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Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 24.05.15 20:53



Hallo,

leiste gerade mein Boot aus, da es an manchen Gängen schon ne ziemlich breite Gummikalfaterung hat.
Bei manchen Gängen sind es aber nur kurze Stücke, die ausgeleistet werden müßten.
Kann ich einfach nur diese kurzen Stücke ausleisten, voll verklebt, oder wäre es besser die ganze Fuge auszusägen und auszuleisten?


Grüße

Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 25.05.15 01:46

Hallo Jens,

die Fugen sind bisher nicht verleimt, sondern nur oberflächlich mit Fugenmasse gedichtet?
Dann würde ich die Fugen komplett verleimen oder die Leisten zumindest langsam auslaufen lassen.
Bei abrupt endenden Leisten würde es vermutlich bald Undichtigkeiten im Übergangsbereich geben.

Sollen alle Planken ausgeleistet werden?

Grüße,
André

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: hermann.l (IP bekannt)
Datum: 25.05.15 09:08

Hallo jens.
Nimm mir bitte meine Antwort nicht übel :

Lass die Finger von dem Flickwerk. Damit kannst du den Totalverlust deines
Bootes einleiten / einläuten.
Entweder ganz oder nix.
Tauscbe großzügig einige Plankenteile aus. Selbstverständlich musst du
"sehr gut" kalfatern , auch nicht mit "hau drauf" . Ich habe schon einige
Plankenteile der Länge nach halbiert und erneuert. So bleibt die Struktur
erhalten und ich habe dort eine neue Naht.
Selbstverständlich ist eine Erneuerung ganzer Planken besser. Habe das
im letzten Winter erst hinter mich gebracht.
Aber , es ist dein Boot ! Andreé hat das entscheidende Problem , welches
du dir mit deiner Planung einhandelst , ja auch schon mehr als angedeutet.
Nix für ungut.
Gruss
Hermann

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 25.05.15 20:09


Hallo André, Hallo Hermann,

Vielen Dank für die schnellen Antworten.
Hab ich mir schon gedacht, daß abrupt endende Leisten nicht besonders gut sind. Werde einfach die ganzen Fugen dann ausleisten. Bisher sind die Planken nicht verleimt, werden es dann wahrscheinlich alle nach dem Ausleisten sein.

Grüße und vielen Dank

Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: hermann.l (IP bekannt)
Datum: 25.05.15 23:35

Hallo Jens , dann hast du ja noch was vor dir.
Da wir nix von deinem Boot wissen (ausser dass es aus Holz ist) , gab's nur
allgemeine Bemerkungen. Sind die Nähte kalfatert oder nur ausgespritzt ?
Oder ist's ein "dichter" Plankenbau exakt nach Maß , ev. mit Baumwollfaden ?
Wieviel Meter Nähte sind vergammelt? Unter oder über der WL?
Ist der Rest ok und dicht? Ev. ist das totale Ausleisten völlig überflüssig !
U.U. wird dadurch die Rumpfschale zu hart und die Quellvorgänge machen
dir ein Problem.
Mein Holzboot war weitgehend in der BW Faden Methode gebaut , wurde aber schon
vor meinem Kauf vor 37 Jahren vom Erbauer kalfatert und mit 2k Formflex
ausgespritzt (UW) und Fensterkitt (ÜW). Da war es 13 Jahre alt.
Da es zwischendurch viele Jahre im Emder Jarsumer Hafen (damals wegen
Kraftwerkskühlwasser ganzjährig sehr feucht) herumgammelte musste ich bereits
1979 mehrere Gänge üw erneuern. Uw war alles ok aber undicht. Der Aufbau
war es auch. Das Ding hieß damals : die Tropfsteinhöhle von Emden.
Aber , es schwimmt immer noch und sieht immer noch passabel aus.
Die sehr vielen Arbeitsstunden und so weiter übergehe ich jetzt mal.
Ich weiß nur : hätte ich es damals nicht gekauft , wäre das Boot sehr schnell im
Osterfeuer oder Bike Brennen gelandet.
Daran wollte ich malzeigen , jedes Holzboot ist es wert erhalten zu werden.
Es ist unser Kulturgut.
Deshalb sind wir fky'er so , wie wir sind.
Auch bei deinem Boot ist's genau so.
Viel Erfolg.
Gruss
Hermann

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 26.05.15 02:28

Hallo Hermann,

Ist zum Glück nur am Unterwasserschiff, und die Fügen sind einfach nur mit Sikaflex ausgespritzt, war eigentlich sehr akkurat aufgeplankt, aber an ein paar Stellen paßt es nach 60 Jahren einfach nicht mehr.

Ist übrigens ein kleines offenes Kielboot aus Holland, eine Vrijheid, Mitte der 50er gebaut.

Grüße

Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 26.05.15 10:40

Hallo Jens,

wenn Du die Leisten nicht zu stramm einpasst, gibt hinterher auch kaum Probleme mit dem Quellen.
Sie müssen einfach nur ohne Spiel, aber auch ohne Gewalt reingehen.
Den Rest macht das Epoxy, das ja sowieso etwas Fuge braucht um eine optimale Festigkeit zu bekommen.
Epoxy braucht keinen Druck während des Aushärtens. Flächiger Kontakt genügt.
Also nicht mit Epoxy sparen, es soll ja auch später dicht sein.

Wenn das Boot später farbig wird, würde ich auf jeden Fall auch mit Epoxy beschichten.
Eventuell noch ne Lage Glas mit rein für die Schlagfestigkeit.
Dann sollte definitiv Ruhe sein.

Ein Freund hat eine 5mR mit SP Epoxy restauriert und seit 15 Jahren absolut keine Probleme, seit 5 Jahren ohne Nachlackierung. Klarlackiert wohlgemerkt und mit dünner Glaslage im Epoxy!
Leider scheint es die Seite mit dem Restaurierungsbericht bei SP nicht mehr zu geben...
Aber das Boot liegt auch hier an der Weser und wir segeln regelmäßig zusammen.
Also kein Bericht aus zweiter oder dritter Hand...

Gruß,
André

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 26.05.15 16:48


Hallo André,

hab auch vor das Boot mit Epoxi und einnem dünnen Glasfasergewebe zu beschichten, da es Mahagoni ist, natürlich durchsichtig und mit 2 K Lack gespritzt von Map.
West system ist wirklich nix, ist schon zu veraltet, daher ziemlich allergen und schlecht weiterzubearbeiten wegen der starken Aminausscheidung.
Benutze seit 15 Jahren die Harze von Sicomin, die sind echt gut.

Grüße

Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 26.05.15 18:22

Hallo Jens,

was ist denn MAP?
Habe mein vorheriges Boot mal mit Awlgrip lackiert, mit der Hand!
Ging super, allerdings haben wir ein Zelt gebaut und geheizt, weil mitten im Winter.
Der Lack war dünn wie Wasser, zog aber auch sehr schnell an.
Das Ergebnis war wie mit der Pistole gemacht.

Grüße,
André

Anhänge: KIF_2808.jpg (435kB)   IMAG0100.jpg (228kB)  
Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 26.05.15 20:42


Hallo André,

sehr schön das Mahagonirunabout, werde auch im Zelt spritzen müssen, da mein Boot bei meinen Ruderverein steht.

Der Map Lack ist ein Copolymer auf Acryl-Polyurethanbasis, ist sehr elastisch aber dennoch sehr hart an der Oberfläche, benutze ich normalerweise um Kevlarsichtlaminate in Ruderbooten halbwegs vor UV-Licht zu schützen. Gibt es bei Time Out:

[www.timeout.de]

Grüße

Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Dedel (IP bekannt)
Datum: 26.05.15 22:40

Moin Jens,
Ich kenne zwar den Bootstyp nicht und ein Bild vom Rumpf wär sicherlich auch hilfreich. Aber einen 60 Jahren alten Rumpf mit PU Lack zu Beschichten würde ich noch einmal überdenken.

Gruß
Detlef

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 27.05.15 00:58



Hallo Detlef,

Bei nem unbeschichtetem Vollholzboot ist der Einwand natürlich richtig, aber ich hatte etwas weiter oben geschrieben, daß das Boot mit Glasgewebe beschichtet wird, daher paßt der Hinweis jetzt nicht so recht.

Grüße

Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Dedel (IP bekannt)
Datum: 27.05.15 06:31

Moin Jens,
Ok das hatte ich dann übersehen. Habe keine Erfahrung in der Art von Beschichtung. Mich würde mal interessieren mit wie vielen Schichten das gemacht wird, damit man sicher ist das es keine Risse gibt. Mir wurde bisher immer von PU Lack abgeraten da sie mit der Zeit vergilben sollen. Ist wahrscheinlich Schnee von Gestern, oder?
Gutes Gelingen und Gruß
Detlef

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 27.05.15 08:01

Hallo Detlef,

Wenn es um eine reine Beschichtung geht, also das Boot mit dem Glas nicht zusätzlich aus gestreift werden soll,
reichen 2-3 Schichten Epoxy mit einer Lage Glas.
Die Festigkeit muss das Boot vorher schon haben oder man muss der Bootsgröße und dem Typ entsprechend Glas aufbringen, was es unnötig schwer macht.
Festigkeit bringt nur das Glas, Epoxy als Beschichtung nicht, beim Verleimen natürlich.
Das Holz wird erst mit Epoxy getränkt und dann mit Glas und Epoxy beschichtet.
Wobei das Glas eine Option ist, es muss nicht, macht die Beschichtung schlagfester.
Bei Beschichtung mit Klarlack darf das Glas nicht zu dick gewählt werden, 200g/m2 max.
Sonst wird es intransparent.

Zu den Gerüchten fällt mir nur ein, das Epoxy vergilbt, wenn es nicht ausreichend UV-Schutz bekommt.
Das muss der Lack gewährleisten. Ich habe noch ausgehärtete Reste von den PU-Lack in der Werkstatt.
Der ist auch vergilbt, aber auch 1 cm dick, da zeigt jedes Material seine Eigenfarbe.
Kann mir vorstellen, das die Fälle von denen Du gehört hast auf vergilbtem Epoxy beruhen.
Es machen sich ja immer solche Gerüchte breit, wie die Leute immer noch nicht unterscheiden zwischen einer Epoxybeschichtung und einer mit Polyester.
Es wird alles als Leichenhemd bezeichnet, dabei sind die Harze nicht annähernd vergleichbar.
Ist aber auch möglich, das PU vergilbt, wenn nicht ausreichend UV-Schutz nach gelegt wird durch neuen Lack.
So wie Alkydharzlacke aufbrechen und abblättern, wenn nicht nachlackiert wird.

Grüße,
André

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 02.06.15 03:05



Guten Morgen allerseits,

Vielen Dank nochmals für die guten Tips und Hinweise.

Grüße Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Oblomov (IP bekannt)
Datum: 26.06.15 09:32

Hallo,
da ich an der gleichen "Baustelle" bin (Plangänge ziemlich vergammelt, mal von Vorbesitzern im Unterwasserschiff kalfatert, teils dann Sika drübergepappt) gehe ich jetzt so vor: mit einer Spezialfräse (normalerweise wird sie im Fensterbau verwendet und hat eine Leitschiene, die genau im Winkel eine Fuge setzt) fräse sich eine etwa 2-3 mm tiefe Fuge aus. Darunter zum Vorschein kommendes altes Dichtmaterial (Hanfstrick, Kunsstoffdichtmasse) kratze ich aus und presse dann neu Sikaflex in die Fuge.
Bei den Trockenrissen (Oblomov lag auch 3 Jahre auf dem Trockenen) habe ich 8 Planken erneuert (allerdings nicht über die ganze Länge), kleinere Rissen ausgeleistet (mit Epoxi eingeklebt, was sicher ein Kompromiss ist) und dort wo der Riss zu nahe am Plankengang liegt, hab ich die Planke an der Schadensstelle hälftig rausgenommen und ein neues Plankenstück mit ca 1 cm Überstand an der alten Plane nach unten winklig (mit Epoxi verklebt) angesetzt und nach oben neu vernietet. Dahinter kommt dann, wie bei der Länge gestückelten Planken üblich ein Stück Planke innen aufgedoppelt. Das sollte eigentlich eine sichere Verbindung geben. Ob das funktioniert, muss sich aber noch zeigen. Im Spätsommer soll das Schiff testweise ins Wasser.
Die Fräse ist übrigens auch sehr gut zum genauen Ausfräsen von Rissen geeignet, da sehr handlich und gut mit einer Hand zu führen (auf meiner webseite "sailfolke.wordpress.com" werde ich demnächst noch mehr Erfahrung dazu berichten und Fotos einstellen).
Grüsse
Jörg

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 13.12.15 04:25



Hallo,

habe die letzten Wochen mit den zum Glück sehr milden Wetter genutzt und das Unterwasserschiff ausgeleistet. Hab ne Elu Schattenfugensäge genutzt und die mit Sikaflex ausgespritzten Fügen aufgesägt und anschließend die Leisten satt mit Epoxy eingeklebt. Und heute die ausgeschlagenen Löcher der alten Kielbolzen mit passend gedrechselten Eicherundstäben verschlossen.

Grüße Jens

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 13.12.15 13:48

Hallo Jens,

warum gedrechselte Eichenstäbe? Dabei denke ich sofort an Treppengeländer mit dem entsprechenden Faserverlauf: Hirnholz oben und unten.
Das wäre für die eingeleimten Stäbe katastrophal, weil Hirnholz Wasser saugt wie ein Schwamm.
Die würden Dir so schnell unterm Hintern weggammeln...

Solche Stäbe (lange Propfen) stellt man mit Propfenbohrern her, drechseln geht auch, wenn man das Maß wie auf ner Drehbank konstant halten kann.

Gruß,
André

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 13.12.15 15:28


Hallo André,

die Rundhölzer hab ich tatsächlich auf der Drehbank gemacht, und es sind keine Querholzdübel, was aber nicht schlimm ist, da das Unterwasserschiff mit 3 Lagen Glasgewebe überlaminiert wird, die Kielbolzen versetzt werden, und die Wrangen auch aus Eiche sind. Also eher unkritisch ob der Faserverlauf nun längs oder Quer ist. So gibt es sogar noch ein wenig zusätzliche Festigkeit.

Vielen Dank für die Anmerkung und einen schönen Adventssonntag,

Jens



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.12.15 20:36 von Balkweger.

Re: Hab da mal ne Frage zum Ausleisten
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 13.12.15 20:39

So nun auch mal ein paar Bilder.

Grüße und schönen Abned

Jens

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