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UNENTWEGT
Der Kajütaufbau der UNENTWEGT aus massivem Eichenholz hat sehr gelitten. Die Eckverbindungen der Aufbauwände mit der Stirnwand haben sich gelöst und die Kajütdachbeplankung mit einem Leinenbezug ist stark beschädigt und teilweise verrottet. Einige Kajütdeckbalken sind gebrochen, andere gerissen. Angesichts dieses jämmerlichen Zustandes seiner Kajüte überlegt Eddi, ob er einen völlig neuen Kajütaufbau anfertigen soll. Andererseits will er so viele originale Bauteile wie möglich erhalten, damit der Charakter seines Spitzgatters sich nicht verändert. Daher entscheidet er sich für die vollständige Restaurierung des Aufbaus. Die Schrauben der Aufbauseiten in den beiden Eckpfosten sind durch Seewasser und Witterungseinflüsse so weich geworden, dass ihre Köpfe beim Herausdrehen sofort platzen. Die Eckfosten werden nun von innen aufgespalten und vorsichtig entfernt. Die Schrauben im Kajütinneren sind dagegen noch hart und lassen sich problemlos herausdrehen, so dass die Aufbauseitenwände leicht und ohne Verletzungen der Kajütschlimgen abgenommen werden können. Um sich die mühevolle Arbeit des Abziehens zu ersparen und um eine einwandfreie Oberfläche zu bekommen, schickt Eddi die beiden Aufbauwände seiner Kajüte kurzerhand durch den Dickenhobel. Selbstverständlich nicht ohne vorher den Lack grob entfernt zu haben. Die verlorengegangene Materialstärke ersetzt er nach der Montage der Aufbauwände und der Kajütdeckbalken durch eine weiß lackierte Sperrholzverkleidung, die er mit Sikaflex von innen gegen die Aufbauwände klebt. Die beiden neuen Eckpfosten mit den Sponungen für die Außenwände fertigt Eddi aus einem trockenen, geraden und feinjährig gewachsenen Eichenkantholz, das lang genug für beide Pfosten ist (Arbeitsersparnis!). Wichtig ist dabei, die genaue Schmiege zwischen dem Decksbalken, an den die Stirnwand geschraubt wird, und den Kajütschlingen für die Aufbauseitenwände auf die Pfosten zu übertragen. Diese Schmiege wird mit einem Schmiegestock abgenommen und auf die Pfosten übertragen und danach angehobelt. Anschließend schneidet Eddi die Sponungen mit einer Kreissäge ein. Von der Innenseite werden die Kanten der Pfosten schon gerundet mit einem Kehlhobel läßt sich die hohle Kehlung einarbeiten. Außen werden die Pfosten nur über Deck gerundet, damit keine scharfen Kanten entstehen. Die Aufbauseiten schraubt Eddi auch mit Sikaflex an die Kajütschlinge und das Kajütschott und danach können die fertig lackierten Kajütdecksbalken eingesetzt werden. Dazu muss ein neues Balkenlager für die Aufnahme der Kajütdeckbalken an die obere Innenseite der seitlichen Aufbauwände geleimt werden. Es hat die gleiche Funktion wie der Balkweger für die Decksbalken. Die Kajütbalken werden mit einem Schwalbenschwanz in das Balkenlager eingelassen. Die Kajütbalkenbucht der UNENTWEGT nennt man Korbbogen, d.h. die Balkenenden sind stärker gekrümmt als in der Mitte. Daher ist es sehr wichtig, bei der Herstellung solcher Balken die exakte Mitte zu markieren sowohl auf dem Balken selbst als auch am Schiff in Mitschifflinie (MS) (z.B. mit einer Richtschnur am Kajütaufbau). Mitte-Balken muß immer lotrecht über oder unter der MS liegen, sonst läuft das Kajütdach aus dem Straak; es gäbe dann besonders an den Balkenenden Täler und Hügel. Sind alle Balken gesetzt, wird die gesamte Veranstaltung mit den Aufbauseiten und der Stirnwand geschlichtet, das heißt: Kleine Unebenheiten werden mit einem Hobel geglättet. Sind alle Leisten verlegt, werden die Überstände seitlich, vorn und achtern abgehobelt, die obere Deckskante um den Aufbau herum schön gerundet, das Kajütdach geschliffen und ggfs. gespachtelt. Bevor das Dach nun mit Leinen bezogen wird, sollte eine Lage Ölpapier auf dem Dach ausgebreitet werden; sie verhindert, daß die folgende Farbe durch das Leinen hindurchsackt und trägt zur Gesamtdichtigkeit bei. Als Leinen für Decksbezüge hat sich nicht zu grob gewebte brasilianische oder marokkanische Baumwolle (Makko) bewährt. Die Bahnen liegen meistens nur 1,5 Meter breit, das reicht nicht über die ganze Breite des Kajütaufbaus. Also müssen die Bahnen zusammengenäht werden mit doppelter Kappnaht in Längsschiffrichtung. Das Beziehen des Kajütdachs erfolgt am besten mit drei Personen. Man fängt an der Längsnaht auf MS an, eine Person zieht das Leinen von vorn, eine von hinten, die dritte Person nagelt das Leinen mit Kupferteksen an, das sind ca. 15 mm lange Kupfernägel mit einem Flachkopf. So geht man von der Mitte nach außen vor. Wichtig dabei ist, daß das Tuch viel Spannung erhält. Eine Hilfe ist eine stumpf geschliffene Kneifzange, mit der man das Leinen noch kräftig zusätzlich dehnen kann, bevor man die Kupfernägel an dieser Stelle einschlägt. Statt mit Leinen könnte man ein Kajütdach auch mit GFK beziehen diese Methode wird heute hauptsächlich angewandt. Sie hat auch ihre Vorteile: Die Oberfläche ist härter, widerstandsfähiger gegen mechanische Beschädigungen, einfacher zu reparieren als auch herzustellen. Voraussetzung für eine solche Oberfläche ist allerdings ein vor dem Beschichten geschliffenes und gespachteltes Kajütdach. Und eine weitere Methode ist das Beschichten von Kajütdächern mit dem sogenannten West-System, sehr geeignet für stark beanspruchte Flächen, auf denen auch gearbeitet wird. Anstatt des Leinen- oder GFK-Überzugs werden drei Funierlagen mit Epoxidharz auf die Decksleisten geklebt. Die Furnierlagen bestehen aus ca. 10 bis 15 mm breiten Furnierstreifen aus Mahagoni- oder Nadelholz. Die erste Lage verläuft diagonal über das Kajütdach, wobei die Streifen mit Klammern "angeschlossen" (getackert) werden. Zusätzlich kann man auch Sandsäcke oder andere Gewichte zur Druckerzeugung verwenden. Die zweite Lage wird im rechten Winkel zur ersten Lage verlegt und die letzte Lage verläuft dann parallel zur MS. Die Furnierstreifen sollen sauber aneinander gefügt werden, um größere Spachtelarbeiten zu vermeiden. Das Finish wird mit einem Epoxidanstrich erreicht. Man sollte nie versuchen ein Kajütdach mit ganzen Sperrholzplatten zu belegen. Ein rundes Kajütdach ist wie die Außenhaut eines Schiffes in zwei Ebenen gekrümmt und Sperrholz von ausreichender Materialstärke läßt sich nur ungern über eine Kugel biegen. So mancher Selbstbauer hat dabei schon üble Überraschungen erlebt! Eine Nut von ca. 12-15 mm Höhe und ca. 8 mm Tiefe wird mit einer Schattenfugensäge (Duplo-Fräse) in die Aufbauwand gefahren. Der untere Schnitt, der nicht mehr mit der Maschine gefahren werden kann, wird mit einer Feinsäge oder einem Fuchsschwanz gemacht. Mit Epoxidharz wird ein Glasgewebestreifen, ca. 5 cm breit, in die Nut überlappend geklebt (evtl. den Streifen etwas antackern). Die Nut wird anschließend mit Epoxidspachtelmasse wieder geschlossen und kann dann mit der Deckfarbe lackiert werden. Auf größeren Schiffen werden die Aufbauten, Deckshäuser oder Lukensülle aus das Deck über die Schlinge gesetzt und mit Durchgangsbolzen verschraubt. Hier ist ein Leibholz mit Hohlkehle unbedingt erforderlich, um Leckagen zu vermeiden. |
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