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UNENTWEGT
Die Querverbände eines Schiffes sollen die Torsionskräfte (Verdrehung) bei dynamischen Belastungen in der See aufnehmen können, und den Hebelkräften des Ballastes gegen den Winddruck entgegenwirken. Bei modernen Booten wie auch bei Traditionsschiffen werden diese Kräfte über die Bodenwrangen vom Ballastkiel auf den Schiffsrumpf weitergeleitet. Die Bodenwrangen stellen dabei die Verbindung zwischen dem Kiel und der Außenhaut eines Schiffes her. Der Schiffskörper ist zusätzlich ausgesteift durch Spanten, die vom Kiel bis zu den Decksbalken verlaufen. Sie sind fest mit der Außenhaut verbunden, unter Deck enden sie entweder im Balkweger oder sind direkt mit den Decksbalken verbunden. Neben dieser traditionellen Rahmenkonstruktion arbeitet der moderne Bootsbau zunehmend mit Sperrholzschotten, die die Aufgabe der Spanten übernehmen. Dabei ist besonders im Mastbereich ein Schott mit Schottsteifen vorteilhaft, um die Hebelkräfte des Mastes auf den Rumpf zu verteilen. Bei wesentlich geringerem Materialaufwand wird unnötiges Gewicht gespart, denn diese Quer- und Längsschottkonstruktionen sind oft mit Erleichterungslöchern durchsetzt und erinnern mehr an den Flugzeugbau. Doch vom High-Tech Yachtbau später mehr zurück zu Eddi und seiner UNENTWEGT. Einige Bodenwrangen sind infolge von Trockenfäule verrottet und müssen daher ausgewechselt werden. Trockenfäule wird durch Pilzbefall hervorgerufen, der in feuchtwarmen Klima besonders gut gedeiht. Eddi stellt zunächst Schablonen aus Hartfaserplatten her, die genau eingepasst werden. Für die Passarbeit benutzt der Bootsbauer einen sogenannten Schreibpasser einen Stechzirkel mit angesetztem Bleistift. Die Schablone eines neuen Bauteils wird zunächst grob der Form angepaßt, dann fährt der Schreibpasser mit dem Stichmaß der größten Lücke zwischen Modell und Rumpf die Rumpfkontur ab und überträgt sie auf das Modell. Wichtig dabei ist, dass der Zirkel immer waagerecht gehalten wird und nicht radial zur Rundung sonst passt es nie! Wenn die Schablone nach dem Riss bearbeitet wurde und sauber lotrecht in die Spantform passt, können die Schmiegen genommen werden. Mit einem Schmiegestock nahm Eddi die verschiedenen Schmiegen ab, numerierte sie und übertrug sie auf ein Schmiegenbrett. So lassen sich noch Tage später oder an einem anderen Ort Bodenwrangen, Spanten oder andere Bauteile herstellen. Unten: Ein Schmiegenbrett und ein Schreibpasser. (Foto: Ziermann) In die UNENTWEGT sind abwechselnd gebaute und eingebogene Spanten gesetzt worden. Gebaute oder auch gesägte Spanten sind aus ausgesuchten Krummhölzern geschnitten. Sie bestehen meist aus zwei bis drei Teilen und sind mit einer seitlich gesetzten Lasche verschraubt. Beim Bau des Schiffes wurde zunächst der Kiel gelegt, die Steven gestellt und die gebauten Spanten errichtet. Der Rumpf wurde beplankt, erst dann bog man die gedämpften Spanten ein, die mit Kupfernägeln und Gatchen vernietet wurden. Dabei ist das Einbiegen gedämpfter Spanten eine schnelle und effektive Methode, jedoch auch mit Nachteilen behaftet. Man benötigt erstklassiges, geradlinig gewachsenes, feinjäriges und astfreies Eichen- oder Eschenholz, welches heutzutage immer schwieriger zu bekommen ist. Die Spanten müssen unbehandelt gedämpft werden, was bedeutet, dass sie nach dem Erkalten wieder herausgenommen, geputzt, lackiert oder geölt werden müssen. Das ist eine aufwendige Angelegenheit und birgt die Gefahr, daß die Spanten die Formtreue verlieren und nicht mehr exakt passen. Besser ist es, die Spanten einzubiegen und die Kupfernägel durchzuschlagen solange der Spant noch warm ist und eine unbequeme Arbeitsstellung beim Konservieren des Bauteils in Kauf zu nehmen. Für die Lamellen eignen sich Hölzer wie Esche, Eiche oder Mahagoni besonders. Die Verleimung von Eiche war manchmal problematisch bei dem Einsatz von Resorzinharzleimen. Deshalb hat man oft eine Lamelle Mahagoni oder ähnliches Holz zwischen die Eichenlamellen gelegt, damals hieß es: Eiche auf Eiche leimt nicht! Doch heute sind derartige Verklebungen mit modernen Epoxidharzen überhaupt kein Problem mehr, vorausgesetzt die Hölzer sind trocken. Der Feuchtigkeitsgehalt darf dabei 12% nicht überschreiten und die Raumtemperatur darf 15°C nicht unterschreiten. Der Anpressdruck muss bei Epoxidharzen nicht so groß sein, man sollte aber darauf achten, daß bei der Verleimung überall eine gleichmäßige Harzschnur austritt. Je mehr Lamellen pro Spant verarbeitet werden, desto formtreuer wird es. Die Dicke der Lamellen richtet sich nach dem Biegeradius. Mit diesem Verfahren lassen sich alle möglichen, wunderschönen Formen einfach und effektiv herstellen. |
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