UNENTWEGT

Klinkerbeplankung und Reparatur


Die Schrumpfung und Verformung vom Holz ist stark vom Einschnitt abhängig. Für Beplankungen sollten möglichst Planken mit stehenden Jahresringen (rechte Planke oben) ausgewählt werden (Zeichnung: Baykowski)

Es gibt verschiedene Methoden, eine hölzerne Außenhaut herzustellen: die älteste und bis heute weitverbreitetste traditionelle Beplankungsart Nordeuropas ist die Klinkerbeplankung. Die dachziegelartig übereinander liegenden Planken sind unmittelbar miteinander verbunden, was dem Schiffsrumpf eine hohe Elastizität und Festigkeit verleiht.

Klinkerrümpfe werden meist über formbestimmende Mallen (Spantschablonen) geplankt. Die Planken sind dabei durch Kupfernägel und vernietete Klinkstreifen miteinander verbunden.

Eine solche Hülle steht fast schon in sich – dennoch kann auf Spanten nicht verzichtet werden, um die erforderliche Querfestigkeit zu erhalten.

Schon die Wikinger wußten die Vorzüge der Klinkerbeplankung zu schätzen, sie bauten feste und seetüchtige Boote aus Eichenholz. Damals stellten sie ihre Planken durch Spalten ganzer Stämme her: Zunächst wurde der Stamm in der Mitte, entlang der Markstrahlen gespalten, diese beiden Hälften wieder zu Vierteln, Achteln usw. bis die annähernde Plankendicke erreicht war. Neben der optimalen Holzausnutzung bestand der Vorteil in der hohen Biegefestigkeit der Planken, weil die Holzfasern in der Planke unzertrennt verlaufen. Jede Planke dieser Spalttechnik hat absolut stehende Jahresringe, ein Vorteil, von dem jeder Holzbootsbauer nur träumt, denn diese Planken besitzen die höchste Festigkeit und arbeiten am wenigsten in der Breite (Ausdehnung oder Schrumpfung): Holz arbeitet am stärksten in Richtung der Jahresringe.

Wenn man heutzutage schon keine gespaltenen Planken mit stehenden Jahresringen verarbeiten kann, sollte man auf jeden Fall darauf achten, welche Seite einer Planke man am Rumpf anbringt. Jede Planke die nicht aus der Mitte eines Stammes kommt hat zwei Seiten: die linke und die rechte. Als rechte Seite bezeichnet man die dem Kern zugewandte Seite.

Eine solche Planke krümmt sich bei Trocknung in ihrem Querschnitt vom Kern weg – anders gesagt, die Jahresringe wollen gerade werden. Deshalb sollte man im Überwasserbereich darauf achten, dass die Kernseite der Planke außen liegt – also die linke Seite nach innen!

Im Unterwasserbereich ist die richtige Seite nicht so wichtig, da sich feuchte Planken nicht so stark werfen – sie bleiben in ihrer Form.

Bevor man an das Auswechseln von Klinkerplanken herangeht, sollte man feststellen, ob diese aufwendige Arbeit wirklich nötig ist, oder ob man dem Boot auf andere Weise helfen kann. Wenn die Planke wirklich faul ist, gibt es natürlich keinen anderen Weg. Es gibt dabei verschiedene Methoden, den Gesundheitszustand einer Planke zu überprüfen:

1. Die Klangprobe
Klopft man die Plankengänge mit dem Holzhammer ab, lassen die gesunden Planken ein helles, nachklingendes Klopfen vernehmen. Faule Planken tönen dumpf und das Holz klingt nicht nach.
Auch läßt sich beim Abklopfen leicht feststellen, ob die Planken noch gute Verbindungen zur Sponung haben; wenn nicht, gibt es ein federndes Geräusch – auch der Hammer federt leicht zurück.

2. Die Messerprobe
Läßt sich die Klinge eines Taschenmessers leicht und tief in das Holz mehr als 5 mm tief stecken, muß man davon ausgehen, daß das Holz rott ist. Bei Nadelhölzern wie Kiefer oder Lärche darf man sich allerdings nicht irritieren lassen, wenn die hellen Jahresringe (Frühholz) recht weich sind, das ist normal. Die dunklen Jahresringe (Spätholz) sind härter.

3. Verzunderung
Ist die langfaserige Oberflächenstruktur des Holzes durch Querrisse durchbrochen und sieht das Holz aus, als ob es verbrannt wäre, hat die Trockenfäule zugesetzt und das Holz muß schnellstens ausgewechselt werden.

4. Farbhaftung
Feine Längsrisse in der Holzoberfläche auf denen (langfristig!) keine Farbe oder Spachtelmasse mehr hält, lassen ebenfalls auf Trockenfäule schließen. Die Risse dürfen allerdings nicht mit Trocken- oder Windrissen verwechselt werden, diese können auch bei kerngesunden Holz auftreten.

Leckagen bei Klinkerbooten lassen sich meist gut beheben, wenn das Holz noch gesund ist. Bei älteren Booten läßt die Körperspannung manchmal nach, d.h. die Nietverbindungen werden leicht lose. Diese Nieten kann man durch Nachnieten folgendermaßen wieder auffrischen: Der äußere Nietkopf muß freigelegt werden; mit einem passenden Senkdorn und einem ca. 800 g - Hammer hält eine Person von außen vor, während die zweite Person innen den Kupferniet über der Scheibe mit einem kleineren Hammer mit schnellen, kurzen Schlägen aus dem Handgelenk nachnietet. Diese Arbeit ist eine mühselige Angelegenheit, weil oft nicht alle Nieten (durch Inneneinrichtung) frei zugänglich sind.

Man kann die äußeren Planken auch mit der SikaFlex abspritzen, vorher müssen die Nähte jedoch gut gereinigt und mit einem speziellen Haftvermittler geprimert werden.

Wechseln von Klinkerplanken: Die inneren Nietköpfe der zu entfernenden Planke werden mit der Flex (Schrubbscheibe) abgeschliffen und mit einem Senkdorn nach außen durchgeschlagen. Vorsicht bei naturlackierten Booten: Beim Durchschlagen der Nieten kann das angrenzende Holz außen absplittern. Hier müßte eine zweite Person mit einem Sperrholzbrettchen (mit einem ca. 12 - mm großen Loch) und einem großen Hammer auf den äußeren Nietkopf vorhalten.

Die Schrauben aus Stevensponung und den Bodenwrangen sollen möglichst heil herausgedreht werden - meistens brechen die alten Messingschrauben jedoch an den Köpfen. Man kann sie dann mit einem Stecheisen freilegen und mit einer Kneifzange herausziehen, die Löcher sollten mit einem kleinen Holzstift wieder ausgespinnt werden.

Mit Glück ist die Planke nicht verklebt und läßt sich leicht entfernen und somit als Schablone für das neue Stück verwenden. Doch oft läuft es darauf hinaus, dass die Planken in kleinen Stücken entfernt werden müssen. Am besten bohrt man in die Planken zwischen den Spanten in den Ecken vier Löcher und sägt mit der Stichsäge quer zur Planke bis an die Nachbarplanken. Der Schnitt zum unteren Plankengang kann von Außen mit einem Fuchsschwanz weitergeführt werden. Mit einem Stecheisen kann die Planke vorsichtig von der verbliebenen abgehebelt werden.

An der oberen angrenzenden Planke spaltet das Stecheisen das auszuwechselnde Holz längs der Faser. Vorteilhaft ist es, irgendwo in der Mitte anzufangen und sich zu den Schiffsenden vorzuarbeiten, weil es dort eine Besonderheit gibt:
Die Klinkerplanken laufen an Steven und Spiegel kraweel ineinander (s. Zeichnung und Foto). Dieser Übergang muß vorsichtig voneinander getrennt werden. Mit einem scharfen Stecheisen kann der Falz in der unteren verbleibenden Planke nachgestochen werden.

Wenn man mehrere ganze Plankengänge auswechseln will, hat man es leichter, weil der Kraweelübergang sauber in die jeweils neue Planke mit dem Simshobel eingearbeitet werden kann.

Schwierig ist immer das Einsetzten der letzten Planke - sie läßt sich nur aus zwei Teilen vorsichtig in die verbleibende Lücke zwischen die kraweelen Übergänge schieben. Die mittlere Verbindung wird durch ein innen gesetztes Laschbrett hergestellt.

Die Plankenkontur einer neuen Planke läßt sich ohne Musterstück folgendermaßen vom Bootsrumpf abnehmen, indem man ein Rhe herstellt. Dies ist ein ca. 10-12 mm dickes Fichtenbrett, daß in der Plankenlücke mit dünnen Nägeln befestigt wird, die Unterkante überdeckt dabei die untere feste Planke (ist die Krümmung sehr stark, kann man das Rhe auch aus zwei oder drei Stücken zusammennageln). Von innen läßt sich die untere Plankenkontur exakt mit einem Bleistift nachziehen. Achtung: Die Landung (Überlappung) muß beim Übertragen auf die richtige Planke zugegeben werden!

Die obere Plankenkontur kann mit einem Zollstock bis zur Landungsoberkante vom Bootsinnern gemessen werden. Die Maße in ca. 50 cm Abstand werden an den entsprechenden Stellen markiert und auf das Rhe geschrieben.

Das Rhe wird nun vorsichtig abgenommen und auf die bereitliegende neue Planke gelegt. Die Maße überträgt man und schlägt an jedem Maß einen kleinen Nagel in die Planke. Mit einer genügend langen Straaklatte werden die Punkte nun verbunden und mit einem Bleistift nachgezogen - es ergibt sich eine sauber strakende Linie.

Die Planke wird nun mit einer Handkreissäge ausgeschnitten, die Kanten werden nachgehobelt und gefast, bzw. gerundet.

Die neue Planke muß im Landungsbereich an der Oberkante gegebenenfalls geschmiegt werden. Hilfreich zur Bestimmung der Schmiege sind Reststücke der alten Planke die vorher bezeichnet wurden. Anderenfalls muss die Schmiege mit einem kleinen Lineal, das der Plankenbreite entspricht, bestimmt werden.

Die Schmiege wird mit einem Hohlkehlhobel angehobelt - danach kann die Planke probeweise eingesetzt werden. Kleinere Korrekturen werden markiert und vorgenommen.


Zeichnungen: Uwe Baykowski

Wenn die Planke sitzt, können die Löcher für die Kupfernieten gebohrt werden. Nicht zu groß bohren – der Niet soll stramm sitzen aber das Holz nicht spalten (vorher probieren). Das Bohrloch des Nietkopfes wird vorher etwas versenkt und dann der Niet durchgeschlagen. Innen sollte mit einem Hammer und Brettchen vorgehalten werden, weil die Verbindung noch lose ist und federt.

Wenn alle Nieten durchgeschlagen sind, wird jeweils eine Klinkscheibe (Gattchen) auf den Niet gesetzt, die mit einem Nietzieher weiter auf den Niet aufgeschlagen wird. Der überstehende Nietteil wird mit einer Beißzange etwa ein bis zwei mm über der Scheibe abgekniffen. Dann wird außen mit einem Senkdorn und Hammer vorgehalten und innen wird vernietet.



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