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Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: ollli (IP bekannt)
Datum: 13.09.17 19:51

Moin zusammen,
ich möchte mit meiner 12 m Holzketsch diesen Winter im Wasser bleiben (Flensburger Förde). Wo bekomme ich günstig (LKW-) Planen her? Mit Segeltuchpersenning oder Baumarktplane komme ich wohl nicht weit. Was habt ihr für Erfahrungen?
Gruß,
Olli
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Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: danebrog (IP bekannt)
Datum: 13.09.17 21:50

Hallo Olli

Auch zu diesem Thema gibt es vermutlich viele persönliche Ansichten. Meine ist die, dass der Baumarktkram überhaupt nicht taugt, weil sich dieses quasi-Bändchengewebe im Freien in kürzester Zeit auflöst.

Was mit einer klassischen Stoffpersenning über drei Jahre am Stück im Freien passiert, konnte ich bei meinem Boot sehen, welches das Ding beim Kauf mitbekam: Dunkelschwarz = pilzig, aber sicherlich noch irgendwie "atmungsaktiv", was ja auch ein wichtiges Kriterium gegen zuviel Feuchtigkeit ist.

Gute Erfahrungen habe ich mit Abdeck-/Winterplane gemacht, die man beim Schiffsausrüster bekommt. UV-stabil und weiß gegen Wärmestau auch bei Wintersonne. Sie läßt kein Wasser von oben rein, sollte aber an Bug und Heck nicht zu dicht eingepackt werden, damit noch etwas Luft zirkulieren kann.

Falls Du den Mast stehen läßt, musst Du sie wohl einschneiden oder aus Kleineren eine mehrteilige machen. Achte aber auf das Gewicht! Evtl. werden Extra-Stützen an Deck nötig oder Du müsstest den Mast gegen ein stabiles Rohr, Balken o. Ä. als "Dachfirst" tauschen.

In irgendeiner Segel-Zeitschrift kam mal der Tipp, die Relingsstützen mit alten Tennisbällen zu bestücken, damit die Enden sich nicht durch die Pläne drücken.

Dann man tau
Danebrog

Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: Jolly Sailor (IP bekannt)
Datum: 10.10.17 21:52

Moin,

ich würde das Thema gerne aufs Grundsätzliche fortführen und nach Meinungen und Erfahrungen von Eignern mit Holzyachten bezüglich des Überwinterns im Wasser fragen.
Warum holen fast alle ihr Schiff aus dem Wasser und einige Wenige, die das schon immer so machen, nicht.

Gruß Jolly

Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: hermann.l (IP bekannt)
Datum: 10.10.17 23:38

Moin.
Auch wenn ich keine Holzyacht , sondern nur ein Holzmotorboot im Angebot habe :
Habe es nach dem Kauf 20 Jahre lang nur im Wasser gehabt , gelegentlich nach dem
Sommerurlaub paar Wochen an Land zum UW reinigen , kalfatern, AF streichen.....
Nahezu jeden Winter eingefroren in dickem Eis , manchmal 20 cm. Bis in die 90er Jahre.
Dann Ende der 90er in eine Halle , erhebliche Restauruerungen durchführen. Die Eisschollen
haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Dann komplett Heck neu und insgesamt ca. 20 qm Planken
erneuert mit allem drum und dran. Fast 2 Jahre in der Halle gewesen. 1999 pünktlich zum
Millenium war alles fertig.
Das Boot war in all den Eisliegejahren immer unter einer 12 m x 8 m Plane. Oben ein massiver
First , Stützen zur Reeling u.s.w. dadurch war der Aufbau geschützt.
Nach der Restaurierung bin ich in der Winterhalle geblieben. Wie Sommerräder beim Auto :
Von O bis O . Jetzt kann ich meine Winterpflege besser durchziehen. Auch größere Sachen.



Gruß vom Wasserfall
Hermann

Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: danebrog (IP bekannt)
Datum: 13.10.17 22:08

Hallo Jolly

Auch hierzu ist schon einiges geschrieben worden. Ich würde mir grundsätzlich ein paar Gedanken zu den jeweiligen Umständen machen:

- Wie groß oder kalkulierbar ist die Gefahr der Eisbildung? Ist es ein stehendes oder fließendes Gewässer?
- Hast Du die Möglichkeit, Dein Boot z. B. an den Kopfsteg zu legen, wo es später friert?
- Aus welchem Holz ist Dein Boot und welche Stärke haben die Planken??
Usw. ...

Heute kam mit dem newsletter das hier:
[pantaenius.de]

Grüße
Danebrog

Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: ollli (IP bekannt)
Datum: 18.10.17 19:41

Hi Danebrog,
ich werde in der Flensburger Förde überwintern. Die letzten Winter gab es eher kein Eis. die Planken sind nordische Kiefer, Stärke weiss ich nicht(aber schon recht kräftig). In der unbeheizten Halle ist die Frostgefahr deutlich höher.

Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: danebrog (IP bekannt)
Datum: 18.10.17 20:08

Hallo Olli

Salzwasser und etwas Bewegung ist schon mal besser als ein Binnenrevier bzw. ein Hafen mit eher stehendem Gewässer! Vielleicht fragst Du mal die Stegnachbarn bzw. beim Hafenmeister nach den Gegebenheiten und bisherigen Erfahrungen. Leider kann man ja nicht vorhersehen, wie streng der Winter wird ...

Skandinavische Hölzer können Frost eher ab als Tropenholz. So habe ich das zumindest bei einer ähnlichen Anfrage meinerseits vor ein paar Jahren erfahren.

Und dann gibt es im Ernstfall noch Hilfsmittel wie "Wassersprudler", die Bewegung in die Materie bringen und ein Einfrieren verhindern. Ich habe auch schon von Strohpackungen und in Wasserlinie aneinandergebundene Fender o. ä. gehört, die den Eisdruck mildern sollen.

Auf jeden Fall bist Du mit Deiner Überlegung nicht alleine! winking smiley Vielleicht magst Du ja auch mal mit den entsprechenden Stichworten hier in der "Suche"-Funktion stöbern ...

Grüße
Danebrog


Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 18.10.17 21:41

ollli schrieb:
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> In der
> unbeheizten Halle ist die Frostgefahr deutlich
> höher.

Moin,

ich halte vom Überwintern im Wasser sehr wenig, selbst für starke Fischkutter ist das auf Dauer nicht gut.
Nicht umsonst sehen die Kutter unter Wasser meist so schlecht aus.
Natürlich tragen auch mangelnde Farbe sowie dicke Kalfaternähte dazu bei.
Durch breite Nähte kann Wasser besser eindringen.
Damit lässt sich auch der Gedanke des Frosts in der Halle widerlegen:
Sind die Nähte einigermaßen trocken besteht auch keine Gefahr von Eis in den Fugen.
Im Wasser dagegen mag die Temperatur etwas höher sein, Eis kann sich in den Fugen trotzdem bilden und bei entsprechender Temperatur ist auch ausreichend Wasser und Nachschub da, wenn das Eis die Fugen auseinander drückt.
Man kann natürlich im Boot etwas heizen und außen mit Kompressor, Luftsprudelsystem und befestigtem Styropor das Eis fern zu halten.
Aber nicht umsonst überwintern Dachten soweit möglich in nördlichen Regionen an Land.
Sie sind nicht nur leichter gebaut als Arbeitsboote und damit empfindlicher, sie sollen auch lange halten. Im Gegensatz zu Arbeitsbooten, die nach einigen Jahren abgeschrieben und technisch überholt oder zu klein sind.
Wenn die Yacht in gutem Zustand ist und im Frühjahr bisher schnell dicht war, sind die Nähte entsprechend trocken und nach ein paar Jahren an Land hat man sich eine teure Reparatur am Unterwasserschiff eingespart.
Und eventuell eine Segelsaison mehr statt der Reparatur an Land... Denn repariert werden kann nur mit ausreichend trockenen Planken.
Außerdem steigt durch ganzjähriges Liegen im Wasser die Feuchtigkeit im Holz oft über die Fäulnisgrenze von ca. 20%. Richtige Lagerung in der Halle reguliert die Holzfeuchte.
Die Halle darf auf keinen Fall beheizt sein, hat optimalerweise einen offenen Boden aus Lehm, Kies und ist gut belüftet ohne Zugluft.

Gruß,
André

Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 18.10.17 21:56

Nachtrag:
Geteerte Nähte halten Wasser nicht zuverlässig ab.
Bei meinem Schiff war der Bilgebereich über dem Stevenknie mit Teer ausgegossen.
Ich habe beim Öffnen des Unterwasserschiffs und Entfernen des Teers mind. 1,5 Liter Wasser mit raus geholt.
Weil Teer keine Klebekräfte wie Leim hat kann Wasser durch kleine Löcher gut eindringen.
Teer ist traditionell, das war es aber auch mit den Vorteilen.

Re: Holzketsch im Wasser überwintern
geschrieben von: hwagener (IP bekannt)
Datum: 21.10.17 15:34

Moin Olli,

im Flensburger Stadthafen empfehlen sich zum Überwintern die vorderen Stege oder der letzte Steg. Vorn ist es durch das leicht erwärmte Kühlwasser der Papiermühle und hinten durch den Lautrupsbach eisfrei. Unser Holzschiff hat 16 Jahre dort überwintert. LKW-Planen liefert die Fa. Immler in Flensburg.

Gruß!

Henrik




1 mal bearbeitet. Zuletzt am 21.10.17 15:35 von hwagener.



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