UNENTWEGT

Der Bau hölzerner Masten

Man unterscheidet einfache, gewachsene Masten und „gebaute“ Masten. Erstere werden meistens auf Gebrauchs und Arbeitsfahrzeugen wie Kuttern und Ewern gefahren. Die geeigneten Hölzer für solche Masten sind Kiefern, Lärchen, Föhren und Douglasien, wobei die Douglasie gut in Pflege gehalten werden muß, da sie nicht so dauerhaft wie die anderen ist. Ihr Vorteil ist aber das geringere Gewicht.

Bei der Auswahl eines geeigneten Stammes ist es ratsam, einen Fachmann zu Rate zu ziehen, weil Holzfehler meistens nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Wichtig ist zunächst, daß der Stamm ausreichend dick ist, d.h. daß der Durchmesser des Stammes gerne 10 cm über dem Endmaß des Mastes liegt. Daß er zudem möglichst gerade sein sollte, versteht sich ja wohl von selbst. Der Stamm soll auch gradlinig gewachsen sein, drehwüchsige Stämme erkennt man daran, daß kleine Risse diagonal zur Längsachse verlaufen – drehwüchsige Stämme werden später mit Sicherheit krumm. Daher sollte ein Stamm nur entrindet ausgewählt werden!

Mit etwas Glück kann man gut gepflegte Lärchen bekommen, die zumindest im unteren Bereich fast astfrei sein können. Weiterhin sollte der Stamm auf Wurmbefall oder Fäule untersucht werden – beides kann vorkommen, wenn der Stamm lange im Wald am Boden lag.

Ein letztes Merkmal für einen guten Stamm sind die Jahresringe. Sie sollten so eng wie möglich beieinander liegen. Solche Bäume sind in kargen Gegenden langsam gewachsen, ihr Holz ist härter und dauerhafter. Gute Lärchen gibt es zum Beispiel in den Höhenlagen des Schwarzwaldes.

Ein guter Mast will lange vorausgeplant sein: Es ist nämlich von großen Vorteil, den Stamm einige Monate im Wasser (am besten fließendem) zu lagern. So werden die Holzsäfte ausgeschwemmt, die Nässe durch Wasser ersetzt, das später nach etwa acht- bis zwölfmonatiger Wässerung an einem schattigen und luftigen Ort gleichmäßig austrocknet und somit eine allzu große Rißbildung verhindert.

Zur Arbeitsplatzeinrichtung für den Mastenbau gehört ein luftiger Schuppen oder ein überdachter Unterstand im Freien – wichtig ist, daß der künftige Mast vor Sonne und Regen geschützt wird. Er sollte vor Beginn der Arbeiten gut aufgepallt werden (in vernünftiger Arbeitshöhe), so daß er gerade liegt und nicht herunter rollen kann.

Anreißen des Acht- und des 16-Kants bei einem Vollholzmast.

Man sollte versuchen, den Kern (das Markholz) des Stammes auch in das Zentrum des Mastes zu legen, allerdings sind Bäume in den seltensten Fällen wirklich kreisrund gewachsen. Wenn die gewünschten Dicken oben und unten festgelegt sind, wird zunächst eine Teilfläche des späteren Achtkants über die ganze Länge angehobelt. Hierzu eignen sich am besten Elektrohobel größeren Ausmaßes. Bei sehr großen Stämmen kann man auch Querschnitte mit der Motorsäge im Abstand von ca. 15 cm einschneiden und die Blöcke mit dem Dechsel weg schlagen. Zu dieser Teilflächen angehobelt, so daß ein Vierkant mit abgerundeten Ecken entsteht.

Auf jeder Teilfläche wird nun eine Mittellinie mit einer Schlagschnur angerissen. Für den folgenden Achtkant wird nun zu beiden Seiten außerhalb der Mittellinie 1/5 des Gesamtdurchmessers aufgerissen, einmal oben und einmal unten am Mast, und die Punkte mittels Schnurschlags miteinander verbunden. Bis an den Riß heran wird nun gehobelt – sind alle Teilflächen ausgehobelt, ist ein sehr exakter Achtkant entstanden. Von jeder Kante wird nun 1/4 der Kantenlänge nach innen übertragen, angerissen und ausgehobelt. Jetzt entsteht ein 16-Kant, der schon fast rund ist. Der Weg vom 16- zum 32-Kant erfolgt nach Augenmaß, danach zum Rundholz ebenfalls.

Ob der Mast nach dem Hobeln noch geschliffen wird, bleibt dem „Finish-Anspruch“ des Eigners überlassen, doch vorteilhaft ist eine geschliffene, also mikroskopisch aufgeraute Oberfläche für das nachfolgende Öl allemal: es dringt besser ein als auf einer gehobelten Fläche.
Der Mast kann nun auf exakte Länge geschnitten werden, wobei das Übermaß für einen rechteckigen Spurzapfen nicht vergessen werden darf!

Ein einfaches Streichmaß zum Anreißen des Achtkants.


Konservierung

Ein Nadelholz wird am besten mit D1 von Owatrol so lange getränkt, bis es kein Öl mehr aufnimmt (das kann bis zu 18 Arbeitsgänge erfordern) und wird dann zwei bis drei Mal mit D2 nachgeölt (vollendet). Sollten sich nach einiger Zeit stumpfe oder graue Stellen am Mast zeigen, kann auch hier immer wieder problemlos mit dem Öl nachgearbeitet werden.

Ganz wichtig bei einem geöltem Mast ist der Hirnholzschutz, der verhindert, daß Regenwasser und Feuchtigkeit von oben über das Hirnholz und die Markröhre in das Innere eindringen.

Nicht selten sind ältere Masten von innen schon verfault, ohne daß von außen etwas zu erkennen ist – erst als es zu spät war ... Pommersche Fischer haben früher ein Loch in das Hirnholz ihrer Masten gebohrt und von Zeit zu Zeit Dieselöl hinein gekippt ...

Trockenrisse, die nach einiger Zeit trotz Wässerung entstehen, dürfen nicht mit Epoxi oder Sikaflex ausgespritzt werden, weil das Holz höchstwahrscheinlich in starker Sonneneinwirkung doch noch etwas weiter reißt. Das Wasser läuft dann dahinter, bleibt stehen und fault erst recht. Risse also, wenn überhaupt, nur mit Fett einschmieren!


Gebaute Masten

Unter gebauten Masten verstehen Bootsbauer aus mehreren Teilen zusammengesetzte, verleimte Masten. Sie haben den Vorteil, daß man eine beliebige Länge durch Schäftungen herstellen kann. Sie bekommen keine Trockenrisse, werden nicht krumm und sind mit geringerem Gewicht herzustellen. Fast alle Segelyachten fahren daher gebaute Masten.

Das bevorzugte Holz für solche Masten ist Sitka-Spruce (kanadisch Fichte), das wegen seiner feinen Jahresringe, seiner Astreinheit, seines geraden Wuchses und hoher Biegefestigkeit bei geringem Gewicht unübertroffen ist. Wegen seiner hellen Farbe und seinem silbrigen Glanz nennt man es auch Silber-Spruce.

Oregon-Pine hat ähnliche Eigenschaften, ist aber deutlich schwerer. Neuerdings finden auch so exotische Sorten wie Hemlock oder rumänische Fichte im Mastenbau Verwendung.

Fast alle gebauten Masten werden hohl verleimt. Weil die auftretenden Biege- oder Knickspannungen in der Mitte nur sehr gering sind, kann man sich diese Tatsache zunutze machen, um Gewicht und Material zu sparen (und Kabel durchzuführen). Volle Masten werden nur von wenigen Yachten gefahren, z.B. vom Folkeboot. Voraussetzungen für einen gelungenen gebauten Mast ist neben der Holzauswahl eine schnurgerade ausgerichtete Mastenbank, die entweder aus einem rechtwinkligem Kantholz an der Wand befestigt, oder einer Reihe von Böcken, schnurgerade ausgerichtet, bestehen kann.

Ein einfacher Kastenmast ist einfach herzustellen. Zunächst werden alle Wandungen der Länge nach zusammengeleimt. Die Leimfläche wird durch Schäftungen hergestellt, deren Länge mindestens das 10-fache der Wandungsdicke betragen muß. Man muß darauf achten, daß die Schäftungen gegeneinander verschließen, um eine gleichmäßige Biegung des Mastes zu erzielen (nicht aus Festigkeitsgründen).

Schäftung einer Mastplanke: Die Länge der Schäftung muß mindestens das Zehnfache der Plankendicke betragen.

Ein Mast hat seinen größten Querschnitt in der Regel vom Lümmelbeschlag bis etwa zur ersten Saling. Ab hier verjüngt er sich nach oben und unten. Dieser Straak wird auf die Wandungshölzer übertragen und ausgeschnitten, wobei die Kanten absolut winkelig ausgehobelt werden müssen. Eine Wandung wird auf der Mastenbank ausgelegt und fixiert. Die beiden Seitenwandungen werden nun aufgeleimt, wobei kleine aufgenagelte Knagen dafür sorgen, daß die aufzuleimenden Teile nicht verrutschen. Die Schraubzwingen sollten im Abstand von ca. 20 cm gesetzt werden (Druckhölzer verwenden, damit keine Druckstellen in den Kanten entstehen).

Damit später Beschläge angeschraubt werden können (z.B. Salingbeschläge, Winschen u.ä.), werden Füllstücke in diesen Bereichen eingepaßt und eingeleimt. Die Füllstücke füllen den Mast hier ganz aus, die Enden werden schräg eingeschnitten, damit elastische Übergänge erzielt werden. Jetzt können auch noch Leerrohre für Kabel am Mast befestigt werden. Als letztes wird nun die vierte Wandung als „Deckel“ aufgeleimt.



Oben: 80 Zwingen werden zum Verleimen eines Folkebootmastes benötigt.

Unten: Der Autor beim Fräsen der Hohlkehle für die „Göl“.




Nach der Verleimung werden die Kanten gerundet, und der Mast kann geölt oder lackiert werden, anschließend können die Beschläge montiert werden.

Die meisten Kastenmasten haben ein „Jacktag“, eine Schiene, an der die Rutscher des Segels geführt werden. Beim Folkebootmast z.B. wird das Segel jedoch in einer „Göl“, einer doppelten Hohlkehlen werden vorher in die zwei quadratischen Hölzer gefräst und von innen lackiert und aufgeleimt. Die Nut wird nach der Verleimung eingefräst (Lamello-Fräse oder Handkreissäge).


Oben: Leimschema eines Folkebootmastes: Die Göl wurde vor dem Verleimen in die beiden Hölzer gefräst und die Nut nach der Verleimung eingeschnitten.

Unten: Verschiedene Leimmöglichkeiten eines hohlen Mastes.



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