UNENTWEGT

Unser Objekt

Bei unserem Restaurierungsobjekt handelt es sich um einen dänischen Spitzgatter mit dem Namen UNENTWEGT. Es scheint, als wäre das Schiff in den 30er Jahren gebaut worden, Baumaterial: Eichenplanken auf Eichenspanten. Zur Geschichte des Spitzgatters ist bislang so gut wie nichts bekannt, außer dass er seit acht Jahren auf dem Gelände einer Kieler Bootswerft vor sich hingammelte, an Land versteht sich. Um die Entsorgungskosten zu sparen - der / die Vorbesitzer sind entweder verstorben oder unbekannt - verschenkt ihn der Werftchef. Edmund Dannenberg, den jeder nur als „Eddi“ kennt, greift zu und startet eine aufwendige Restaurierung, die umso abenteuerlicher wird, je mehr man über den Zustand des Schiffes weiß.

Die UNENTWEGT hat folgende Abmessungen: Länge Rumpf 10,00 m, Breite 2,70 m, Tiefgang 1,70 m, Gewicht 6,00 t. Der Eiche karweel geplankte Rumpf trägt eine Slooptakelage und hat einen Volvo-Penta Diesel MD 2 als Hilfsmaschine. Das Boot hat seit acht Jahren auf dem Gelände der Werft im Freien gestanden und ist nicht abgedeckt den Witterungseinflüssen Sonne, Regen und Frost ungeschützt ausgesetzt.

Der gesamte Überwasserbereich ist weiß gestrichen, wobei die Farbe jedoch großflächig abgeblättert ist. Der gesamte Plankenbereich ist mit einem Leinengewebe bezogen, das sich ebenfalls großflächig abgelöst hat.

Die Eichenbeplankung ist durch die Trocknung stark geschrumpft, die Plankennähte im Über- und Unterwasserbereich weisen Klaffungen zwischen drei und acht Millimeter auf. Zusätzlich haben einige Planken Trockenrisse von bis zu fünf Millimetern Breite. Infolge von Verrottung sind im Bereich des Plankenansatzes am Vor- und Achtersteven deutliche Plankenablösungen zu erkennen. Der Vorsteven ist kurz unter der Wasserlinie gebrochen, alle Planken in diesem Bereich sind ca. 15 mm(!) von der Stevensponung abgelöst. Der Achtersteven ist im Wellenaustritt vollständig verrottet. Die Kupfernietverbindungen der eingebogenen Eichenspanten zur Beplankung sind infolge der Austrocknung lose. Zahlreiche Spanten und Bodenwrangen sind im Kielbereich gebrochen- und sämtliche Kielbolzen sind so stark korrodiert, dass sie einer dynamischen Beanspruchung nicht standhalten würden.

Deck und Aufbauten sorgen für ähnliche Katastrophenmeldungen: Ein Teakdeck ist auf das ursprüngliche geplankte Kieferndeck gelegt worden. Die Vergussmasse ist infolge der Austrocknung von allen Decksstabflanken abgelöst, die Kiefernplanken sind örtlich nur noch Torf. Die Mahagoni-Leibhölzer um den Aufbau sind stark geschrumpft und gerissen, hier gibt es nicht eine dichte Verbindung mehr. Die Aufbauwände haben sich von den Kajütschlingen gelöst!

Auch die Maschine ist in einem verwahrlosten Zustand – die Instandseztungskosten werden den Restwert erheblich übersteigen. Das Stevenrohr ist ebenfalls vollständig „auf“, lediglich die Propellerwelle ist noch brauchbar.

Einen positiven Aspekt gibt es aber dennoch: Zum Rigg gehört ein 11-m Spruce-Kastenmast mit rostfreien Wanten und Stagen. Obwohl der Mast ca. 25 Jahre alt ist, macht er doch einen brauchbaren Eindruck, die Leimnähte sind dicht und er ist noch gut unter Lack, wohl weil er die letzten Jahre in einer Werfthalle untergebracht war. Segel sind nicht vorhanden.

Soweit aus dem Gutachten, das unter anderem als Sicherheit gegenüber etwaigen Rückforderungen nach erfolgter Restaurierung angefertigt wurde. Es kommt abschließend zu dem Schluss, dass „das Wrack im gegenwärtigem Zustand völlig unbrauchbar ist“ und „es nur einem unerschrockenen, optimistischen Handwerker in mühevoller Arbeit gelingen könnte, dieses Boot vor dem Abwracken zu retten“.

Dieser unerschrockene, optimistische Handwerker ist unser Eddi, der sich in jeder freien Minute mit der UNENTWEGT beschäftigt.



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