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Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: helmsman-2 (IP bekannt)
Datum: 11.03.19 18:37

In Anbetracht der Tatsache, dass ja vielleicht bald ein größeres Segelschulschiff zu verschenken oder zum symbolischen Preis von 1 EUR zu verkaufen sein wird, würde mich mal grundsätzlich interessieren, wie man bei genieteten Schiffen aus Eisen / Stahl die Vernietung ausführt bzw. ausgeführt hat.

Und zwar würde mich insbesondere interessieren, ob man irgend etwas zwischen die Bauteile gebracht hat, die vernietet wurden. Einerseits, um vielleicht die Dichtwirkung zu erhöhen, andererseits aber, um Korrosion zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Man kommt ja an die zwischen den Bauteilen liegenden Flächen für eine Korrosionsbehandlung nie mehr heran. Und soviel ich weiss, hat Rost ja die unangenehme Eigenschaft, mehr Platz zu benötigen, als der solide Stahl und versucht so, die Bauteile immer auseinander zu drücken. Wasser hingegen wird sich nicht davon abhalten lassen, zwischen die Bauteile einzudringen, selbst wenn diese gut vernietet sind. In den porösen Rost wird das Wasser umso besser eindringen und sein Werk verrichten.

Das ganze nur mit Farbe von aussen abzudichten wird vermutlich nicht gelingen. Deshalb wäre meine Frage, ob man früher z.B. Bleimenninge, Teerfilz oder irgend eine andere Art von elastischer oder korrosionsschützender Beschichtung zwischen die Bauteile gebracht hat bzw. wie die Bauteile vor dem Vernieten vorbehandelt worden sind.

Völlig unabhängig davon ;-) ein paar interessante Fakten von der Gorch Fock (laut Wikipedia):

Kiellegung 24. Februar 1958
Stapellauf 23. August 1958 (also nur 6 Monate Bauzeit….. wow)
im Dezember 1958 ist sie schon gesegelt.
Baukosten (damals) 8,5 Mio DM (wieder wow).
Schafft man sowas heute nicht mehr, weil es heute Computer gibt?

fragt sich

Klaus


Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: piet (IP bekannt)
Datum: 11.03.19 20:25

Hallo Helmsmann,
Als erstes zu deiner Computerfrage: Natürlich werden im Computerzeitalter noch Traditionsschiffe gebaut. Schließlich löst man perComputer Probleme,die man früher nicht hatte.
Aber jetzt zum Nieten. Ich habe in den 70ern auf einer Werft noch genietet. Als Zwischenlage wurde an dem Bauteil ( Stehender Kessel einer Dampfmaschine auf einem Eimerkettenbagger) Leder mit eingearbeitet. Sobald der glühende Niet gesetzt war und abkühlte, zog sich das Leder um den Niet zusammen. Die letzten Nietarbeiten die ich in den 80ern ausführte, waren eigentlich nur Reparaturen an Binnenschiffen, die insgeamt noch genietet waren. Mitte der 70er wurde das Forschungsschiff "Explora" gebaut. Der komplette Aufbau bestand aus Aluminium und wurde mit einem sogenannten Dehnkragen. aus Gummi auf den Stahlrumpf genietet. In vielen Nietungen habe ich Blei vorgefunden. Gruß Piet

Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: helmsman-2 (IP bekannt)
Datum: 12.03.19 22:24

Hallo Piet,

vielen Dank für Deine Antwort.
Lass mich mal von hinten anfangen.
Dass heutzutage Aluminiumaufbauten auf Stahlschiffe genietet oder geschraubt werden müssen ist klar, da man beide Metalle nicht miteinander verschweissen kann. Um die Fügestelle dicht zu bekommen, und auch um die Teile galvanisch voneinander zu trennen, werden, wie von Dir beschrieben, Gummistreifen als Zwischenlage oder heutzutage wohl auch dauerelastisch aushärtende Dichtmassen verwendet.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass bei Schiffen, z.B. um die Jahrhundertwende, die aus Stahl genietet wurden, Lederstreifen zwischen die zu vernietenden Bauteile gelegt wurden. Wenn die Lederstreifen mal weggefault sind, würden die Nietverbindungen ja lose werden.
Ob es um die Zeit auch schon haltbare Rostschutz-Primer für Stahl gab, so dass man die Platten vor dem Vernieten schon primern konnte weiss ich nicht. Ich denke aber eher nicht. Vielleicht hat man Bleiweiss oder auch Bleimenninge verwendet.

Viele Grüße

Klaus


Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: hermann.l (IP bekannt)
Datum: 15.03.19 20:00

Moin.
Ist ja beim Klinkerbau nicht anders.
Wenn der nicht mehr richtig dicht ist ,
hilfst manchmal , im Schlickwatt
trockenfallen und beim Aufschwimmen
ordentlich mit dem Prop rumwühlen .
Der feine Modder dichtet sehr gut .
Klappt auch bei meinem Karweelbau ,
wenn es beim Trockenfallen paar mal
gepoltert hat. Nach dem Aufschwimmen
kam dann etwas Wasser , wurde durch
die Schwebestoffe dann wieder dicht.
Also , nur zu , wenn du die GF für einen
Euro bekommst , dann schlag zu und leg
dich ins Schlickwatt.


Gruß vom Skipper
Hermann
und seinem 54 Jahre alten Holzboot



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.03.19 20:01 von hermann.l.

Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: piet (IP bekannt)
Datum: 16.03.19 17:04

Hallo Helmsmann
Ich habe mal in meiner Literatur nachgeschaut und in einem Handbuch über Schiffmaschinetechnischen Dienst aus dem Jahre 1870 (Verfasser Mathias Ernst etwas gefunden. Die Bezeichnung in werftüblicher Mundart war "Eisen oder Metallkitt". Die Rezeptur, wortwörtlich zitiert, bestand aus folgenden Zutaten.: "Zinkoxyd (Zinkweiß), Schwefelsaures Bleioxyd, Braunstein (Was auch immer das ist), und Eisenoxyd in gleichen Theilen zu ganz feinem Pulver zerrieben und mit Leinölfirnis zur gehörigen Consistenz gebracht".
Gruß,Piet

Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: hermann.l (IP bekannt)
Datum: 16.03.19 20:50

Piet , Baustein ist als violettes grobes Pulver erhältlich .
Paar Körnchen in Wasser färben schön violett. Auf der
Haut färbt es sich nach dem Trocknen braun.
Kaliumpermanganat .
Schönen Sonntag

Gruß vom Skipper
Hermann
und seinem 54 Jahre alten Holzboot

Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: helmsman-2 (IP bekannt)
Datum: 17.03.19 09:43

Hallo Piet (und auch die anderen),

das sind die Informationen, die mich interessieren. Tolles Buch, was Du da anscheinend hast.

Bin zwar kein Chemiker, aber die Zusammensetzung der Mischung scheint durchaus sinnvoll zu sein. Zink kennt man ja als Rostschutz, Blei ebenfalls (Bleimennige) und Leinöl, (ebenfalls in Bleimennige). Und enthält nicht diese dunkelrote bis braune Bilgenfarbe Eisenoxid?

Also waren schon früher wirksame, rostschützende Substanzen bekannt. Interessant wäre nun noch, ob deren Verwendung grundsätzlich Teil des Zusammenbaus / Nietvorgangs war (vor dem Vernieten) oder ob die Verwendung quasi optional war. Wie sind (nur als Beispiel) die Platten und andere Bauteile der Gorch Fock (oder älterer Schiffe) an den später nicht mehr zugänglichen Fügeflächen vor Zusammenbau behandelt worden?

Auch diese Kenntnisse sollten bewahrt werden. Es wäre schade, wenn solche Informationen im Laufe der Zeit verloren gingen.

Viele Grüße
Klaus

Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: piet (IP bekannt)
Datum: 17.03.19 13:17

Ich bleib dran und such in meiner Literatur weiter. Da ich in den 70ger Jahren auf der EWAG Schiffsmaschinenbau gelernt habe, habe ich auch noch Kontakt zu einem alten Schiffbauer vor meiner Lehrzeit. Vielleicht kann er sich noch an etwas erinnern. der Mann ist mitlerweile über 90 Jahre alt. Gruß, Piet

Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: motorsegler (IP bekannt)
Datum: 19.06.19 12:26

Auch wenn dies Thema schon etwas älter ist, kann ich wohl was dazu beisteuern. Irgendwie gucke ich hier zu selten rein...

Ich habe bis jetzt zwei genietete Stahlboote aus den 50ern bearbeitet. Beide waren aus Zinkblech gebaut und hatten zwischen den Platten ordinäres Teerband verarbeitet. Grundiert waren die mit Bleimenninge. Da ich geschweißt und nicht genietet habe, habe ich aufpassen müssen, an den entsprechenden Stellen das rauslaufende Teerzeug nicht zu sehr zu erhitzen oder zu verbrennen, da es ja sonst porös, hart und nicht mehr dicht sein könnte, und trotzdem an der Stelle ne porenfreie Naht hinzubekommen.

Ein Lederband macht im Kesselbau durchaus Sinn, da es die hohen Temperaturen abkönnen sollte. Wird aber im Rumpfbereich nicht verwendet worden sein.


Re: Korrosionsschutz beim Nieten?
geschrieben von: günni (IP bekannt)
Datum: 20.06.19 00:07

Hej,
in einem SH-Magazin des NDR waren irgendwann einmal schön glänzende Schrauben im UW-Bereich zu sehen. Ein Rostproblem war bei der Jolle so wohl ausgeschlossen.
günni



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