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Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 10.07.18 18:31

Hallo Nils,

der Wechsel von Zugspannung auf Scherspannung in der Niete würde stattfinden wenn

a) die Nieten durch das Schwinden des Holzes nicht mehr richtig fest sitzen.
Das würde aber heißen, das sie vorher auch schon zu lose waren.
So viel schwindet das Holz in der Plankenstärke nich. Schon gar nich von 12 auf 8%.
In dem Fall sollten alle Nieten nachgenietet werden.

b) die Spannung durch die eingeschlagenen Leisten nicht von beiden Seiten eingebracht würde.
Die Kielplanke und der Scheergang kriegen durch Kiel und Deck Gegendruck, zumindest etwas.
Und das muss bei nicht ausgeleisteteten Booten auch funktionieren.
Wenn der Scheergang das Wandern anfängt, is was faul.

Beide Fälle müssten zusammenkommen.

Gerade bei geringer Fugenbreite bekommt man EP kaum flächig und voll füllend rein.
Bei großer Fugenbreite wird das ne riesen Kleererei und sieht entsprechend aus.
Alle Fugen von innen abkleben ist auch n riesen Aufwand.
Da hab ich schneller Leisten gemacht.
Sauber schneiden muss man die Fuge sowieso, mit Tauchsäge z.B. und aufgehefteter Straaklatte.

Und man klopft die Leisten ja auch nur rein, ohne viel Druck. Es kommt ja nicht mehr Spannung ins Boot, als ein Gesundes nicht ohnehin hätte.
Beim Kalfatern wird richtig viel Druck aufs Holz gebracht und das funktioniert auch.

Gruß,
André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 11.07.18 21:05


Hallo Nils,

Andre hat völlig recht, am besten ist es den Rumpf mit dem gleichen Holz auszuleisten, statt eher schlecht als recht Epoxy in dreckige und haftungsminderte alte Fugen versuchen zu pressen.
Stand bei meinem Boot vor einem ähnlichen Problem und habe entsprechendes passendes Holz besorgt, Leisten daraus geschnitten und mit wenig seitlichem Anpreßdruck in die ausgesägten Fugen mit angedicktem Epoxy geklebt. Die Fugenrückseiten fein abgeklebt...
Die Fugen wurden mit einer angenagelten, Stahlnägel, Stracklatte aus gleichmäßig gewachsener Kiefer und einer Elu-Schattenfugensäge passend aufgesägt. Eventuell übriggebliebene Stege wurden mit nem schmalen Stecheisen entfernt, da die Fugen nicht durch die ganze Plakendicke geschnitten wurden, sondern 2 mm stehenbleiben durften.
Zum Leimen wurden Leiste und Fuge zuerst mit ungefülltem Epoxy gestrichen und dann satt mit angedicktem Epoxy eingeleimt, und mit Preßlufttacker zum leimen fixiert.
Nach dem Trocknen klammern entfernen und Überstand mit nem Bootshobel abhobeln und dann zb mit Bandschleifer samt schleifrahmen schleifen.

Bilder gibt es hier:

[www.fky.org]

Grüße und gutes gelingen,

Jens

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Rhett (IP bekannt)
Datum: 17.07.18 03:03

André bauer schrieb:
-------------------------------------------------------
> Sauber schneiden muss man die Fuge sowieso, mit
> Tauchsäge z.B. und aufgehefteter Straaklatte.
>

Ich säge mir immer die Leisten von einem Brett, das genau so dick ist wie meine Fuge breit ist. Die Dicke des Bretts ist dann die die Breite meiner Leiste. Das ist in der Regel genauer als Aussägen, zumindest, wenn man nur Heimwerkerwerkzeug zur Verfügung hat. Und die Fuge fräse ich mit der Oberfräse. Beides - Leiste und Fuge - haben damit ein genau definiertes Maß.

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 17.07.18 18:03

Hallo,

die Fuge mit der Oberfräse zu fräsen ist keine so gute Idee.
Zum einen läuft der Fräser auch bei niedrigster Drehzahl immer noch sehr schnell. Damit darf man die Fräse nicht anhalten oder so, es entstehen sofort Brandstellen in der Fuge.
Sägt man die Fuge mit einer Tauchsäge ist die Gefahr kleiner, zumal das Blatt auch ne längere Standzeit hat.

Zweitens is derTisch einer Oberfräse ziemlich breit und entsprechend weit weg muss die Latte aufgeheftet werden.
In stark gekrümmten Bereichen wie der Kimm kann es dann passieren, das die Fräse aus der vorgesehenen Fuge läuft, weil man die Tischbreite parallel zur Plankenfläche angerissen hat.
Der Tisch aber wird normal in der Ebene rechtwinklig zur Leiste geführt.
Zumindest läuft man Gefahr das man die Fräse nicht im konstant veränderlichen Winkel kippt und dann Absätze in die Fuge bekommt.
Eine Tauchsäge sägt max ca. 10 mm von der Anlagekante und hat einen 40-50 mm breiten Tisch.
Die Gefahr damit zu verkanten is wesentlich kleiner.

Mit dem Schneiden der Leisten hast Du natürlich recht.

Gruß,
André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Andre R363 (IP bekannt)
Datum: 17.07.18 18:19

Hallo,

Oberfräse funktioniert bestens.
Kann ich aus der Praxis mit bestem Gewissen so sagen.
Habe einen 20er Jollenkreuzer komplett ausgeleistet und die Fugen mit der Oberfräse geschnitten.
Ich habe für die ca. 120m Fugen zwei Nutfräser verschlissen.

Gruss
Andre

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 17.07.18 21:26

Moin schon wieder,

der Jolli hat ja auch kaum ne scharfe Kimm. Auf mehr oder weniger gerader Fläche kein Ding.
Und es bleibt immer noch das Problem der hohen Drehzahl.
Wollte vorhin dazu noch was schreiben:
Bei Verklebung von z.B. Eiche mit EP soll die Fläche direkt vorher mit nem Zahnhobel oder groben Schleifpapier (24 oder 40er Korn) angerauht werden. Oder man verklebt frische sägerauhe Flächen.
Wie mit der Tauchsäge.
Wie sonst könnte man die Leimflächen beim Ausleisten effektiv vorbereiten.

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Andre R363 (IP bekannt)
Datum: 17.07.18 22:34

Hallo,
ein Jolli hat keine scharfe Kimm?
Also, wenn fast 90° von Überwasser zu Unterwasser nicht "scharf" ist, was dann?

Aber selbst da klappt das mit der OF ganz gut.

Gruss

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 19.07.18 17:48


Hallo Zusammen,

Ich kann die Schattenfugensäge nur wärmstens empfehlen, sollte irgendwo ein Nagel in den Fugen sein, ist der Fräser sofort hinüber. Ein gutes Sägeblatt steckt auch den ein oder anderen Nagel weg.
Und die Fügen verbrennen nicht

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 20.07.18 08:43

Moin,
nicht der Winkel allein ist wichtig, sondern der Radius vielmehr.

Und was Jens geschrieben hat, ist auch nicht unwichtig.

André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Käptn Iglu (IP bekannt)
Datum: 10.10.18 13:15

Moin moin,

möchte mich erst mal vorstellen da ich neu hier bin:
Komme vom Bodensee mit Hamburger Wurzeln und bin auf dem Wasser seit 40 Jahren.
Käptn Iglu ist mein Nickname.
Im Moment segeln wir eine Wibo2.

Zum vorherigen Thema Ausleisten:
Vor etwa 20 Jahren hatten wir eine Lightning Jolle Bj. 1964 gekauft, Vollholz Mahagoni, die auch der Ausleistung bedurfte. Das Boot war völlig ausgetrocknet. Also Boot umgedreht.
Da ich kein Bootsbauer bin, wurde recht unbefangen mit der Kreissäge zwischen den Planken aufgesägt, ohne irgendeine Führung. Der Spalt zwischen den Planken, ca. 2mm, hat das Blatt einwandfrei in der Spur gehalten.
Dann von innen mit Klebeband zugemacht und von der anderen Seite Mahagonileisten mit angedicktem Epoxy reingeschoben. Die Leisten waren rechteckig im Profil und etwas schmaler wie der Sägeschnitt.
Das Andickmittel war Schleifmehl vom Rumpf, farblich passend.
Nach dem Aushärten Überstand abschleifen, lackieren, fertig.
Das Boot wurde dann 10 Jahre gesegelt, auch unter sehr stürmischen Bedingungen, immer ohne Motor. (Wir hatten keinen) Nie gab es ein Festigkeitsproblem, dicht war es wie eine Nuss, trotz Trockenliegeplatz.
So war meine Erfahrung.
Grüße vom Bodensee,
Handbreit,

Käptn Iglu



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