"Rettet die Klassiker" : Forum
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Beister - Wer hat Erfahrungen
geschrieben von: KPWangen (IP bekannt)
Datum: 05.09.17 14:31

Hallo zusammen,

ich habe mich in eine 11m Beister Yawl "verguckt" - die allerdings seit 21 Jahren in einer trockenen Halle vor sich hin vegetiert. Der Besitzer will sie nun verkaufen, der Preis ist mir noch zu hoch, zumal sie (von innen noch reichlich) Arbeit bedarf.

Die Yacht gleicht dieser Beschreibung im Wesentlichen (siehe nachfolgendem Link). Die Salonkoje, die dort beschrieben ist, gibt es aber nicht wirklich, es gibt einen Naviplatz gegenüber der Pantry an Steuerbord, dort wurde auch eine Kühlbox installiert - etwas verbastelt - und alles mittschiffs, nicht beim Niedergang.

[www.yachtsportmuseum.de]

So wie ich die Yacht gesehen habe, ist sie ein S-Spanter, Langkieler. Der Besitzer hat sie nie gesegelt, sondern als mastlose Motoryacht auf dem Rhein und der Mosel "missbraucht". Gesamte Takelage (Alu-Rig) ist vorhanden, ebenso wie Segel und sogar eine Windfahnensteuerung.

Was mich unter Deck irritiert: wenn man ein Schapp aufmacht, dann lacht einem Sackleinen als Rückwand an. Hebt man diesen an oder schiebt ihn zur Seite kann man direkt auf die Stahlwand schauen, wo zwischen den Stahlrippen Styropor aufgeklebt ist. Zwar hat die gesamte Konstruktion so eine prima Hinterlüftung, aber von Dämmung kann ja wohl keine Rede sein. Der gesamt Holzausbau sieht ok aus, es muss halt die Oberfläche ordentlich behandelt werden. Die Gasanlage für die Pantry würde man so niemals mehr zugelassen bekommen - das muss man ändern.

Heizung an Bord? Nein
Motor: Mercedes, ca 45 PS

Aber was ich kaum irgendwo bekomme sind Informationen, wie sich eine solche Yacht segelt. Wer hat Erfahrungen mit dem Langkieler (Sloop oder Yawl). Wie verhält sich die Yacht bei leichten Winden und relativ glatter See und wie läuft sie, wenn es mal richtig rau wird? Stimmt es, dass Beister-Yachten sehr schnell waren und auch sehr seegängig?

Die Yacht liegt auf einem Trailer, der leider keine Straßenzulassung mehr hat und auch keinen TÜV. Sie müsste demnach erst transportiert werden, ggf. zu einem Fluss und von dort aus weiter. Aber zuvor müssen die wichtigsten Dinge geprüft und gewartet werden (Bordduchlässe, Wellendichtung, Motorcheck und -wartung, Diesel abpumpen usw.)

Wer hat Erfahrungen mit einem solchen Transport (Kosten, Aufwand...) bevor sie gewassert werden kann.

Ich bin wie gesagt auf der Suche nach mehr Informationen. Der Besitzer kann mir zum segeln rein gar nichts sagen. Die haben das Schiff nach dem Urlaub sofort wieder auf den Trailer gepackt und zurück in die Halle. Deshalb sieht der Rumpf von innen und außen auch richtig gut noch aus (unter Wasser dreckig vom Flusswasser....)

Vielen Dank und viele Grüße
Klemens Wangen


Re: Beister - Wer hat Erfahrungen
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 06.09.17 01:00

Moin Klemens,

zu dem Schiff kann ich nichts sagen, aber die Isolierung ist ˙interessant˙.
So wie ich das verstanden hab, sind die Spanten und restliche Struktur nicht isoliert, das Styropor liegt zwischen den Spanten?
Das würde bedeuten, die Einrichtung komplett auszubauen und den Stahl komplett zu isolieren.
Um Korrosion zu minimieren muss der Taupunkt vom Stahl weg nach innen verlagert werden
Zumindest drückt das massiv den Preis.
In dem Zusammenhang empfehle ich unbedingt einen Gutachter, die wenigen hundert Euro sind beim Kaufpreis sehr schnell eingespart.
Auch wichtig: Wie lange fährt das Schiff schon mit der improvisierten Isolierung?

Der Transport ist schwierig einzuschätzen, LKW oder Trecker möglich? Entfernungsabhängig
Trecker müssen für den Transport korrekterweise schwarze Kennzeichen haben, mit grünen ist es Steuerhinterziehung weil nur für Landwirtschaft zugelassen.
Selbstgebaute Trailer dürfen komplett ohne TÜV mit 6 km/h über die Straßen bewegt werden, das Zugfahrzeug muss bauartbedingt auf 6 km/h beschränkt sein.

Generell sind Aussagen zu Seetüchtigkeit, Geschwindigkeit usw. immer subjektiv.
Man kann nur empfehlen, das Schiff bzw. ein ähnliches Probe zu segeln.
Meine Erfahrung mit Langkielern ist, das sie sehr unterschiedlich sind.
Einige tanzen in der Welle wegen der Überhänge auf und ab, die Seefahrtkreuzer z.B. tun das kaum, sie schneiden mehr die Welle.
Dafür segeln sie dann nasser als die Anderen.

Gruß,
André




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