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Verleisten oder nicht
geschrieben von: Segeltommi (IP bekannt)
Datum: 27.04.18 08:18

Moin zusammen
Ich bräuchte mal fachmännischen Rat. Ich restauriere z.Zt. ein Holzboot. Ich besitze es zum zweiten Mal, der „Zwischen-Eigner“ hat das gute Stück aber krankheitsbedingt 5 Jahre auf den Trockenen stehen lassen, davon die längste Zeit draussen, und das in Südfrankreich...
Dementsprechend ausgetrocknet ist das Boot.
Zur Information:
Es handelt sich um eine Fantasi 30, Bj. 1967 in Schweden,
Karweel geplankt, (meiner Meinung nach verleimte) Mahagoniplanken auf Eschespanten, geschraubt und verpfropft. Das Überwasserschiff war immer schon 2K lackiert, ist nie gerissen.
Der Rumpf war so schier, das es wirkte, als wäre es ein GFK-Rumpf.
Das Unterwasserschiff habe ich 2003 mit G4 getränkt und mit Epoxy-Harz lackiert, ohne Matten.
Auch das hat bis zu Verkauf 2012 perfekt gehalten. Totholz ist Eiche.
Es haben sich Risse zwischen den Planken gebildet. Beim Totholz bis zu 3,5 mm, die werde ich ausleisten.
Im Überwasserschiff aber nur bis max. 1,5 mm. Da habe ich ein blödes Gefühl, wenn ich da mit einer Kreissäge oder einem Fräser rangehe, um es später wieder zu verleimen.
Westsystems sagt, man könne auch ausschließlich Epoxy nehmen, das mit einer Kanüle injektiert wird....
Wenn ich darauf vertraue, das es wieder „zuquillt“, habe ich ja nicht die Festigkeit wie vorher, da befürchte ich, dass sich die Planken auf Dauer freiarbeiten.
Und zur Sicherheit das ganze Schiff in GFK packen möchte ich nicht.
Was meint Ihr?

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Andre R363 (IP bekannt)
Datum: 27.04.18 11:10

Hallo,
was ist denn jetzt deine genaue Frage?

Wenn du nur eine allgemeine Meinung wissen willst, dann kann ich dir nur sagen, daß die Vorgehensweise bisher alles andere als gut überlegt war.

Den Rumpf nur mit Epoxy zu streichen macht keinen Sinn. Klar reißen irgendwann die Plankenstöße. Wenn dann Wasser unter das Epoxy dringt kann es schlecht wieder entweichen.
Dann kann das Holz anfangen zu gammeln.

Jetzt einfach Epoxy in die aufgerissenen Fugen zu schmieren ist Pfusch.

Du schreibst was von "nicht die Festigkeit wie vorher"....was meinst du denn damit?
Die Risse zeigen doch eindeutig das diese Festigkeit gar nicht vorhanden war.
Wenn Epoxy auf den Rumpf kommt dann muss Glasgewebe darunter. Am besten vorher ausleisten. Meiner Meinung nach ist ausleisten ein Muss.

Gruss
Andre R363

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Segeltommi (IP bekannt)
Datum: 27.04.18 13:29

Hallo Andre
Danke für die Antwort, vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt:


—————was ist denn jetzt deine genaue Frage?

Verleisten oder nur mit Epoxy verleimen?



———————Wenn du nur eine allgemeine Meinung wissen willst, dann kann ich dir nur sagen, ———————daß die Vorgehensweise bisher alles andere als gut überlegt war.

Doch, sogar von Holzbootbauer empfohlen, wenn der Rumpf fest genug ist.



———————Den Rumpf nur mit Epoxy zu streichen macht keinen Sinn. Klar reißen ———————irgendwann die Plankenstöße. Wenn dann Wasser unter das Epoxy dringt kann es ———————schlecht wieder entweichen.
———————Dann kann das Holz anfangen zu gammeln.

Der Rumpf wurde vorher sättigend mit 1K Polyurethanharz geträngt (mehrfach, erst stark verdünnt), das dringt min. so tief ein wie eine entsprechende Behandlung mit Leinöl und verhindert die Wasseraufnahme des Holzes. Erst danach Epoxy und VC-Tar als Unterbau fürs Antifouling.
Da ist kein Wasser eingedrungen, das Holz ist kerngesund, es ist durch Austrocknen geschrumpft,
Deswegen gerissen.

—————Jetzt einfach Epoxy in die aufgerissenen Fugen zu schmieren ist Pfusch.

Von „schmieren“ habe ich nichts gesagt; verleimen.

—————Du schreibst was von "nicht die Festigkeit wie vorher"....was meinst du denn damit?

Entschuldigung, da habe ich einen Gedankensprung gemacht. Ich meine: Man kann davon ausgehen, das Planken, wenn sie sich nicht mehr als 2mm voneinander entfernt haben, wieder so stark quellen, wenn das Boot z.B. im Kran hängend gewässert wird, daß das Boot wieder dicht wird. Da aber die alte Verleimung ja nicht mehr intakt ist, fürchte ich um die Festigkeit des Rumpfes, die nicht mehr so ist wie vor dem Austrocknen.

——————Die Risse zeigen doch eindeutig das diese Festigkeit gar nicht vorhanden war.

Noch einmal, die Risse sind durch Austrocknung / Schrumpfung entstanden, an Land stehend.

————Wenn Epoxy auf den Rumpf kommt dann muss Glasgewebe darunter.

Das sehe ich anders.

—————Am besten vorher ausleisten. Meiner Meinung nach ist ausleisten ein Muss.

OK, das ist eine Meinung, wie ich sie suche, wenn auch mir die Begründung fehlt, weswegen ausleisten besser ist als nur mit Epoxy verleimen.

Das ist ja genau mein Problem, meine Frage ans Forum.

Gruß Thomas

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Andre R363 (IP bekannt)
Datum: 27.04.18 13:37

Hallo,

toller Holzbootbauer. Der denkt wohl auch nur von 12 bis Mittags.
Wenn der Rumpf fest ist, was auch immer das bedeuten mag, das kann man sehr großzügig definieren, dann ist er das in dem Moment in dem man das feststellt. Was ist später? Wie du siehst arbeitet Holz und das Boot ist ist dann nicht mehr "fest" und der ganze Kram reißt ein.

Meine Begründung fürs Ausleisten?....siehe Absatz oben!

Gruss
Andre R363

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 27.04.18 16:09

Hallo,

wenn das Boot mit Epoxi gestrichen ist und danach von innen im trockenen Zustand gut geölt oder lackiert wird, reduziert sich das Arbeiten des Holzes ganz erheblich bis nahezu Null oder zumindest auf ähnliche Schwundmaße wie Epoxi.
Glas muss da nicht unbedingt drauf, es schützt das Epoxi vor Beschädigungen indem es Kräfte besser in die Umgebung verteilt.
Die Festigkeit des Rumpfes ist nur mit Epoxi nicht gegeben, beim Ausleisten schlägt man leicht konische Leisten in parallele Fugen.
Dadurch erhält der Rumpf wieder Spannung, mit Epoxi in den Fugen baue ich keinen Druck auf.
Epoxi nimmt bis 3% Feuchtigkeit auf und das eben sehr langsam, so dass das Holz kaum noch Feuchtigkeit austauschen kann.

Die 5mR eines Freundes wurde1995 mit Glas Epoxi beschichtet und innen mit 1K lackiert.
Das Boot macht keine Probleme. Da kann man von einer Langzeiterfahrung sprechen.

Das Einzige was ich kritisch sehe, ist die Beschichtung mit G4 als Untergrund.
G4 geht weder mit Holz noch mit Epoxi eine so gute Verbindung ein wie Holz und Epoxi allein.
Aber das G4 ist drauf und vor allem im Holz, so muss das Beste draus gemacht werden.

Wenn es allerdings Anzeichen für eine Trennung von G4 und Epoxi gibt, muss das Zeug runter.

Gruß,
André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Segeltommi (IP bekannt)
Datum: 01.05.18 07:48

Hallo André
Vielen Dank für Deinen Kommentar. Auf so etwas habe ich gehofft.
Zur Erläuterung
Haftungsprobleme zwischen dem G4 un dem Epoxy gab und gibt es bislang nicht. Das Überwasserschiff war immer schon 2K lackiert, und von innen ist der Rumpf 1K bearbeitet, immer noch alles ohne Rott.

Das Thema Spannung aufbauen ist sehr interessant. Eine keilförmige Verleistung bringt da natürlich mehr. Ich hatte aber auch schon die Sorge, ob dieser Druck, wenn das Holz wieder quillt, nicht vielleicht so hoch werden könnte, daß er die Planken von den Spanten presst...

Damit Ihr euch ein Bild von den Rissen machen könnt, wollte ich zwei Fotos anhängen, das hat aber leider nicht geklappt....

Gruß Thomas

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 01.05.18 22:48

Hallo Thomas,
wie gesagt arbeitet und quillt das Holz mit einer Epoxibeschichtung nicht mehr.
Um das auch von innen zu minimieren muss innen lackiert mindestens aber sehr gut geölt werden.

Eine Beschädigung von außen muss unbedingt umgehend repariert werden, sonst zieht Wasser unter das Holz.
Da es nicht mit normaler Geschwindigkeit verdunsten kann fault das Holz dann auch schnell.

André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: j.sch. (IP bekannt)
Datum: 03.05.18 11:30

Hallo André, mit was lackiert man von Innen am besten?

Viele Grüße aus Leipzig, Jens.

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 05.05.18 08:13

Hallo Jens,

grundsätzlich würde ich innen etwas Einkomponentiges verwenden.
Damit das Holz auf jeden Fall atmen kann, ob es aussen beschichtet ist oder nicht.
Wenn das Boot beschichtet ist, muss innen gut lackiert sein damit das Holz keine übermäßige Feuchtigkeit aufnehmen kann, wenn mal Wasser überkommt.
Man kann Öl nehmen, das wird über viele Jahre aber schwarz, weil es offenporig ist und Schmutz eindringt.
Ein 1K Lack wie Epifanes ist geschlossenporig, lässt aber ähnlich viel Feuchtigkeit ausdiffundieren wie Öl.
Öl dringt aber tiefer ein.
1K PU Lack lässt weniger Feuchtigkeit durch.

Letzten Endes werde ich meinen Jolli mit Owatrol streichen und nach ein paar Jahren mit Epifanes lackieren, nachdem das Öl tief eingedrungen ist.
UV-Schutz ist innen ja vielleicht auch ein Thema, je nach Holzart, Fenstergröße und Zahl, Persenning über dem Cockpit...
Und verschiedene Lacke für Bilge und Cockpit oder Aufbau machen bei einem Jolli z.B auch keinen Sinn.

André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: j.sch. (IP bekannt)
Datum: 08.05.18 11:28

DANKE André, jetzt weiß ich Bescheid.

Viele Grüße aus Leipzig, Jens.

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: arthur (IP bekannt)
Datum: 03.07.18 14:49

Hallo Zusammen,

ich verstehe die Fragen nicht? Es geht um Holzboote - und die arbeiten! Wenn sie sich im Frühjahr zu Wasser wieder dichtziehen, ist alles gut. Wenn nicht - dann gibt es Arbeit für den Bootsbauer! Dieses ewige Ausleisten nicht zwangsläufig die Musterlösung. Wer grundsätzlich keinen Ärger mit der Thematik haben will, kauft sich ein formverleimtes etc. Boot ;-))
BG
PS: @ Jens - 1K Lack - langgemacht und jedes Jahr - alles wunderbar!

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 03.07.18 19:33

Hallo Arthur,

es ging hier um ein Boot, welches lange in Frankreich in der Sonne stand.
Mit Schimpfen gegen das Ausleisten hilfst Du keinem weiter.
Ich schlage vor Du liest erstmal alles und machst dann konstruktive Alternativvorschläge.

Ein beschichtetes, strukturell gesundes Boot arbeitet nicht nennenswert.

Gruß,
André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: arthur (IP bekannt)
Datum: 06.07.18 14:09

schatzi - ich habe in meinem Leben schon Einiges ausgeleistet ;-))
Thematik:
Das Holz ist ja durch das Trocknen nicht weniger geworden, im Sinne von "da ist was weg"! Und jetzt mit zusätzlichem Holz in den Rumpf zu gehen - erweitert ihn! Schon klar oder?

Schon klar, was passiert ist. Die passende Methode ist es immer wieder, das strukturell erhaltene Holz durch langes Wässern (am Kran) wieder zu "wecken" und dann ist es allermeistens gut!
Frag doch mal einen Bootsbauer - das muß man lernen und das heißt Erfahrungen sammeln. Auf einer Uni lernt man so was halt nicht ;-))
BG

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: Segeltommi (IP bekannt)
Datum: 06.07.18 14:21

arthur schrieb:
-------------------------------------------------------
> schatzi - ich habe in meinem Leben schon Einiges
> ausgeleistet ;-))
> Thematik:
> Das Holz ist ja durch das Trocknen nicht weniger
> geworden, im Sinne von "da ist was weg"! Und jetzt
> mit zusätzlichem Holz in den Rumpf zu gehen -
> erweitert ihn! Schon klar oder?
>
> Schon klar, was passiert ist. Die passende Methode
> ist es immer wieder, das strukturell erhaltene
> Holz durch langes Wässern (am Kran) wieder zu
> "wecken" und dann ist es allermeistens gut!
> Frag doch mal einen Bootsbauer - das muß man
> lernen und das heißt Erfahrungen sammeln. Auf
> einer Uni lernt man so was halt nicht ;-))
> BG


Moin Arthur

Bei deiner vorgeschlagenen Methode gibt es in diesem Falle zwei Probleme:
1. Bei einer so langen und starken Trocknung erreicht das Holz nicht unbedingt wieder sein altes Volumen
und, viel wichtiger:
2. Die Planken waren miteinander verleimt. Diese Verleimung ist aufgebrochen. Selbst wenn die Planken so quellen, dass das Schiff dicht wird, ist die Festigkeit nicht mehr die Gleiche.
Leimen muss man so oder so, meine Fage war eigentlich nur, ob Injiziertes Epoxy reichen würde, oder ob zwingend Holz eingebracht werden muss.
Gruss
TT

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 06.07.18 18:20

Klein Arthur-Schätzchen,

nur weil ich ein Diplom habe, heißt das nicht das ich nichts gelernt habe. Tischler reicht?
Oder soll es noch ein Fachabi Architektur mit Werkstoffkunde Holz sein?
Oder noch 40 Jahre Erfahrung mit Holzboten?

Das Holz wird sehr wohl weniger, weil durch lange, starke Trocknung Zellen zusammenfallen bzw. beim Quellen nicht mehr ihre alte Größe erreichen.
Wenn nicht, würde das den Sinn des Ausleistens doch so ein klein wenig in Frage stellen...
Wie sonst kämen wohl Fugen zustande, die nicht mehr dicht quellen wo früher keine waren?
Die Spanten werden auch durch die ständige Beanspruchung etwas länger, wenn das die Hauptursache wäre, würden die Fugen nicht rein zufällig immer in der Wasserlinie auftauchen wo der Schwund der Planken am größten ist.
Die Kunst beim Ausleisten ist, dem Rumpf ausreichend Spannung zu geben, ohne die Spanten zu stark zu beanspruchen.

Schade, das die Diskussion schon wieder so unsachlich geworden ist.
Kommt wohl, wenn einer ausnahmsweise Schlips trägt und immer drüber stolpert.

@Tommi:
Ich halte ziemlich wenig davon, den Rumpf auszuleisten, ohne ihn danach außen mit EP zu beschichten.
Habe mit meinem Jolli so einen Extremfall.
Unter Wasser mit 100 mm breiten Eichenplanken, über Wasser mit 30-40 mm Mahagonileisten beplankt.
Ausgeleistet und offenbar dann wieder zu trocken stehen gelassen worden.
Mit dem Resultat, dass das Boot wieder nicht dicht wurde und lange ständig Wasser drin stand.
Selbst die vom Voreigner in den 90ern gewechselten Bodenwrangen sind schon hin, Edelstahlschrauben sind keine DDR-Ware. Am Holz sieht man auch, das die so alt nicht sind, nur die Enden am Schwertkasten sind mehr als fertig.
Mit EP und Glas wäre das nicht passiert.
Ein Bootsbauer wollte mir auch anschnacken, nur EP in die Fugen zu schmieren.
Damit baut man im Rumpf aber keine Spannung auf und die Festigkeit des Rumpfes ist unter Umständen nicht gegeben.

Gruß,
André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: arthur (IP bekannt)
Datum: 06.07.18 19:27

Hallo großer Meister
naja dann ist ja alles gut, bei so viel Sachkenntnis - ? Da bleibt mir dann doch nur noch ein glückliches Restleben zu wünschen und die arme Forengemeinde weiterhin mit großer Sachkenntnis zu beglücken. Und eine Kunst ist es in der Tat ;-))))

@ TT, bei verleimten Planken ist das natürlich komplett anders, da der Rumpf wieder durch eine stringente Leimung seine alte Stabilität wieder erlangen muß.
BG

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: nvonholdt (IP bekannt)
Datum: 06.07.18 20:33

Guten Tag,
auch ich stehe vor der Aufgabe den Rumpf meines Bootes zu verkleben und da ich ein notorischer Querdenker bin, möchte ich meine Gedanken ungefragt in den Raum stellen.
Die Festigkeit des Rumpfes wurde durch die Verformung der Planken und deren Verbindung zu Spanten, Steven und Kiel hergestellt. Zusätzlich ergab sich eine Formfestigkeit durch die Flächenpressung der Planken untereinander.
Durch das Austrocknen des Rumpfes ist nur der letzte Punkt, die Formfestigkeit, nicht mehr gegeben, vorausgesetzt, daß die anderen Verbindungen mangelfrei sind.
Durch das Verkleben wird die Flächenpressung ersetzt. Ich behaupte, daß die Verklebung eine bessere Formfestigkeit ermöglicht.
Das Argument, daß Spannungen im Rumpf aufgebaut werden müssen, teile ich nicht. Die Spannungen, die durch eingeschlagene Leisten entstehen, gehen verloren, da es kein geschlossenes System ist. Die Spannungen werden sich Richtung Deck komplett abbauen.
Meines Erachtens wäre ein Füllen der Fugen mit Epoxy ausreichend. Jedoch ist dabei folgendes nicht außer Acht zu lassen:
1. Die Klebeflächen müssen sauber sein, daher müssen diese Fugen verbreitert werden, um sauberes Holz zur Verklebung zu haben.
2. Das vollständige Ausfüllen der Klebefuge nach innen ist sehr schwierig und sieht, da man innen wegen der Einbauten nicht alles "glatt" ziehen und reinigen kann, "schlimm" aus.
Aus diesen Gründen ist ein Einsetzen von Leisten sinnvoll. Es verringert auch den Klebstoffverbrauch.....
Die Gestaltung der Fugen, d.h. innen ein geringeres Spaltmaß als außen, macht in sofern Sinn, daß die Fuge innen durch die Leiste komplett verschlossen wird. Nach Außen wird der Restspalt durch das angedickte Epoxy verschlossen und eine Verklebung in Plankendicke ist gegeben. Jedoch dürfen die Leisten nicht eingeschlagen werden!
Nun ist letztendlich nur noch das Quellen der Planken zu verhindern, da der Plankendruck in Spantrichtung die Spanten oder die Verbindung zu ihnen zerstören wird.
Dieses wäre durch einen "Anstrich" mit Epoxy zu bewerkstelligen, ein Eindringen von Wasser, Feuchtigkeit in das Holz wäre nicht möglich. Jedoch ist dieser Anstrich sehr anfällig und es besteht die Gefahr von Fäule beim Eindringen von Wasser. Aus diesem Grund ist ein zusätzlicher Schutz des Holzes gegen Stoß mit einem Gewebe sinnvoll.
Für mich bleibt jedoch eine Frage offen. Ist es sinnvoll die relative Holzfeuchte wieder auf einen angenommenen Wert beim Bau herzustellen? Das Boot wurde mit einer Holzfeuchte von ca. 12-15% gebaut. Nach jahrelanger Hallenlagerung ermittel ich mit einem einfachen Gerät eine Holzfeuchte von ca. 8%. Da eine Feuchtigkeitssperre innen wegen der jahrzentelangen Ölbehandlung nicht möglich ist, besteht die Neigung, daß die Holzfeuchte zunimmt und die entstehende Plankenpressung nicht akzeptabel ist.
Bevor jetzt Zeter und Mordio geschrieen wird: Es sind meine Überlegungen und diese sind möglicherweise falsch. Ich bin jedoch noch aufgeschlossen genug.

Viele Grüße

N.von Holdt



Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: arthur (IP bekannt)
Datum: 07.07.18 10:27

nvonholdt schrieb:
-------------------------------------------------------
Hallo ;-))


> Guten Tag,
> auch ich stehe vor der Aufgabe den Rumpf meines
> Bootes zu verkleben und da ich ein notorischer
> Querdenker bin, möchte ich meine Gedanken
> ungefragt in den Raum stellen.
> Die Festigkeit des Rumpfes wurde durch die
> Verformung der Planken und deren Verbindung zu
> Spanten, Steven und Kiel hergestellt. Zusätzlich
> ergab sich eine Formfestigkeit durch die
> Flächenpressung der Planken untereinander.

exakt so ist das Prinzip

> Durch das Austrocknen des Rumpfes ist nur der
> letzte Punkt, die Formfestigkeit, nicht mehr
> gegeben, vorausgesetzt, daß die anderen
> Verbindungen mangelfrei sind.

weit weit sind die Planken voneinander entfernt?

> Durch das Verkleben wird die Flächenpressung
> ersetzt. Ich behaupte, daß die Verklebung eine
> bessere Formfestigkeit ermöglicht.

ein Holzrumpf arbeitet immer (außer er ist formverleimt) und die Kräfte sind enorm. Das hält Epoxy nicht aus - und selbst wenn, gibt dann eher das Holz nach

> Das Argument, daß Spannungen im Rumpf aufgebaut
> werden müssen, teile ich nicht. Die Spannungen,
> die durch eingeschlagene Leisten entstehen, gehen
> verloren, da es kein geschlossenes System ist. Die
> Spannungen werden sich Richtung Deck komplett
> abbauen.

es ist das gesamte System eines Holzrumpfes zu betrachten, d.h. es gehen ja nicht nur die Planken, sondern auch die Spanten mit in der Bewegung

> Meines Erachtens wäre ein Füllen der Fugen mit
> Epoxy ausreichend. Jedoch ist dabei folgendes
> nicht außer Acht zu lassen:
> 1. Die Klebeflächen müssen sauber sein, daher
> müssen diese Fugen verbreitert werden, um sauberes
> Holz zur Verklebung zu haben.

Saubere Klebeflächen sind Grundvoraussetzungen für dauerhafte Kontakte

> 2. Das vollständige Ausfüllen der Klebefuge nach
> innen ist sehr schwierig und sieht, da man innen
> wegen der Einbauten nicht alles "glatt" ziehen und
> reinigen kann, "schlimm" aus.

stimmt!

> Aus diesen Gründen ist ein Einsetzen von Leisten
> sinnvoll. Es verringert auch den
> Klebstoffverbrauch.....

Äh warum? Die Leisten werden doch auch an zwei Seiten verklebt - oben und unten.

> Die Gestaltung der Fugen, d.h. innen ein
> geringeres Spaltmaß als außen, macht in sofern
> Sinn, daß die Fuge innen durch die Leiste komplett
> verschlossen wird. Nach Außen wird der Restspalt
> durch das angedickte Epoxy verschlossen und eine
> Verklebung in Plankendicke ist gegeben. Jedoch
> dürfen die Leisten nicht eingeschlagen werden!
> Nun ist letztendlich nur noch das Quellen der
> Planken zu verhindern, da der Plankendruck in
> Spantrichtung die Spanten oder die Verbindung zu
> ihnen zerstören wird.

Das Quellen von trockenem Holz beim wieder Wässern läßt sich wohl kaum verhindern ...

> Dieses wäre durch einen "Anstrich" mit Epoxy zu
> bewerkstelligen, ein Eindringen von Wasser,
> Feuchtigkeit in das Holz wäre nicht möglich.
> Jedoch ist dieser Anstrich sehr anfällig und es
> besteht die Gefahr von Fäule beim Eindringen von
> Wasser. Aus diesem Grund ist ein zusätzlicher
> Schutz des Holzes gegen Stoß mit einem Gewebe
> sinnvoll.

Nicht zwangsläufig ;-((( Und Stöße gehen gelegentlich glatt durch das Gewebe, womit Wasser darunter eindringen kann und dann nimmt das Unheil seinen Lauf, nicht gleich aber doch langsam. Ein mit Glas/Epoxy versiegelter Rumpf muß zwangsläufig immer makellos in seiner Oberfläche ein.


> Für mich bleibt jedoch eine Frage offen. Ist es
> sinnvoll die relative Holzfeuchte wieder auf einen
> angenommenen Wert beim Bau herzustellen? Das Boot
> wurde mit einer Holzfeuchte von ca. 12-15% gebaut.
> Nach jahrelanger Hallenlagerung ermittel ich mit
> einem einfachen Gerät eine Holzfeuchte von ca. 8%.

Ab ins Wasser (am Kran) damit und dann mal sehen... oftmals erledigen sich alle vorher gemachten Gedanken

> Da eine Feuchtigkeitssperre innen wegen der
> jahrzentelangen Ölbehandlung nicht möglich ist,
> besteht die Neigung, daß die Holzfeuchte zunimmt
> und die entstehende Plankenpressung nicht
> akzeptabel ist.
> Bevor jetzt Zeter und Mordio geschrieen wird: Es
> sind meine Überlegungen und diese sind
> möglicherweise falsch. Ich bin jedoch noch
> aufgeschlossen genug.
>
> Viele Grüße
>
> N.von Holdt
>
> Es ist echt immer wieder das alte Thema - ein Holzboot lebt und wir sollten es nicht verschlimmbessern. Selbst lange im Trockenen gestandene Typen ziehen/quellen sich binnen Tagen wieder dicht und sind damit stabil über die Verbände hinweg. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Aber dann ist Epoxy wirklich kein Allheilmittel, sondern dann muß professionell die Rumpfstruktur wieder hergestellt werden.

BG

>



Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 08.07.18 01:11

Moin Nils,

der Gedanke, das sich die Spannung abbaut ist leider falsch. Zumindest kurzfristig nicht, über lange Zeit längen sich Spanten vielleicht und nicht beschichtete, unverleimte Planken schwinden.
Das müssste ja auch bei traditionell gebauten Booten passieren, die halten bei guter Pflege aber ja viele Jahrzehnte dicht.
Die Nieten/Schrauben halten die Planke in Position.

Zu der Ölgeschichte innen: Ein Freund hat 1995 eine 5mR Yacht ausgeleistet und beschichtet, innen aber mit 1K Epifanes lackiert. Offenes Boot mit kleinem Cockpit mit Ganzpersenning auch über die Seiten.
Wir segeln das Boot regelmäßig, es macht seit mehr als 20 Jahren KEINE Probleme.
Sicher muss das Boot innen gut konserviert sein, aber dann ist das meiner Ansicht nach genau richtig.

Ansonsten bin ich absolut bei Dir, das ist genau was ich immer wieder geschrieben habe.
Von VonderLinden gibt es glaube auf Youtube auch ein Video, indem die Methode ohne Leiste propagiert wird.
Wie Du schon sagst, wird damit der Verkauf von EP angekurbelt, ist aber für mich nicht ok.
Außer das es tatsächlich kacke aussieht und technisch schlecht ist, gibt's keine Argumente dafür...

Eine Holzfeuchte von 8-10% ist gut, 15% sind zu hoch. Wozu sollte die Feuchtigkeit im Holz gut sein?
Die Boote wurden mit hoher Feuchtigkeit gebaut, weil sie im Wasser eh diese Werte erreichen, mit traditioneller Bauweise.
Mit Beschichtung bekannterweise bleibt das Holz trocken. Solange die Beschichtung unbeschädigt ist.
Mit einer so hohen Feuchtigkeit hat man 2 Risiken:
- Die Verklebung mit EP funktioniert nicht gut bei hoher Feuchtigkeit
- Das Holz kann weiter auftrocknen und die Leimnähte gehen wieder auf

Gruß,
André

Re: Verleisten oder nicht
geschrieben von: nvonholdt (IP bekannt)
Datum: 08.07.18 10:26

Hallo André,
mit der Spannung bin ich nicht ganz bei dir. Die Spannung durch das Einschlage von Leisten hält auf die Verbindungen, wechsel von Zugspannung auf Scherspannung. Aber das wird wohl Glaubenssache bleiben.
Nur Epoxy zu verwenden mag funktionieren bei geringer Spaltbreite und frei zugänglichem Innenrumpf.
Mit deiner kurzen Erklärung zur Holzfeuchte hast du meinen Gedanken den notwendigen Stoß
in eine andere Richtung gegeben. Jedoch ist immer noch etwas mein Dreh- und Angelpunkt der Sitz der Nietverbindungen. M.E. war der Sitz bei ca. 12% besser als jetzt bei 8%. Bei diesem Gedanken tritt natürlich die Frage auf, welche Wichtigkeit diese noch haben. Es ist ja ein Wechsel, zumindest teilweise, von Plankung zu Formverleimung.
Ich habe noch einige Monate bis zur Entscheidung und werde noch einige Kreise um das Boot laufen.

Ich wünsche einen schönen Sonntag

N.von Holdt

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