber mit welchem Mittel. Dient die Beize nur zum Erreichen einer gleichmässigen schönen Färbung? Oder ist es gleichzeitig Holzschutz-Imprägnierung? Mahagoni soll ja nicht so gut auf Süßwasser reagieren, hab ich mal gelesen. Wie können Fäulnis und Schädlinge verhindert werden?
6. Wie können die Ritzen ziwschen den Leisten abgedichtet werden, falls sie so groß sein sollten, daß durch normales Dichtquellen nicht mehr schließen. Kann bei einer sorgfältig aufgetragenen neuen Außen-Lackierung überhaupt noch Wasser ans Holz?
7. Das Boot liegt den ganzen Sommer im Wasser. In der Mosel, um genau zu sein. Ein relativ sauberer Fluß mit erträglicher Strömung. Es ist mit einer Voll-Persenning bis zum Wasserspiegel abgedeckt, aber wie wirken sich sommerliche Hitze und Trockenheit auf das Holz aus. Im Moment sorgt das Boot ja noch selber dafür das es feucht bleibt, zumindest im Bereich des Bodens. Was ist aber, wenn die Kiste im nächsten Jahr dicht ist? Muß ich künstlich anfeuchten ?
Iht seht, da ist sehr viel Unsicherheit drin, und ich möchte es vermeiden Fehler zu machen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Dafür ist das Boot zu schade. Sie ist eine echte Schönheit, bis auf die kleinen schwarzen Streifen hier und da, aber die hoffe ich mit Eurer Hilfe bald los zu sein.
Für Eure Ratschläge sage ich schon mal vielen Dank
Ottmar

Re: BM neu lackieren
geschrieben von: axel (IP bekannt)
Datum: 09.10.04 01:19

das sind ja viele fragen auf einmal....

1. Wie bekommt man den Lack am besten runter vom Boot?
Abbeizen, schleifen, heißluftfönen?

>>>erst fönen, mit der ziehklinge abziehen, dann fein schleifen<<<

2. Wie geht der schwarze Gubbel raus aus den Ritzen? Dampfstrahler? Chemie?

wenn´s dreck ist, mechanisch reinigen. werden aber wohl die "bekannten" schwarzverfärbungen sein, da hilft nur schleifen...<<<

3. Muß das Holz vor dem Neuanstrich eine bestimmte Feuchte haben, oder gar gewässert werden? Ich denke an Öllack, und wenn ich Eure Berichte richtig verstanden habe, ist nach dem Ölen Schluß mit aufquellen. Wie wird das Boot denn dann wieder dicht?

>>>da geht´s dann auch wieder durcheinander:
also dieser "öllack" hat wenig mit dem öl zu tun, dass man zum "tränken" nimmt.
wenn du mit dem gedanken spielst, die planken zu tränken, ist tatsächlich schluss mit quellen, da ja auch keine feuchtigkeit mehr eindringen kann. dicht wird das boot aber auch nur dann, wenn die fugen nicht zu breit sind. helfen kann man sich durch einlegen feuchter tücher (säcke). sollten die fugen zu breit geworden sein (ist von hier aus schwer zu beurteilen) hilft möglicherweise ausleisten. wäre in dem fall nicht vekehrt, wenn ein bootsbauer mal einen blick drauf wirft...<<<

4. Womit können Löcher im Holz wieder verschlossen werden. Einige vom Vorbesitzer montierte Beschläge möchte ich nicht mehr verwenden.
>>>du kannst dir für die schraubenlöcher pfropfen aus dem gleichen holz bohren und einsetzen. verschleifen- fertig!<<<

5. Wie ist das nun mit dem Beizen? Es muß ja wohl sein. Aber mit welchem Mittel. Dient die Beize nur zum Erreichen einer gleichmässigen schönen Färbung? Oder ist es gleichzeitig Holzschutz-Imprägnierung? Mahagoni soll ja nicht so gut auf Süßwasser reagieren, hab ich mal gelesen. Wie können Fäulnis und Schädlinge verhindert werden?

>>>gebeizt werden im wesentlichen hölzer, die entweder eine andere farbe bekommen sollen, oder unter uv- einfluss vergilben/ ausbleichen. so in diesem fall mahagonie. da habe ich mich hier belehren lassen, dass hier alkoholbeize sinn macht. da danach lackiert wird, ist es dem holz danach eigentlich egal, ob es in salz- oder süsswasser liegt. fäulnis und schädlinge (auch pilze) werden halt durch die lackierung verhindert. ausreichende belüftung hilft auch vorbeugend gegen fäulnis. lacköl, wie z.b. benar enthalten entsprechende schutzmittel. lacköl ist aber für unterwasserschiff nicht geeignet!!!<<<

6. Wie können die Ritzen ziwschen den Leisten abgedichtet werden, falls sie so groß sein sollten, daß durch normales Dichtquellen nicht mehr schließen. Kann bei einer sorgfältig aufgetragenen neuen Außen-Lackierung überhaupt noch Wasser ans Holz?

>>>hab ich oben schon erwähnt: sollten die ritzen wirklich so gross sein, dass sie nicht dichtquellen könnten, hilft ausleisten,d.h. der spalt wird zur aufnahme einer leiste ausgefräst, die eingeleimt und gut.
sinn der lackierung ist eigentlich SCHUTZ vor wasser, da dies das holz ja auch nachhaltig schädigen kann. eigentlich sollte bei einem lackneuaufbau der rumpf schon dicht sein. das ausleisten hilft dabei ungemein. danach soll aber kein wasser ins holz (nicht literweise) sondern das holz soll eine optimale feuchtigkeit behalten, damit es möglichst wenig arbeitet ( meist bezogen auf schrumpf). deswegen liegen holzschiffe auch ungern in beheizten hallen...<<<
7. Das Boot liegt den ganzen Sommer im Wasser. In der Mosel, um genau zu sein. Ein relativ sauberer Fluß mit erträglicher Strömung. Es ist mit einer Voll-Persenning bis zum Wasserspiegel abgedeckt, aber wie wirken sich sommerliche Hitze und Trockenheit auf das Holz aus. Im Moment sorgt das Boot ja noch selber dafür das es feucht bleibt, zumindest im Bereich des Bodens. Was ist aber, wenn die Kiste im nächsten Jahr dicht ist? Muß ich künstlich anfeuchten ?

>>>nee, künstlich anfeuchten im normalfall nicht, ausser vielleicht bei einem jahrhundert-sommer. es genügt gute belüftung und gute luftfeuchtigkeit<<<

sicherlich sind hier viel kompetentere bastler als ich am werke, die sich noch zu wort melden werden, und dir hilfreiche tipps geben können. ansonsten: freude beim basteln!

Re: BM neu lackieren
geschrieben von: Ingo List (IP bekannt)
Datum: 09.10.04 01:57

Abel hat ja schon viel gesagt. Einige Ergänzungen:
1) Nimm die Beize von International (Interstain), die ist gut.
2) Eine BM komplett ausleisten ist von der Arbeit her mit einer Neubeplankung gleichzustzen. Die Leisten selbst sind ja nur etwa 3cm breit. An einzelnen Stellen ist es aber u.U. sinnvoll
3) Lack füllt keine Ritzen. Nicht die kleinsten. Und schon gar nicht welche, die mechanisch beansprucht werden...
4) Gerissene Leisten müssen repariert werden. Ist bei der BM wegen der Quervernagelung nicht so einfach, aber hilft nichts.
5) Bischen Wasser im Schiff ist normal.
6) BMs haben ein großes Problem: Besagte Quervernagelung. Bei meiner mit Eisennägeln, die sich langsam auflösen. Da die Spanten nur einen Abstand von 60cm haben, reichen diese nicht aus, den Bootskörper ohne die Nägel richtig zusammenzuhalten. Da gibt es auf Dauer nur folgende Möglichkeiten: a) neu beplanken und mit Kupfernägeln quervernageln, b) komplett ausleisten, c) mit Epoxi und Matte überziehen, d) überfurnieren, e) mehr Spanten einziehen. Ich bin gerade bei e), wobei ich hoffe, daß die Bodenwrangen (die ja über die ganze Cockpit-Breite gehen) erst mal ausreichen.

Ingo
www.bm-jolle.de

Re: BM neu lackieren
geschrieben von: Ottmar (IP bekannt)
Datum: 09.10.04 11:29

Hallo alle zusammen!
Das waren ja nun 'ne schnelle und ausführliche Antworten zu meinen Fragen. Vielen Dank. Damit ist mir schon mal fürs erste geholfen. Werde dann mit dem Fön an die Sache ran gehen. Dann die richtige Auswahl aus der Vielzahl der Anbieter und Produkte zu finden ist ja auch nicht leicht. Also werde ich Ingos Rat annehmen und es mit International versuchen. Im allgemeinen hört man ja nur gutes davon. Ist nur recht teuer. Kennt ihr günstige Bezugsquellen? Und wieviel Liter gehen auf so 'ne BM drauf? Der Tipp mit den Propfen klingt gut. Vielleicht hat der Schreiner um die Ecke fertige Propfen zur Hand. Zum selber bohren fehlt mir das Werkzeug. Apropos Propfen: Gestern abend habe ich, auch hier bei fky, gelesen, daß man gerissene oder angefaulte Planken behelfsweise reparieren kann, indem man sie dicht an dicht durchbohrt, und die Bohrlöcher mit Harz ausgießt, welches das weggebohrte Holz ersetzen und das verbliebene stabilisieren soll. Das wäre eine Maßnahme für meinen Fall. Möchte ungern wegen einem kleinen Riss den halben Rumpf auseinanderreissen. Wär mal einen Versuch wert. Wenn's nix is kann ich im nächsten Jahr immer noch auswechseln.
Die angeschwärzten Risse muß ich mir dann wohl näher ansehen wenn der Lack ab ist. Sie sind ausnahmslos über Wasser an der Außenseite, überwiegend auf dem Deck. Vielleicht reicht es ja sie auszukratzen. In diesem Zusammenhang noch 'ne Frage zum Ausfüllen von Fugen, Rissen und Löchern. Gibt es für den Bootsbau auch Spachtelmassen, Holzkitt oder ähnliches, wie sie beim Möbel-/Innenausbau Verwendung finden?
Angesichts der Frage: Was mache ich, wenn mal Spanten oder Wrangen zum Austausch fällig sind? hatte ich auch schon daran gedacht einfach eine neue daneben zu setzen. Aber wie kommt dann die Verbindung mit dem Rumpf zustande?
So, ich glaub das reicht jetzt, bevor isch Euch zu sehr löchre mit meinen Fragen. Außerdem muß ich jetzt zum Boot. Alles klar machen für die Restaurierung. Alles losen Teile abbauen, Rumpf aufpallen, Arbeitsplatz einrichten usw. usw. Wäre heute ein schöner Tag zum segeln. Die Sonne scheint, dünne Schleierwolken, Wind aus Ost von 3-4 bf. Geil! Der nächste Sommer kommt bestimmt.
Bis denn dann, und vielen Dank nochmals.
Ottmar

Re: BM neu lackieren
geschrieben von: axel (IP bekannt)
Datum: 09.10.04 16:04

hallo ottmar,
wenn du mal auf die starseite vom fky gehst und dort "restaurierung" anclickst, findest du schon eine menge tipps, die dich weiterbringen können.
es findet auch ein seminar statt, das du besuchen könntest, um vor ort zu fragen und zu lernen. sicherlich wird das sehr interessant sein!
gruss
a.

Re: BM neu lackieren
geschrieben von: Ingo List (IP bekannt)
Datum: 09.10.04 19:21

Die Beize hält ziemlich ewig. 1 oder max. zwei kleine Dosen reichen. Lieber eine zweite in reserve, beizen muss am Stück erfolgen!!! Sonst gibt es Ränder ohne Ende.
Spachtelmassen kannst Du alle vergessen, da das Holz arbeitet! Kommt alles wieder 'raus und reißt den Lack auf. Wenn Du spachten oder füllen musst, nimm Epoxi. Das geht mit dem Holz eine Dauerhafte Verbindung ein. Aber Vorsicht: Wenn Du Plankengänge füllen willst, ist ausleisten sinnvoller. Hast Du mal eine Nahaufnahme zum beurteilen?
Die Spanten/Wrangen kannst Du einfach ausbauen, sind geschraubt. Hoffentlich nicht mit Eisenschrauben... Neue kannst Du beliebig daneben setzen. Ich habe die alten 'dringelassen (aber ein paar mehr neue Niroschrauben 'reingesetzt) und die neuen in die Mitte zwischen die alten. Aus Eiche und 2cm dick.



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Benutzer schreiben.