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Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Erich (IP bekannt)
Datum: 16.11.04 15:48

Ich besitze einen 17 Jahre alten Holz-Kielschwerter, 2K-Klarlack (formverleimt, schäm).

Die horizontalen Flächen (Deck, Kajütdach) bestehen aus Teak-Sperrholz und wurden von mir von Anfang an jährlich nach leichtem Anschleifen mit Owatrol D1 behandelt (nach der ersten großen Tränke, wegen des Sperrholzes war sie allerdings nicht besonders groß). Grund dafür war, dass ich mir einen geringeren Abtrag des Teakfurniers (gegenüber unbehandeltem) versprach. Bislang bin ich auch eigentlich damit ganz zufrieden; allerdings sind die Flächen jetzt doch sehr dunkel geworden und an den wenig beanspruchten Stellen hat sich eine richtige "Lack"schicht aufgebaut.

Deshalb würde ich die Teak-Sperrholz-Flächen gern (optisch) sanieren. Schleifen möchte ich nur höchst ungern, da ich dann den dabei unvermeidlichen Holzabtrag hätte, der ja gerade verhindert werden sollte.

Fragen deshalb: Kann man D1 abbeizen? Wenn ja, was wären die geeigneten Mittel? Würde das Abkleben der Klarlackflächen zu ihrem Schutz genügen? Müsste das Teak-Sperrrholz anschließend neutralisiert/gewaschen/behandelt werden? Kennt jemand für die Zukunft eine bessere Holzbehandlungsmethode?

Wenn ihr eure Erfahrungen/Tipps zu diesem Thema weitergeben würdet, wäre ich natürlich sehr dankbar.

Erich


Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Ingo List (IP bekannt)
Datum: 16.11.04 17:01

D1 kannst Du nicht abbeizen, da es keine Oberfläche bildet, sondern ins Holz eindringt. Kannst glaube ich gar nichts machen, leider. Daher wird allgemein ja auch gerne davor gewarnt, Teak zu ölen...

Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Erich (IP bekannt)
Datum: 16.11.04 18:06

Ingo,

zunächst mal Dank für deine Antwort. Nach der Owatrol-Theorie soll das mit dem Eindringen so sein, war auch bei meinem Schiff anfangs so, aber mit den Jahren bilden sich eben doch unterschiedlich starke Schichten - an manchen Stellen sieht das Holz wie lackiert aus. Deshalb meine Frage nach Abbeizmöglichkeiten. Vielleicht haben andere "Forümmer" ähnliche Erfahrungen gemacht.

Erich


Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Erich (IP bekannt)
Datum: 18.11.04 11:01

Hallo Leute, was ist los?

Haltet ihr Winterschlaf oder waren "Sperrholz" und "formverleimt" solche Unwörter, dass ihr in Deckung seid? Da ich mir in meiner Drangzeit lange genug auf geplankten H- und O-Jollen die Oberschenkel abgeklemmt habe, war bei mir null schlechtes Gewissen vorhanden, als ich meine Fragen in dieses Forum stellte. Also - seid bitte nicht so sparsam mit eurem Rat.

Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Sönke (IP bekannt)
Datum: 19.11.04 10:21

Mojn Erich

Es gibt hier in Dänemark einen Owatrol Entferner, der unter nachfolgender Adresse bestellt werden kann.

[www.shop.cvh.dk]

Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass ich noch keine Erfahrung mit Owatrol - insbesondere mit oben genanntem Produkt habe - und deswegen auch mit keinem Erfahrungsbericht aufwarten kann. Hier jedoch erst einmal eine Bezugsquelle.

Auf meiner Nordborg 26 habe ich zu Beginn der Saison 2004 nach der Übernahme vom Vorbesitzer die Mahagonioberflächen sowohl trocken als auch nass angeschliffen und nachfolgend mit Epifanes lackiert. Leider war ich mit der Oberfläche nicht 100 %-ig zufrieden, da sich eine leichte Orangenhaut einstellte. Auch wiederholtes Abschleifen und Nachbessern nach Massgabe des Herstellers und des Farbenhandels gaben wiederholt eine orangenhautähnliche Oberfläche.
Ursache kann gemäss Rückfrage beim Hersteller Luftfeuchtigkeit in der Halle, Temperaturschwankungen, Unverträglichkeit mit dem alten Lack, etc. etc. etc. gewesen sein. Nun stehe ich genauso schlau da wie vorher und habe mich nach Lektüre deutscher wie auch dänischer Erfahrungsberichte letztendlich dazu durchgerungen, das Mahagoni bis aufs Holz vom Lack zu befreien und dann mit Owatrol D1 und D2 zu schützen.

Nun meine Frage: Da das Cockpit im Gegensatz zu den Aufbauten aus Mahagoni-Sperrholz besteht überlege ich, wie ich am besten den Lack von den doch recht dünnen Holzlagen des Sperrholzes entferne, ohne Gefahr zu laufen, zu viel Holz abzutragen (Heissluftpistole oder Abbeizer. Allein beim Abbeizer gibt es auch hier in Dänemark eine Flut von Produkten, die alle andere in Ihrer Qualität überbieten. Gibt es überhaupt Unterschiede bei den Abbeizern und ist auch beim Abbeizen die Temperatur wirklich entscheidend?

Sönke


Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Torsten (IP bekannt)
Datum: 19.11.04 17:21

Wir haben im letzten Winter in einer Halle unseren Kielschwertkreuzer (Mahagoni) komplett im Überwasserbereich mit Abbeizer (Prosol, 5l Fässchen kostet 31 €) vom alten Lack befreit. Als Tipp kann ich folgendes beisteuern: nicht bei Frost arbeiten, etwas über 0°C an der Bootshaut sollte es schon sein. Wir haben mit einer Ziehklinge den aufgeweichten Lack abgezogen und anschließend gründlich mit Wasser und Bürste gespült. Geht wohl auch nur mit Wasser und Bürste, ist dann aber eine zu große Manscherei.
Zu Owatrol kann ich nichts beisteuern. Aber wir haben unseren mit Le Tonkinois Holzöllack gestrichen. Sind sehr zufrieden damit. Kann man auch mal so zwischendurch den einen oder anderen Kratzer schnell ohne anzuschleifen überlackieren.

Torsten

Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Erich (IP bekannt)
Datum: 20.11.04 11:33

Hallo Sönke (und Torsten),

zunächst besten Dank für deine Antwort. Leider habe ich im Netz keine weiteren Informationen gefunden, was der Owatrol fjerner leistet; in der Produktpalette von www.owatrol.com ist er überhaupt nicht enthalten. Vielleicht ist es aber mit dem in Deutschland vertriebene Produkt Dilunet identisch, das so beschrieben wird:
>>>DILUNET Farbentferner ohne aromatische Lösungsmittel und CKW zum Anlösen von 1-komponentigen Anstrichen; trocknet nicht ein und muss bei der Verwendung nicht abgedeckt werden; entfernt durch sein besonderes Kriechverhalten auch Farbreste aus den Poren. Verbrauch: ca. 500 ml/m² pro Farbschicht<<<
Allerdings: bei der Vielzahl meiner Owatrol-Schichten und dem angegebenen Verbrauch von 1/2 Liter/m² pro Schicht bekomme ich, an die entstehenden Kosten denkend, schon jetzt erste Anzeichen von Seekrankheit, obwohl ich damit sonst keine Probleme habe. Möglicherweise ist aber mit "Farbschicht" die Schicht eines farbigen Lackanstrichs gemeint und die Wirkung auf D1 anders. Jedenfalls könnte Dilunet ja eine Lösung für den letzten Arbeitsgang sein, wenn man die meisten Schichten (mehr oder weniger grob) mit anderen Mitteln entfernt hat. Ein Problem ist eben, dass es an Deck keine versteckten Stellen gibt, auf denen man versuchsweise unterschiedliche Mittel/Verfahren testen kann - deshalb die Fragen nach Erfahrungen anderer.

Zu deinen Problemen kann ich leider nicht so viel beitragen, da ich mit Epifanes noch nicht gearbeitet habe. In meinen Waarschip-Zeiten hatte ich allerdings auch einmal Probleme mit "Orangenhaut", trotz guten Vorschleifens. Da mir das zu Beginn beim Lackieren des oberen Spiegel-Deckholzes auffiel, hatte ich den frischen Lack sofort mit Verdünnung abgewischt. Meine Vermutung war, dass sich noch Fett/Öl/Silikon auf den Oberflächen befinden musste; nach dem Reinigen mit Aceton verlief der Klarlack (Sikkens) einwandfrei. Kann die Ursache bei deinem Schiff ähnlich sein?

Die Arbeiten an deinem Cockpit und meinem Deck sind ja vergleichbar, wenn man mal von den Unterschieden bei der Beschichtung und der Holzsorte absieht. Die Unterschiede bei den Abbeizern sind schon gravierend, insbesondere bei der Möglichkeit, die eigene Gesundheit zu ruinieren (zum Glück ist man heute nicht mehr so unbefangen wie ich bei meiner damaligen Panscherei mit Aceton). Google dich mal schlau; ich hab's auch getan, aber leider keine Antwort gefunden, ob man denn nun die "soften" Mittel oder die Kampfabbeizer einsetzen muss. Von Torsten gibt es dazu ja jetzt einen guten Hinweis.

@Torsten
Endlich mal was Konkretes. Vielen Dank, Torsten! Ich werde mich gleich mal zu Prosol schlau machen. Kannst du noch etwas zur Dicke der abgebeizten Lackschicht sagen bzw. dazu, wie oft du den Abbeizer auftragen musstest?

Erich


Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Torsten (IP bekannt)
Datum: 20.11.04 12:02

Hallo Erich,

zu Prosol kann ich Dir folgende Anschrift mitteilen. Die sind bei mir gleich um die Ecke anzutreffen.
12459 Berlin
Wilhelminenhofstraße 93
Telefon: 030 5351742
Fax: 030 5351750
Ich vermute mal das bei uns ca. 6 Schichten Lack drauf waren. Zuerst hatten wir nur mit einem Farbschaber mit Hartmetallklinge gearbeitet. Sehr mühsam, bringt aber Muskeln. Dann bin ich von Prosol auf den Abbeizer gekommen. Da haben wir erst mal mit einer mit einem Pinsel aufgetragenen Schicht Abbeizer gearbeitet. Wo dann noch nicht alles runter war haben wir ein zweites mal mit Abbeizer gearbeitet. Ich vermute mal wenn Du auf Deinem Teakdeack damit arbeiten möchtest reicht bei Dir eine Schicht Prosol dick aufgetragen.
Ich an Deiner Stelle würde aber das Deck so lassen wie es ist. Im Laufe der Zeit wäscht und arbeitet sich das Owatrol schon von ganz alleine runter und bis dahin hast Du doch einen schönen Schutz für Dein Teak. Das (perfekte) Aussehen ist doch nebensächlich. Hauptsache Holzschutz und segeln tut das Boot. Bei uns ist auch nicht alles perfekt im letzten Winter geworden und man hat uns trotzdem im Sommer in jedem Hafen gesagt oder getuschelt, "Das ist ein schönes Boot", "Das ist etwas ganz besonderes", "Sieht echt toll aus", "Darf ich Sie mal ansprechen, so ein schönes naturlackiertes Boot sieht man ja nur noch ganz selten" usw.
Torsten

Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Erich (IP bekannt)
Datum: 20.11.04 18:02

Hallo Torsten,

deinen (Schreib)einsatz finde ich wirklich ausgesprochen nett, ebenso deine Hinweise zur Beschaffung und Verarbeitung von Prosol. Nochmals vielen Dank dafür. In der Zwischenzeit habe ich den Hersteller direkt angemailt und um Infos gebeten, mal sehen, was von dort kommt. Sonst setze ich mich mit deiner Nachbarschaft in Verbindung.

Besonders tröstlich für mich ist der 2. Teil deiner Antwort. 60 ist die Zahl, die ich in Kürze mit meinem Geburtstag in Verbindung bringen muss, deshalb hat das Belassen des Zustands, wie von dir vorgeschlagen, doch etwas verlockendes - die Zeit des einarmigen Bäumeausreißens ist bei mir bald vorbei und eine solche Arbeit während des Winters in meiner kalten, zugigen Scheune nicht eben ein Vergnügen. Natürlich ist absolute Perfektion völlig überflüssig (es gibt ja auch den bösen Begriff "Lackdampfer"); schließlich ist ein Schiff keine Stradivari und in erster Linie zum Segeln da (die Bemerkungen aus den Häfen, die du zitierst, kenne ich gleichermaßen). Das Deck ist aber doch recht dunkel geworden (ich habe mal ein Bild angehängt), so dass es bei Sonneneinstrahlung im Sommer unter Deck mehr als reichlich warm wurde. Trotzdem, ich werde mit dem für und wider noch eine Zeitlang schwanger gehen und mich dann entscheiden.

Gruß nach Berlin und eine Handbreit ...
Erich


Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Torsten (IP bekannt)
Datum: 21.11.04 16:58

Hallo Erich,

nun mal ganz ehrlich, wenn ich mir Dein Boot auf dem Foto so betrachte weis ich nicht warum Du Dir die Arbeit machen möchtest. Es sieht doch richtig gut aus und gerade das Dunkle hat doch etwas ganz besonderes!!! Was die Temperatur unter Deck angeht ist es ganz normal wenn es da etwas wärmer wird bei Sonnenschein, allerdings glaube blos nicht es wird kühler mit einem etwas hellerem Deck. Die 2°C weniger bekommst Du dar nicht mit. Ich weis jetzt nicht ob das Binnen- oder Seerevier ist. Wir segeln Seerevier und da kann meine Mitseglerin (wir Männer sind da nicht so empfindlich) nicht von übermäßiger Wärme berichten auch nicht bei viel Sonne.
Mein Tipp wäre lass diesen Winter das Deck wie es ist ohne Neuanstrich und sieh wie es sich nächstes Jahr entwickelt. (Für die nun freie Zeit kann ich Dich ja zu einer Wochenendarbeit an unserem Boot einladen, wir wollen uns das Unterwasserschiff vornehmen :-))

Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Erich (IP bekannt)
Datum: 21.11.04 18:16

Hallo Torsten,

wie gesagt, ich werd's mir überlegen, und deinen Hinweis auf die Empfindlichkeit werde ich mal an meine Frau weiterreichen. Die Nordseewatten waren in diesem Jahr unser Segelrevier, nächstes Jahr wird's wohl wieder die Ostsee (Anreise per Trailer). Bei der Arbeit an deinem Unterwasserschiff möchte ich dir nicht ins Handwerk pfuschen und mich deiner Kritik aussetzen ;-) Wenn das in meiner Nähe stattfinden würde, käme ich allerdings gelegentlich mit ein paar Flaschen Bier längs, aber bei rund 400 Kilometern ...


Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Christoph Geyer (IP bekannt)
Datum: 26.11.04 21:13

Ahoi Erich,
Nach fast 10 jahren Owatrol-Praxis eine erfreuliche Nachricht für Dich.
Wenn auf der Oberfläche nur D1, ist dann verwittert pro Jahr ca. 1/2 Lackschicht auch ohne Abbeizer (Abbeizer halte ich bei Sperrholz für gefährlich). Das Teak wird grau. Beschleunigen lässt sich das nur mit Wasser und Seife, gründlich Nachspülen nicht vergessen und immer gut belüften. Also auch keine aufliegende Plane Dulden. Spätestens nach drei Jahren sieht das Teak unlackiert aus. Es kann aber vorkommen, dass die oberste Furnierschicht dann gleich mit abwittert.
Gruß
Christoph

Re: Owatrol D1 von Teak-Sperrholzdeck entfernen
geschrieben von: Erich (IP bekannt)
Datum: 28.11.04 17:03

Hallo Christoph,
wenn ich deine Nachricht richtig interpretiere, würdest du eher dazu raten, die Oberfläche weiter mit Owatrol zu behandeln, um einen guten Schutz gegen das Abwittern des Holzes zu haben. Das war ja auch ursprünglich der Grund für mich, Owatrol einzusetzen. Nun soll bei meinem Deck die oberste Teak-Furnierschicht nach Angaben der Werft 2,5 mm stark sein und mit den unteren Holzlagen epoxyverleimt; so ganz empfindlich gegen Abwittern wird sie deshalb nicht sein. Ich weiß jedoch nicht, was an den Schäftungen und anderen Stellen nach den entsprechenden Hobel- und Schleifarbeiten letztendlich an Materialstärke geblieben ist. Wie schon gesagt, nach euren Vorschlägen muss ich mit meiner Idee noch ein wenig schwanger gehen. Dir danke ich jedenfalls für deine Hinweise.
Grüße, Erich



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