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Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: plansnic (IP bekannt)
Datum: 18.07.17 14:00

Hallo in die Runde,

ich habe in diesem kühl / feuchten Sommerurlaub gemerkt, dass ich um die Isolierung meines Stahlrumpfs ( 5,5 KR Kreuzer) nicht umhin kommen. Die Angebote an Dämm Materialen sind vielfältig - vielleicht gibt es in unserem Kreis Kompetenzen oder Erfahrungen, auf die ich zurückgreifen kann.

Meine Idee: ich nutze so etwas wie Armacel / Armaflex, ggf auch selbstklebend. Leichte Verarbeitung und keine Dämpfe.

Hat jemand von Euch dazu Tipps?

Schon jetzt vielen Dank für Eure Unterstützung.

VG, Peter

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 20.07.17 12:39


Hallo Peter,


Eine der besten Isolierungen ist geschlossenzellig geschäumtes Polypropylen, leicht zu verarbeiten, nimmt kein Wasser auf, leicht und ungiftig.
Trocellen.de

Grüße Jens

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: danebrog (IP bekannt)
Datum: 20.07.17 14:49

Hallo zusammen

Stahlboot-Themen sind hier ja eher selten. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen und fragen, was ihr als Korrosionsschutz im Innenbereich ursprünglich hattet und was ihr heute nehmt und wie eure guten, aber auch schlechten Erfahrungen damit sind.

Ein perfekter "Unterbau", der auch die Kleber/ Leime/ Was-auch-immer der Isolierung dauerhaft verträgt, ist ja schließlich Voraussetzung, dass es darunter im Verborgenen nicht rostet.

Vorab schon mal besten Dank für eure Beiträge.

Grüße
Dagmar

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 20.07.17 15:10


Hallo Dagmar,

Eine mögliche Lösung ist es, den Rumpf innen zu strahlen, dann möglichst schnell Zweikomponentenzinkstaubfarbe und dann Epoxygrundierung aufzutragen.

Grüße Jens

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: plansnic (IP bekannt)
Datum: 20.07.17 15:55

Hallo Dagmar,
hallo Jungs,

Klasse, das auch in einem Exotenthema wie Stahl hier gleich mal Bewegung reinkommt ;-). Ich wußte doch - auf Euch ist Verlass. Der Farbunterbau ist noch sehr gut (bis auf kleine Einzelstellen) sodass ich nicht an eine großflächige Sanierung mit Strahlen o.ä. ran muss. Im Außenbereich habe ich bisher mit den Farben von "Von Höveling" sehr gute Erfahrungen gemacht. Zinkgrund - Primer - Versiegelung - alles in 2K.

Im Innenbereich werde ich wohl auf Owatrol CIP zurückgreifen. Wie sich die Farbe mit dem Kleber verträgt werde ich noch recherchieren.

@Jens: Hast Du vielleicht noch einen anderen Produktbegriff als "geschlossenzellig geschäumtes Polypropylen" für mich? Kann mir noch nix so richtig darunter vorstellen.

Von der Beschreibung geht es wohl in die von mir gedachte Richtung wie Armacel oder auch Armaflex.


Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: Balkweger (IP bekannt)
Datum: 20.07.17 22:03



Hallo Peter,


der geschlossenzellige Polypropylenschaum ist im Grunde die technisch hochwertige Variante der Isomatte, heißt Trocellen siehe auch die oben angegebne Homepage trocellen.de, einfach in Troisdorf anrufen, die beraten gut.

Grüße

Jens

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: Pier (IP bekannt)
Datum: 24.07.17 08:53

moin,

es gibt hierzu eine fachlich fundierte und plausible Ausführung von Herrn Anton Luft( verstorben ) welcher sich eingehend mit Schiffsisolierern ausgetauscht hat mit dem Ergebnis
Aluminiumkaschierte Steinwolle befestigt mit Stehnadeln ( Klebefuß ).
Einfach zu verlegen, nicht brennbar und auch noch recht preisgünstig.
Und wenn man doch einmal an eine Stelle hinter der Isolierung muß leicht zu demontieren und wieder auszubessern ( was man von vollflächig verklebten Platten eher nicht behaupten kann )
Er hat ein Buch " So baue ich meine Yacht " Handbuch für Selbstbauer, geschrieben wo für einen Stahlschiffeigner, - erbauer sehr viel nützliche und auch geldsparende Tips zu finden sind. Kostet ein wenig aber diese Kosten sind schnell wieder reingeholt.
Gut - etwas "hochnäsig" geschrieben aber kompetent.
Dieses Buch wird noch von seiner Frau vertrieben. Kommt gkaube ich so um die 30€ .
Bin Metaller und mich hats überzeugt.

ahoi
Pier

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: plansnic (IP bekannt)
Datum: 24.07.17 15:42

Hallo Jens, hallo Pier,

vielen dank für Eure Tipps. Dein Hinweis Pier zur möglichen Demontage im Schadensfall ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Das spricht für deine Lösung. Auf der anderen Seite finde ich die geschlossenzellige Schaumstoffvariante auch ganz interessant. Ist halt einfacher zu verarbeiten.

Ich gehe nochmal in mich und prüfe, wie umfangreich die Isolierung werden soll. Ich hab ja jetzt was zum grübeln.

VG, Peter

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 24.07.17 20:58

Moin Peter,

die alukaschierte Stahlwolle wird auch im Schiffbau verwendet.
Die Folie ist relativ empfindlich später beim Innenausbau, kann aber sehr gut mit dem selbstklebenden Aluklebeband ausgebessert bzw. an den Stößen überhaupt abgedichtet werden.

Grüße,
André

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: plansnic (IP bekannt)
Datum: 25.07.17 09:48

Moin André,

da kommen eh Wegerungsleisten drüber bzw. eine Deckenverkleidung. Ich gehe mal davon aus, dass das reicht.

Ich hab die Verwendung auch bereits in anderen Ausbauprojekten gesehen. Das scheint ja gut zu funktionieren. Ich hab bisher noch keine Klebefüße bzw. Stehnadeln gefunden. Die werde ich wohl beim einschlägigen Baustoffhändler bekommen.

VG, Peter

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: danebrog (IP bekannt)
Datum: 25.07.17 18:44

Hallo zusammen

Erstmal vielen Dank an Jens und Peter für die Antworten zum Korrosionsschutz.

Ansonsten bin ich jetzt in Bezug auf die Möglichkeiten der Isolierung etwas verwirrt. Ich möchte keinen Diskurs über den Zusammenhang von Temperatur und Feuchtigkeit beginnen, denn beide wird man Bord kaum beherrschen können, da immer irgendwo ein Fenster oder Luk offensteht.

Feuchtigkeit an Bord sorgt für klamme Klamotten und Bettzeug, was eindeutig doof, aber nicht bedrohlich ist. Feuchtigkeit fördert aber die Korrosion und da wird es interessant!

Alle Varianten der Isolierung bedeuten Investition in Material und Arbeitszeit. Dazu stellt sich die Frage nach Wirksamkeit, Haltbarkeit und evtl. gesundheitlicher Belastung bei der Verarbeitung und auf Dauer durch Kleber und Kunststoffe. Wasser findet seinen Weg! Vermutlich auch hinter die Isolierung.

Was ist denn mit Dorade-Lüftern? Und der guten, alten Holzwegerung? Letztere geben zudem auch den Blick frei auf das Geschehen ... Dazu die guten, alten Kapokkissen! Beide können Feuchtigkeit auf- und dosiert wieder abgeben. Die Altvorderen in den Steingemäuern wussten schon, warum sie Holzvertäfelungen und Textilien vor den feuchten Wänden hatten.

Wem Kopokkissen zu wenig ist, kann auch "Trocknungssäcke" nehmen. Die sind mit Kieselgel gefüllt und beliebig wiederverwendbar. Gedacht sind die Dinger für Keller, Garage, Camping (also wir grinning smiley ) etc., wo sie sich vollsaugen und dann beim ersten Sonnenschein zum Trocknen an Deck kommen. Das funktioniert ganz prima und sie sind z. B. auch beim Discounter, wo ich mein knappes Dutzend her habe, billig zu bekommen.
Dieses Prinzip wird auch in Museen angewendet, wo die Vitrinen mit Sillica gel (ist das Gleiche - klingt nur besser) ausgelegt sind und für ein dauerhaft stabiles Klima um die Holz- und Metallobjekte herum sorgen.

Soweit mein Vorschlag als Historikerlein ...

Grüße
Dagmar




Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: plansnic (IP bekannt)
Datum: 26.07.17 09:50

Moin Dagmar,

ich bin großer Anhänger der von Dir genannten klassischen Methoden. Bei mir sind sowohl im Salon als auch im Vorschiff an den Bordwänden hübsche Mahagoni Wegerungsleisten verbaut. Da ich das Schiff nicht im Winter nutze, reicht diese Lösung für mich vollkommen aus. Schwitzwasser habe ich dort noch nicht festgestellt. Bei einer ganzjährigen Nutzung ist der Isolierungsbedarf sicher viel größer und aufwändiger.

Anders sieht es im Deckenbereich im Vorschiff aus. Da das Schiff mit einem Stahldeck (3 mm)ausgerüstet und das Vorschiff auch nur eine geringe Deckenhöhe hat, bildet sich dort sehr schnell Schwitzwasser. Da reicht dann auch keine Wegerung mehr. Genau für diesen Bereich bin ich auf der Suche nach einer passenden Isolierung.

Meine jetzt gefundene Lösung: kaschierte Steinwolle hinter die neue Deckenverkleidung klemmen. Kein Kleber, leicht zu montieren und im Bedarfs- (Schadens-) Fall auch wieder zu entfernen.

Den Rest (Bordwände und auch die Bilge) bleibt offen und kann so gut ablüften. Da gibt es an Bord ausreichend Doradelüfter, die sehr wirkungsvoll arbeiten.

LG, Peter

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: Pier (IP bekannt)
Datum: 26.07.17 10:21

moin,

die Frage ist ja wozu ein Stahlboot isolieren.
- Resonanz - Lärm
- Temperaturunterschiede Innen/Außen
- geschlossene Wegerung u. nicht ausreichend hinterlüftete Verkleidung
das wars.

Eine intakte und ausreichend starke Innenraumbeschichtung sollte sowieso sein.

Belüftung - aber ausreichend.
Um die Luft am Rumpfinneren zirkulieren ( also nicht nur anliegen ) lassen zu können bedarf es wohl mehr als 2, 3 Lüfter ( Wieviel Luft in welcher Zeit passt durch ein 80mm loch ? was ist bei schwachem Wind ? Windstille ? ist es ein passiver oder aktiver also bestromter Lüfter ? )

Luftentfeuchter ist wohl ne gute Idee und Dagmar hat ja gute Erfharungen damit gemacht.

Wenn isolieren dann richtig oder gar nicht.
Unterwasser braucht nicht isoliert werden da kein Temperaturunterschied herrscht.
Der ganze Innenausbau muss raus denn sonst wird man kaum an alle Stellen gelangen um vernünftig zu isolieren.
Isolieren in ausreichender Stärke und absolut dicht gegen eindringende Feuchtigkeit an allen isolierten Bereichen. Es darf so gut wie kein Stahlteil aus der Isolierung ragen ( Kältebrücke ).
Isolierung muss dicht sein - der Taupunkt ( also die Stelle an der aus Luftfeuchtigkeit wassertropfen werden ) muss in der Isolierung liegen > dort gibts kein Wasser was ausfallen kann wenn die isolierung dicht ist > und somit bleibts trocken.
Mit welchem Material isoliert wird ?
wie lange soll das ganze halten
Isolierwert ( Wärmedurchgangswert )
Verarbeitungsaufwand
Brandverhalten
Schadstoffe ( ausgasen ? )
Kosten
Nachhaltigkeit, Herstellungs-Energiebilanz, Entsorgung u.s.w spar ich mir
aber vieleicht auch an eventuelle Nacheigner denken

mein Fazit :
Neubau - mit Steinwolle
Innensanierung incl. Entkernung - dito
bischen hier und bischen da - lieber sein lassen, für ordentlichen Korrosionsschutz und wirksame hinterlüftung sorgen. Zwangsbelüftung. Zustandskontrolle im Winterlager und gut is.


ahoi
Pier


Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: danebrog (IP bekannt)
Datum: 26.07.17 14:00

Hallo Peter

Als ich die Beiträge las, dachte ich an das Raumklima im Allgemeinen. Jetzt wird aber klar, dass Du es mit - verzeiht die schräge Formulierung - "hängendem Wasser" im Eck und in der Waagerechten zu tun hast, was weder durch einen Lüfter nach oben weg kann, noch an den Wänden runter.

Meine Idee ist, die Feuchtigkeit, die sich nicht rechtzeitig per Lüftung vertreiben läßt, zu binden, devor sie sich an den Oberflächen absetzt. Natürlich gibt es elektrische Lüfter, auch solche mit Solar-Dauerbetrieb und sogar leistungsstarke Luftentfeuchter mit Sammelbecken fürs Wasser. (Ich denke da an welche für den Hausgebrauch und nicht an Baustelle!) Ich halte diese aber nur für bedingt einsetzbar, weil nicht immer Sonne/Strom zur Verfügung ist bzw. man wieder einen größeren Aufwand mit allem hat.

Alles Weitere hat ja Pier sehr gut und ausführlich dargelegt.

Gutes Gelingen und viele Grüße
Dagmar

Re: Isolierung Stahlrumpf
geschrieben von: plansnic (IP bekannt)
Datum: 26.07.17 15:28

Moin Dagmar,

genau so sieht es aus. "Hängendes Wasser" trifft es ganz gut. Und das auch nur im Vorschiff. Es besteht noch die Möglichkeit für mehr Luftzug zu sorgen. Für zwei zusätzliche ovale Fenster mit Öffnungsmöglichkeit ist noch Platz und können helfen. Diese Nachtfeuchtigkeit ist bei Tagesanbruch sehr schnell abgetrocknet.

Ansonsten ist das Schiff trotz Stahl knochentrocken. Die Lüftung scheint also ausreichend zu sein.

Deine Gedanke zum grundsätzlichen Raumklima sind aber dennoch hilfreich und können unterstützen.

@Pier: danke für die umfangreichen Infos. Alles richtig, vor dem Hintergrund der lokal begrenzten Problemstellung scheidet der Komplettausbau des Innenausbaus jedoch aus.

LG, Peter



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