REGATTA

Scottish sailing between SINGIN’ AND WINNING...

Die Hände sind etwas feucht, die Haltung angespannt , das Herz etwas aufgeregt. Nach einer orientierungssuchenden Extra-Runde ums Gefährt kann`s auch schon losgehen. Hart Backbord-Ruder, den Blick starr auf die linke Fahrwasserseite gerichtet, die Crew hinter mir hält spürbar den Atem an - oder lässt ihn zischend los wenn wir schwungvoll in einen Kreisel schwenken. Gefühlte 180 Kreise später: Zieleinlauf in Rhu am Rande der Highlands. Der erste Törn ist bestanden und das kleine Auto mit den vier nunmehr sichtlich entspannteren Seglern hat Links- und Kreisverkehr, die winkligen Straßen Edinboroughs und den pittoresken ehemaligen Treidelpfad cross country bis an die schottische Ostküste unbeschadet überstanden.
Der Clyde liegt vor uns in der Abendsonne, beim Passieren des alten Torwächterhauses wünschen wir uns kurz in einen stilechten Bentley und rollen mit unserer Mini-Limousine angemessen langsam durch den gepflegt englischen Park zum Herrenhaus - Sitz des traditionsreichen Northern Yacht Club und Heimat unserer segelnden Gastgeber.

Die Begrüßung ist fröhlich, auch wenn die Augen klein sind - der Weg von Kiel oder Berlin bis zum Gareloch ist weit und trotz der irischen Fluglinie zeitintensiv. Ein Teil der german delegation konnte sich bereits akklimatisieren und hat ein paar Urlaubstage in der wilden Landschaft und den historical places around verbracht. Zur Orientierung: Die Küste zwischen Glasgow und Helensborough ist eine Art „Speckgürtel“ der großen Stadt. Zahlreiche Villen, Landsitze und viel Geschichtsträchtiges säumt die wenigen und schmalen Straßen. Auch unsere Gastgeber wohnen zum Teil mit herrlichem Wasserblick oder einem Garten mit landschaftlichem Ereignis-Charakter. Die überwältigende Herzlichkeit „unserer“ Schotten und die unbeschreiblich schöne location nimmt das 13köpfige german team sofort gefangen - der stilvolle drink an der Bar des Clubs tut sein Übriges dazu. Abends füllt sich das Haus unserer hosts, Gordon und Susan. Ein bewunderndes Dankeschön an die Hausherrin, die scheinbar mühelos ein ganzes Büffet für 20 Gäste zauberte! Gern schließen wir uns an diesem Abend den landesüblichen Zeiten an und sagen um 22 Uhr: sleep well - see you tomorrow!

Der erste Regattatag empfängt uns mit bestem schottischem Sommerwetter. Feine Brise, Sonne und dicke weiße Wolken, die gemächlich von den Highlands über den Gareloch wandern. Traditionsgemäß werden wir mit einer launch zu den Booten gebracht, die auf uns an den Moorings warten. Die Flotte der „Gareloch One Design“ zählt heute 12 der gut 7 Meter langen schmalen Kielschiffe, die vom Erscheinungsbild eine Mixtur aus Drachen, Knarr-Boot und kleinem Meterboot darstellen könnten. Alle sind in Rhu beheimatet und werden von ihren nicht mehr ganz jungen Eignern geliebt, gepflegt und regelmäßig zu den Sonntagnachmittag - und Dienstagsregatten ausgeführt. Seit 1924 segeln sie auf ihrem Gareloch, ein trickreiches Tidengewässer, für dessen Bedingungen sie eigens konstruiert wurden. „Boot pur“ erwartet uns: Einfaches handling, übersichtliche Beschläge und eine sehr eigene Weise den Spi zu fahren. Er wird im Körbchen an den Bugbeschlag geschnallt und tüdelfrei gesetzt - zumindest meistens... Zum Teil sind die wendigen Boote nicht unbedingt in allerbester regatta-condition, so dass einige Crews ziemlich kreativ ihre Runden bis zum Ziel absegeln müssen.

Der Race-course führt uns um den Gareloch herum: Verschiedenste up-and-downs werden auf dem Startschiff vor jedem Neustart bekannt gegeben. Fünf Rennen hält das team-race für uns bereit. Anspruchsvolles Segeln, denn die schottischen Gastgeber geben uns auf dem Wasser keinesfalls höflichen Vortritt. Hier wird ernsthaft gesegelt und gerade das macht ja den Spaß aus. Allen voran Charles, unverkennbar unter seiner weißen Kapitänsmütze, der den besten Riecher und ein feines Händchen für die sensiblen One Designs hat. Leider nutzt es nicht wirklich ihm zu folgen, irgendwo findet er mit seiner Mannschaft immer eine Privatbrise - und tschüß! Regattasegeln ist zwar wichtig, aber eine feine Mittagspause im Club ebenso. Wir bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf das festliche Dinner, das uns dort im edlen Ambiente am Abend erwarten wird. Ein wenig ausgepowert und um viele Erfahrungen reicher, was Themen wie Tidenhub, Strömungsverhältnisse, Nährstrom, Fallwinde, etc. angeht, beschließen wir an der Bar den herrlichen Segeltag. Ernste Mienen bei unseren Gastgebern, Getuschel und nochmaliges Berechnen der Ergebnisse. Ein kleines Gerücht schleicht durch den Raum: das german team hat knapp aber immerhin die Nase vorn?! Das wäre eine absolute Sensation - weil erstmalig und daher nicht sehr glaubwürdig - rumors...

Wir werfen uns anlassgemäß in Schale und dürfen einen wunderbaren schottischen Abend erleben. Mit eigener Menükarte – plus künstlerisch gelungener Karikatur auf den letzten komplett verregneten Gegen-Besuch bei der Laboe-Regatta vor zwei Jahren. Einem köstlichen dinner und anschließend gemeinsamen Gesang zu Lautenklängen und einer beeindruckenden zwölfjährigen Solistin, deren warme Stimme für manchen wohligen Schauer sorgte.
Klaus beglückte uns später mit dem Gegengerücht: Natürlich haben unsere Gastgeber gewonnen - wieder einmal.
Die Teamraces waren so oder so beendet, aber wir waren ja zum Austausch und zum Segeln gekommen, also sieht uns auch der Sonntagmorgen bei wiederum bestem Wetter auf den Booten. Ute Sendtner-Voelderndorff, einer Berlinerin, die mit ihrem Mann Stefan zum ersten Mal dabei ist, hat es dieser ungewöhnliche Regatta-Tag besonders angetan:

„Der zweite Tag war Spitze, daran könnte ich mich gewöhnen: Der Eigner des Bootes war unsere Crew und erledigte superflink die Vorschiffsarbeit: Unser Spi war immer der Erste.- Er wusste, wo die Tonnen zu finden waren und wo der Wind zu erwarten war. Klaus steuerte das Boot sicher zum Ziel und als Belohnung verkürzten wir uns die Wartezeit bis die übrigen Teilnehmer eingetroffen waren mit einer Erfrischung. Auch für den Mittagsimbiss war gesorgt, ebenso war die Sonne zum Kaffee auf der Terrasse bestellt.
Der Nachmittag brachte einen weiteren Steuermannswechsel, ich sollte meine erste (Spaß)- Regatta steuern. Nach den ersten Steuerversuchen und einigen immerhin angekündigten Halsen und verängstigten Blicken von Charles, stellte ich ihm frei, das Ruder abzugeben, aber nein ich musste weitermachen. Der Start klappte auch irgendwie und dann ging es in gewohnter Weise weiter, beinahe wie zu Hause: mir wurde gesagt wo es lang geht. Die anderen blieben netter Weise an einer Landzunge kleben und dann umrundeten wir das „Sugarship“ als Erste. Der Wind wurde schwächer, nichts für Leute, die keine Aufregung vertragen. Ich habe mich nicht umgesehen, meine Männer zitterten wohl etwas, aber wir waren Erste im Ziel, zur Verwunderung der Mannschaft auf dem Startschiff, die meinen linkischen Beginn gesehen hatten und bereit waren, ihr Schiff gegen einen Angriff von uns zu schützen. - Das war natürlich mein großer Tag!“

Ein letzter Drink an der Bar, ein schon jetzt wehmütiger Blick über den verwehten Gareloch und die geduldig wartenden One Designs an ihrer Mouring. Wir möchten am liebsten noch eine Woche bleiben und am scottish way of sailing & living teilhaben dürfen. Mitten in der Nacht geht’s im kleinen Bentley zurück zum airport - ohne Zischen und Luft anhalten diesmal. Ein wenig konnten wir uns einleben: Das mit dem Links-fahren: No problem. Das mit den Strömungsbedingungen: Ist erlernbar. Das mit den Winddrehern: Auch ganz viel Glückssache. Denn rumor hin oder her: Am Ende durfte das Team Germany die lustige Sieges-Trophy denn doch an sämtlichen Sicherheitschecks vorbeischmuggeln. Morgens in Bremen steht sie etwas unwirklich auf dem unwirtlichen Cafehaustisch in der Morgensonne. Unsere Crew hängt überschwemmt von Eindrücken, erschöpft und beglückt, drumherum - waren es wirklich nur drei Tage?!
pep

Eine Reise in die Geschichte
Der traditionsreiche Northern Yacht Club wurde 1824 gegründet. 1831 erhielt er die Erlaubnis den blauen königlichen Stander zu setzen. Der Royal Clyde Yacht Club, gegründet 1857, etablierte wenige Jahre später die noch heute gültige Fünf-Minuten-Vorbereitung als völlig neues Startverfahren.

Der Clyde entwickelte sich rasch zum zweiten bedeutungsvollen Segelzentrum - gleich hinter Cowes. 1902 zählte der Royal Clyde 1000 Mitglieder und stattliche 400 Yachten!
Beide Clubs nahmen am America‘s Cup teil: der Royal Northern 1886 und der Royal Clyde im Jahr darauf. Unzählige berühmte Yachten wurden am Clyde-Ufer entwickelt und gebaut. Ebenso berühmte Bootsbauer und Designer versammelten sich hier: G.l. Watson, Fife und später Alfred Mylne, Mc Gruer & Co und David Boyd. Nicht nur die legendäre königliche „Britannia“ zog hier majestätisch ihre Bahn - auch die 8er waren hier beheimatet, die größten Drachen-Regattafelder kamen hier zusammen und während der 20er und 30er Jahren segelten die beiden Clubs erfolgreich gegen amerikanische Herausforderer im Match-Race und - wer hätte das gedacht - im Team-Race…

Aus der Perspektive unserer Gastgeber:
Visit of Freundeskreis Klassische Yachten

The Gareloch class had the pleasure of a visit from Germany of a team from the Freundeskreis Klassische Yachten for team racing. Eight boats took part; the weather was good with steady winds of force 3. Douglas Young’s Eorsa was a very comfortable committee boat and provided a good starting line at Blairvadoch for windward/leeward courses across the loch. As the wind shifted so too did the beats, moving from Silvers north up the Clynder shore.
Five races were sailed on the Saturday, with the visitors being victorious - winning three of the five races and the David Ryder Turner memorial trophy. An excellent dinner was held that evening in the Royal Northern and Clyde Yacht Club.
The following day fleet racing took place around the loch with the Convener being Race Officer. Crews from the previous day’s team racing helmed, with skippers being crew. Catriona (Klaus Birkhoff) won by a margin, after a strong early showing by Iris faded after she rounded a wrong mark.
In the afternoon, there was racing round the sugar ship along with John Blackie’s Maid of Lorn. A strong and enthusiastic contingent of our guests was aboard The Maid, who is over 100 yrs old. Despite the heavier wind which she likes, she did not beat Catriona, this time with Ute Sendtner-Voelderndorff on the helm.

Fotos: pep, Sven Först, Christoph Geyer, Susanne Podubrin



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