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So ein Mist......(Hitzeschäden)
geschrieben von: Andre R363 (IP bekannt)
Datum: 07.07.19 08:25

Hallo,
ich musste die Restaurierung meines 20er Jollenkreuzers im November 2018 auf Eis legen, da mein Stellplatz anderweitig genutzt werden musste.
Jetzt kann ich wieder zurück und weiter restaurieren.
In den ganzen Monaten stand der Jolli abgedeckt in einer Ecke unter freiem Himmel.
Als ich nun die Plane geöffnet habe, hat mich fast der Schlag getroffen.

Das Glasfaser laminierte Kajütdach hat sich teilweise gelöst und hat Blasen geschmissen.
Diese sind steinhart, nicht weich.
Das Dach hat soviel gearbeitet, dass die Kajüttür, die fast ohne Spalt geschlossen hat, nun fast 20mm auseinander steht.

Auch das Schiebeluk wurde gesprengt.

Ich restauriere seit fast 12 Jahren, wollte dieses Jahr fertig werden. Und jetzt das.
Ich frage mich, ob das auf dem Wasser unter einer Persenning auch passiert wäre?

Das Schiebeluk und der entstandene Spalt in der Kajüttür ist nicht das Problem. Das ist mit ein paar Arbeitsstunden wieder hergestellt.
Das Dach stellt mich vor eine grössere Aufgabe. Vor allem weiss ich nicht wie ich es angehen soll.
Ich würde die ganzen Blasen (zum Bug hin wird es noch viel schlimmer) wegschleifen, auch wenn die Glasfasermatte dann an der Stelle fehlt, es spachteln und wieder verschleifen.

Also, passt auf eure Boote auf! Die gehören aufs Wasser und nicht Monatelang an Land unter die Sonne.

Gruß
Andre R363

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Re: So ein Mist......(Hitzeschäden)
geschrieben von: helmsman-2 (IP bekannt)
Datum: 07.07.19 13:27

Hallo Andre,
das sieht natürlich nicht gut aus. Ich hätte auf den ersten Blick vermutet, dass ein mit GFK beschichtetes Dach sich nur so abheben kann, wenn der Untergrund nicht ordentlich haftet, also wenn das Holz sehr harzreich ist oder noch ölige Lackreste auf dem Holz verblieben sind.
Aber so wie das aussieht, ist da kein GFK drauf (oder nur eine sehr dünne Glasseidenbelegung). Ordentlich verarbeitetes und ausgehärtetes GFK würde selbst unter Temperatureinwirkung nicht so kleinwellig schrumpeln. Zu der vorderen Abschlussleiste hin ist ja sogar ein Riss entstanden, das würde mit Glasgewebebeschichtung (falls sie bis über die Abdeckleiste reicht) nie passieren.

Von Deinem Reparaturvorschlag würde ich abraten. Falls wirklich GFK drauf wäre und Du würdest nur alles abgelöste Material abschleifen und dann wieder zuspachteln und überlackieren... das hält keine paar Wochen und Du hast wieder Risse drin. Die Lösung kann nur lauten: Runter mit dem Zeug, egal was es ist, und zwar komplett. Dann Neuaufbau mit zwei bis drei Lagen Glasgewebe 160 g/m² mit einem vernünftigen Epoxidharz.
Ich würde die Beschichtung auch unter die Abdeckleisten legen (seitlich kann ich nicht sehen, ob da welche sind) und die Abdeckleisten dann draufkleben und farblos lackieren. Sieht besser aus, als weiss lackierte Abdeckleisten.

Ob das auf dem Wasser auch passiert wäre, kann ich nicht sagen. Die Dachbeschichtung hätte sich möglicherweise auch abgelöst, abhängig von der Temperatur, die unter der Plane erreicht wird. Auf dem Wasser wäre es aber vermutlich etwas kühler geblieben. Die Plane darf in keinem Fall dunkelfarbig sein, da werden sehr hohe Temperaturen erreicht. Am besten sind immer weisse Planen, auch wenn diese mit der Zeit etwas schmutzig werden.

Die Schrumpfung der Holzteile wäre auf dem Wasser vielleicht auch nicht komplett unterblieben, aber geringer ausgefallen, da die Luftfeuchtigkeit etwas höher ist. Aber gewisse Schrumpfungsvorgänge vom Frühjahr zum Sommer sind normal, wenn das Boot unter der Persenning sehr warm wird. Das beste Rezept ist immer: Das Boot früh ins Wasser, spät wieder raus und möglichst oft (mindestens einmal pro Woche) segeln. Ausserdem immer alles Wasser aus der Bilge nehmen (am besten täglich, falls es nicht ganz trocken ist oder durch Regen Wasser ins innere gelangt), ausserdem bei Abwesenheit immer die Bodenbretter hochstellen, die Kajüte und alle geschlossenen Räume offen lassen, damit alles lüften kann.
Ist halt Holz.

Klaus


Re: So ein Mist......(Hitzeschäden)
geschrieben von: Andre R363 (IP bekannt)
Datum: 07.07.19 14:03

Hallo Klaus,

ich kann dir versichern, es ist GFK.
Ich habe das ganze Dach komplett neu gemacht.
Das es am Harz des Holzes liegen könnte, habe ich mir auch schon gedacht.
Es ist sibirische Lärche.
Das Dach wurde gespachtelt, angeschliffen, Glasgewebe, angeschliffen, gespachtelt usw usw. Irrsinnig viel Arbeit.

Der Riss vorne ist nur der Lack.
Die Abschlussleiste ist natürlich auf dem Laminat. Anders wäre es ja nicht sinnvoll.

Mal sehen wie groß meine Lust ist das alles neu zu machen. (Neu machen....ich lach mich schlapp. ES IST NEU)
Perfekt wäre es, wenn ich auf die Dachleisten Furnierstreifen diagonal aufklebe.
Darauf dann wieder den Glasfaser Epoxy Aufbau.

Gruß
Andre R363

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Re: So ein Mist......(Hitzeschäden)
geschrieben von: helmsman-2 (IP bekannt)
Datum: 07.07.19 14:23

Hallo Andre,

wie Dick ist denn Dein Laminat? D.h., wie viel Gramm hat das Glasgewebe, wie viele Lagen?

Du könntest das Holz vor dem Laminieren ein paar mal mit Aceton abwaschen, so dass das (Baum) Harz in der obersten Schicht entfernt ist. Ausserdem das Holz nicht zu glatt schleifen. Zwischen den einzelnen Lagen nicht spachteln, am besten alle Lagen Nass in Nass laminieren, erst dann spachteln.

Viele Grüße
Klaus

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Re: So ein Mist......(Hitzeschäden)
geschrieben von: penduick (IP bekannt)
Datum: 31.07.19 13:17

Hallo Andre,
ich habe mit R407 eine ähnliche Arie hinter mir wie du.
Das Dach habe ich zur Saison 2017 neu gemacht (so wie du mit Lärchenstäben und GFK Belag) .
Als es im Sommer 2018 so lange so heiß war, lag das Boot unter einer Vollpersenning (angeblich atmungsaktiv) am Steg.
Der Riss im Schiebeluk ist ähnlich breit wie bei dir, die Türen waren schon vorher krumm.
Auf dem Vorschiff sind die Risse im Lukendeckel etwas größer geworden, in der Abdeckung vor dem Luk neu entstanden.
Das Laminat auf dem Dach aber hat gehalten. Sowie das Holz eine andere Feuchtigkeit als beim Beschichten hat, sieht man jede Schraube und jede Leiste (also fast immer, fängt am Tag nach dem Schleifen an.....). Wenn das Holz arbeitet und der Rest rund herum nicht, ist das aber so.
Auf Empfehlung des Epoxi-Lieferanten besteht das Laminat aus 2 Lagen 400g/m2 Glasfasermatten. Ich fand das erst ziemlich fett. Wenn ich jetzt aber sehe, was das Holz darunter anstellt, bin ich froh es so gemacht zu haben.

VG

Matthias, R407

Re: So ein Mist......(Hitzeschäden)
geschrieben von: Andre R363 (IP bekannt)
Datum: 31.07.19 13:32

Hallo Klaus und Matthias,

wieviel Gramm das Gelege hat weiß ich nicht mehr. Müsste ich in den Rechnungen nachsehen.
Anders als beim Rumpf, habe ich aber nur eine Schicht Glasfasermatte drauf.

Das Schiebeluk habe ich schon wieder repariert.
Anstatt die Verleimung wieder mit einer Leiste zu schließen, habe ich die vier Bretter des Deckels an den Klebestellen aufgefräßt und mit Sika eine Fuge gemacht. Ich hoffe, daß das bei den Temperaturunterschieden halten wird.
Mal sehen ob der Lack jetzt nicht auf dem Sika reißt.

Die Türen habe ich mittels einer angeklebten Leiste breiter gemacht. Der Spalt ist zu.

Das Dach lasse ich jetzt erstmal so wie es ist. Zuerst wird der Rest fertig restauriert.
Entweder gehe ich mit dem Dach so wie es ist segeln und mach es in irgendeiner Winterzeit wieder neu oder ich schaffe es noch vor dem ersten Wassern.
Schaun mer mal.

Bei Gelegenheit mach ich nochmal Bilder

Gruß
Andre R363



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