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K-Markierung
geschrieben von: ingopingo (IP bekannt)
Datum: 08.09.10 11:59

In Schweden können Klassiker eine behördliche "K-Markierung" erhalten.
Trägt die K-Markierung dazu bei, dass das wertvolle Kulturerbe an Freizeitbooten geachtet und seine Benutzung und Instandhaltung erleichtert wird? Macht es Sinn, mittels eines behördlichen Stempels qualitative Abstufungen im Bestand der alten Yachten zu erfassen? Wenn ja: Welche Kriterien sind tauglich, um die Boote zu "punkten"? Bringt der Stempel eines Museums oder einer Denkmalschutzbehörde überhaupt nennenswerte Vorteile für Eigner und Szene? Soll also der Freundeskreis sich für solch eine "K-Markierung" in Deutschland einsetzen?
Weitere Infos: www.fky.org/news/forum_kulturmarkierung.htm

Re: K-Markierung
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 08.09.10 17:45

Moin,
ich sehe keine Vorteile, außer das es schwerer wird, nicht gut erhaltene bzw. restaurierte Boote als erhaltenswertes Kulturgut zu verkaufen.
Allerdings muss auch der Bekanntheitsgrad der K-Marke da sein, sonst nützt das alles nichts.
Genau da hapert es aber auch schon, es gibt so viele Leute, die, komplett ohne Vorwissen, ein Boot kaufen und weil es nun mal hübsch ist, soll es ein Holzboot sein.
Gut, auch wenn man diese Leute aussen vor lässt in der Betrachtung und nur die Leute nimmt,
die sich mit der Pflege alter Boote auskennen, gibt es immer noch viele, die nichts vom Freundeskreis wissen.
Ich möchte schon mal keine von außen sichtbare Plakette ans Boot schrauben oder schlimmer kleben.
Ein kleines Heft, ausgestellt für das Boot, bringt vielleicht bei den Liegegeldern Vorteile, aber ist das nennenswert?
Wie stellt man sich die Plakette sonst vor?
Schleusen, Kanäle sind in Deutschland immer noch frei, Diskussionen gab es auch hierüber schon,
vielleicht eine Chance für Klassikereigner sich dem für länger zu entziehen.
Bestimmt stiege der Wert eines Schiffes mit der Plakette, wie beim Oldtimer mit H-Kennzeichen.
Aber auch dazu muß der Bekanntheitsgrad da sein.
Anders als wahrscheinlich in Schweden, besteht hier großer Teil der Klasikerflotte aus Schiffen der 60er Jahre, wo sind die Grenzen zu setzen? Wird dann ein Teil der Klassikerflotte heruntergestuft auf "Klassiker zweiten Grades"?

To be continued...

Gruß,
André

Re: K-Markierung
geschrieben von: VC (IP bekannt)
Datum: 08.09.10 19:12

Hallo,
eine solche Klassifizierung macht für mich dann Sinn, wenn wir dadurch einen Vorteil hätten. Im Hausbau haben wir bei antiken Gebäuden den Begriff "Kulturgut" und ich denke der eignet sich für viele - nicht alle- klassischen Yachten auch. Wenn ein solches Kulturgut beispielsweise wie im Hausbau mit einer Sonderabschreibung der Renovierung von 10 % p.a. gefördert würde, wäre das doch ganz toll. Und es würde möglicherweise auch mehr erhalten werden.
Liebe Grüße
Volker Christmann

Re: K-Markierung
geschrieben von: nvonholdt (IP bekannt)
Datum: 08.09.10 19:26

Dzien dobry,

Vorteile, die eine Registrierung, bzw. eine Plakette mit sich bringt, vermag ich auch nicht zu erkennen.
Eine Verkaufs- oder Kaufsförderung wird wohl auch kaum stattfinden, da die meisten Eigner sich eine Yacht nach Geschmack kaufen. Der Kreis derjenigen, die sich eine Yacht mit dem Argument kaufen, daß es sich um ein Kulturgut handelt wird recht klein sein.
Wie weit die Intention zur Einführung einer Plakette in Schweden geht, wird möglicherweise nicht vollständig erläutert.
Man darf nicht vergessen, daß m.E. sämtliche Boote und Yachten über 7,5m registriert sind. Zur Zahlung der Luxussteuer. Eventuell besteht ja auch der Gedanke, daß die K-Plaketten Boote und Yachten bei der Luxussteuer eine Ermäßigung bekommen sollen.
Der Umkehrschluß läßt mich Grausen. Nämlich: Nun sind ja schon die Kulturgüter registriert, dann sollte mal der Rest auch registriert werden....... für 12% zusätzlich zur Umsatzsteuer?
Eine Ermäßigung in deutschen Yachthäfen halte ich für ausgeschlossen. Der Tenor wird sein: "Die Plakette macht dein Boot nicht kürzer, du zahlst trotzdem für 10m."
Natürlich ist der Gedanke reizvoll, dank einer Plakette, überall einen kostenfreien Liegeplatz in einem Museumshafen zu bekommen, aber auch dieses ist unwahrscheinlich.
Des weiteren halte ich den Aufwand für die Erteilung einer Plakette recht groß, der in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen wird. Unterlagen, Beurteilung durch Gutachter usw. usw., nichts wird kostenfrei sein.
Ich persönlich werde meine Yachten weiterhin nach der "Schönheit alter Schiffe" kaufen und dabei werde ich die Plakette sicherlich nicht sehen.

Viele Grüße

Niels


Re: K-Markierung
geschrieben von: j.sch. (IP bekannt)
Datum: 08.09.10 22:58

hallo, man müsste mal herausfinden warun das in schweden gemacht wird.
hier in deutschland ist es durch vorschriften, verordnungen, richtlinien, anweisungen und ähnliches eigentlich unmöglich eine regelung zu finden die einen bestimmten zweck verfolgt, irgendeiner wird schon klagen.
was soll es auch bringen, was soll bescheinigt werden? die restauration mit originalteilen? eine restauration, die so umfassnd ist um etwas neues altes oder etwas anderes hergestellt zu haben (siehe HGB )? oder eine plakette für ein unsaniertes boot mit nur originalholz. was dann aber wenn nach heutigem standard lack hergestellt wird und der wird für den klassiker verwendet, ist dann noch alles original? früher wurde holz mit öl getränkt, heute halt mit epoxyd (hatten wir schon mal: "wieviel refit")
also was soll eine plakette aussagen, was soll es bringen?
wenn so etwas angedacht sein soll, dann eventuell eine "Zustandsbewertung" mit Punktevergabe wie bei einer hundeausstellung, das geht aber schon fast in richtung gutachten.

viele grüße, jens.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.09.10 23:00 von j.sch..

Re: K-Markierung
geschrieben von: karsten inderbiethen (IP bekannt)
Datum: 09.09.10 11:13

würg, das kapitel bitte schnell schließen. ich erinnere mich noch an den grünen punkt, haben wir damals auf alles mögliche draufgeklebt. herrscharen von " sachverständigen" wurden befragt, zu rate gezogen, kosten verursacht, verordnungen verfasst, standards festgelegt...

den freigeist unserer leidenschaft sollten wir bloß nicht mit einer plakette belasten.

die plakette/markierung zur beachtung des erhalts eines kulturerbes ist überflüssig, es gibt schon seit langem eine unsichtbare : fky !

grüße, karsten






Re: K-Markierung
geschrieben von: acksel (IP bekannt)
Datum: 09.09.10 11:55

j.sch. schrieb:
-------------------------------------------------------
> hallo, man müsste mal herausfinden warun das in
> schweden gemacht wird.
> hier in deutschland ist es durch vorschriften,
> verordnungen, richtlinien, anweisungen und
> ähnliches eigentlich unmöglich eine regelung zu
> finden die einen bestimmten zweck verfolgt,
> irgendeiner wird schon klagen.
> was soll es auch bringen, was soll bescheinigt
> werden? die restauration mit originalteilen? eine
> restauration, die so umfassnd ist um etwas neues
> altes oder etwas anderes hergestellt zu haben
> (siehe HGB )? oder eine plakette für ein
> unsaniertes boot mit nur originalholz. was dann
> aber wenn nach heutigem standard lack hergestellt
> wird und der wird für den klassiker verwendet, ist
> dann noch alles original? früher wurde holz mit öl
> getränkt, heute halt mit epoxyd (hatten wir schon
> mal: "wieviel refit")
> also was soll eine plakette aussagen, was soll es
> bringen?
> wenn so etwas angedacht sein soll, dann eventuell
> eine "Zustandsbewertung" mit Punktevergabe wie bei
> einer hundeausstellung, das geht aber schon fast
> in richtung gutachten.
>
> viele grüße, jens.
>
>
>
> 2 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.09.10 23:00 von
> j.sch..


Was denn für Vorschriften, Richtlinien und Anweisungen???? Wo nimmst Du die denn her?
Die gibt es doch nichteinmal für für Oldtimer. Da wird nicht einmalgekuckt (noch nicht) ob der Wagen wirklich Kulturgut ist. es wird nicht unterschieden zwischen einem Milionenfach gebauten Käfer oder einem Flügeltürer SL.
Dafür wird ungeprüft die Steuer gesenkt.
Und da es hier keine Steuer auf Boote gibt, macht so eine Plakette auch keinen sinn.


Grüsse von der Elbe!
Axel

www.classic-modellyacht-design.de

Re: K-Markierung
geschrieben von: oxyyd (IP bekannt)
Datum: 09.09.10 14:09

Ich stimme zu: eine K-Markierung macht nur Sinn, wenn hieraus ein Vorteil für den Besitzer erwächst. Vorstellbar wären aus meiner Sicht:

1. Nachlass beim Versicherungsschutz. Begründung: Eigner historischer Schiffe werden höchstwahrscheinlich defensiver fahren/segeln als andere.

2. Abschreibungsmöglichkeit für Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßnahmen. Begründung: Der Erhalt des mit der K-Markierung versehenen Kulturguts wird gefördert, bei großen Maßnahmen auch Wirtschaftsförderung für kleine Handwerksbetriebe (Bootsbauer, Werften)

Mehr fällt mir nicht ein. Ich befürchte allerdings, dass unsere "Gemeinde" zu klein ist, um irgendetwas davon durchzusetzen. Also lieber weiterhin den Idealismus bewahren und den Quatsch vergessen.

Re: K-Markierung
geschrieben von: Tobias Bressler (IP bekannt)
Datum: 10.09.10 21:18

Ich finde, Karsten hat das ganz schön ausgedrückt, da muss man gar nicht mehr viel hinzufügen:
Unsere Plakette sollte der FKY sein, das reicht vollkommen. Punkt. Lasst uns Standards setzen, und zwar jeder an seiner Baustelle: Wir lieben alte Boote und kümmern uns um deren Erhalt und Zukunft. Jeder auf seine Weise zwar, aber mit einem gemeinsamen Ziel. Steuervorteile, niedrigere Liegeplatz-/Hafengebühren etc., das finde ich doch etwas naiv.

Viele Grüße
Tobias Bressler

Re: K-Markierung
geschrieben von: Christoph Geyer (IP bekannt)
Datum: 21.10.10 21:03

Ahoi,
Warum macht man das in Schweden? Steht im Klassiker.
Mich ärgert die kleinliche Frage nach dem Vorteil einer solchen Markierung. Das maritime Kulturerbe spielt in Bundes-Deutschland so gut wie keine Rolle. Es gib immer noch kein staatliches Yachtsport-Museum und das einzigartige Stadtteil-Museum in Altona wird gerade eingespart.
Alles was hilft, diesen Mangel auszugleichen sollte willkommen sein. Es wäre doch schön, wenn dadurch erreicht werden könnte, dass sich mancher etwas mehr Gedanken macht, bevor er/sie ein "modernes" Rigg auf eine Sonderklasse stellt, oder mit Epoxi, Kevlar und Karbon aus einer historischen 5mR ein Irgendwas zaubert. Nun muss es nicht jeder bis zum "Libelle Juna"-Standard treiben. Etwas mehr Vorsicht bei der Nutzung der Substanz, Schwimmendes Kulturgut, wäre zu mindestens wertbildend. Und davon hätten wir etwas.

Viel Spaß beim Schleifen und Lackieren wünscht
Christoph Geyer

Re: K-Markierung
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 22.10.10 08:18

Moin Christoph,
auch ein guter Standpunkt.
Es sollte nur bei der Ausarbeitung der Kriterien darauf geachtet werden, das z.B Epoxi kein abwertendes Kriterium wird.
Als die Fugendichtungsmassen eingeführt wurden, haben viele sicher auch die Nase gerümpft,
wenn auch aus anderen Gründen als der Originalität.
Ich finde, es sollte alles erlaubt sein, was den optischen Charakter des Schiffes nicht beschädigt,
so wird es bei Bauten aus an Land ja auch gehandhabt.
Auch, wenn ich kein Freund von Epoxibeschichtungen auf der Außenhaut bin...
Solche Neubauten wie in letzter Zeit bei den Zwölfern geschehen, wo viel gute Substanz einfach vernichtet wurde,
müssen sicher nicht sein.

Gruß,
André

Re: K-Markierung
geschrieben von: Christoph Geyer (IP bekannt)
Datum: 22.10.10 20:04

Ahoi André,
ich versuche beim Thema Epoxi etwas genauer zu werden. Nach meiner Meinung ist der Einsatz von Epoxi und Silikon notwendig, wenn andere Mittel nicht zur Erhaltung des Bootes eigesetzt werden können. Im Klassiker wurde vor einiger Zeit die "Restauration" eines 15er Jollenkreuzeres detailliert beschrieben: Ausleisten, Verkleben, Furnier auf die Außenseite, Glasfaser drüber, neues Sperrholzdeck, alte Spanten raus - wie in anderen Fällen auch. Das ist dann ein neues Boot, ein "Spirit of Tradition", aber weder Kulturgut noch Klassiker.
Wo der Einsatz heutiger Materialien nicht sichtbar ist, und nicht die Leistungsfähigkeit des Bootes steigert, würde ich es noch durchgehen lassen.
Ich bin für die Einführung einer gemäßigten "Vintage-Class" mit FKY-Zertifikat, im Bewusstsein des damit verbundenen und bekannten Aufwandes für Vermesser und Sachverständige.

Gruß Christoph

Re: K-Markierung
geschrieben von: Michael Grothe (IP bekannt)
Datum: 23.10.10 07:22

Hej,

Silikon gehört erst mal überhaupt nicht an Bord.
Auch ein klarer Epoxiüberzug am Rumpf sollte auch erlaubt sein. Schließlich bleibt die Substanz des meist schönen Mahagoniholzes sichtbar.
Und Spax gehören auch nicht zum Klassiker.


Hej då Michael

Re: K-Markierung
geschrieben von: André bauer (IP bekannt)
Datum: 23.10.10 20:32

Hi,
ich sehe den Unterschied zwischen Farben auf künstlicher Basis (Epoxi) und z.B Leinöl auch nicht so dramatisch.
Sichtbare Spaxschrauben sind sicher ein No GO, verdeckte dagegen?
Viele verwenden Niro statt Bronze, die Form des Kopfes ändert da auch nichts.

Gruß,
André

Re: K-Markierung
geschrieben von: Tobias Bressler (IP bekannt)
Datum: 23.10.10 21:18

Hallo zusammen,

ich bin nicht sicher, ob das hierher gehört, oder ob es nicht doch ein Beitrag für die Rubrik "Vermischtes" ist, wage aber dennoch mal den Versuch...
Mal abgesehen von den Materialien, die für eine Restaurierung verwendet werden:
Wie schätzt Ihr denn die Verwendung von Harken-Beschlägen, Travellern, Baumkickern, Foliensegeln, den schon von Christoph Geyer erwähnten Alu Riggs und nicht klassenkonformen Riesenspinnakern ein? Ist das klassisch oder gar K-Markierungswürdig, so wir das überhaupt brauchen? Ein 22er Schärenkreuzer z.B. hatte ursprünglich mal einen Spinnaker mit einer Größe von 14 qm. Ein 35er Nationaler Kreuzer einen von 15 qm. Heute sind solche von 60 qm und mehr nicht ungewöhnlich. Ich persönlich bin der Meinung, dass das derzeitig vielerorts stattfindende "Wettrüsten" nichts mit "klassisch" zu tun hat. Aber dies nur am Rande, ich möchte damit keine Glaubensdiskussion lostreten und auch niemandem lauwarm an´s Bein ....

Schöne Grüße
Tobias Bressler

Re: K-Markierung
geschrieben von: acksel (IP bekannt)
Datum: 25.10.10 18:10

Hmm...
Ich hatte schonmal nachgefragt, wieviel Refit es denn sein darf. Mancher will ja unbedingt absolut besser als neu, einen Steinway auf dem Wasser, mancher möchte auch nur segeln, und dafür den Untersatz herrichten.
Ich selbst fahre einen Oldtimer Benz und würde da nichts ändern wollen.
Beim Boot sieht es anders aus. Ich habe mal einen Kutter nahezu Original wiederhergestellt. War schön, und sehr teuer.
Mein jetziges Boot würde ich so, wie es ist "in Ordnung" halten. es ist 50 Jahre alt, aber ich würde diesmal alles auf Segelfertig ausrichten, nicht mehr.
Wenn ich lese, was Larsson so macht, ist da auch nicht alles nur perfekt original. Die damaligen Bootsbauer haben seinerzeit auch jedes moderne Material genutzt, um die schiffe zu erhalten oder zu verbessern, es war zwar nicht immer gut, aber heute sieht man die Materialien doch anders und zukunftsweisender.
Ich denke, es liegt an einem selbst, was man mit seinem Schiff macht.

Grüsse von der Elbe!
Axel

www.classic-modellyacht-design.de

Re: K-Markierung
geschrieben von: Christoph Geyer (IP bekannt)
Datum: 26.10.10 20:46

Ahoi aksel,
wie viel "Refit" sein darf, muss jeder selbst entscheiden. Die schwedische K-Markierung soll das Bewusstsein für das schwimmende Kulturgut fördern (siehe Beitrag im Klassiker). Mit Thomas Larsson habe ich mich über das Thema auch unterhallten. "Nur so viel wie nötig" ist auch seine Absicht. Dass nicht jeder Kunde damit zufrieden ist und Kompromisse in Bezug auf die heutige Zeit eingegangen werden, versteht sich. Moderne Materialien sind aber häufig nicht besser, sondern nur scheinbar wirtschaftlicher. Seit tausenden Jahren wird Pflanzenöl und Holzteer im Schiffbau eingesetzt. warum sollte es unmodern sein?
Zukunftsweisend ist doch auch, dass sich ein traditioneller Lack leichter entfernen lässt als eine Plastik-Beschichtung.
Kulturgut erfordert vorsichtige Behandlung und Beschränkung auf das Wesentliche, damit wir eine Chance haben, es in Zukunft besser machen zu können.

Gruß Christoph

Re: K-Markierung
geschrieben von: karstenV5O (IP bekannt)
Datum: 30.10.10 15:14

wie die diskussion zeigt, scheiden sich schon im vorwege die geister. epoxy überzug ja/nein...moderne beschläge ja/nein .
..spaxschrauben ja/nein..usw.usw.
ich bin der überzeugung, dass die markierung genau diese diskussion auslöst und dann, sobald die markierung da ist, alle vorgaben wieder in frage gestellt werden. endlos...

eine markierung / gütesiegel wird schon in ihrer formulierung an bedeutung verlieren, da sich die geister in einzelnen punkten teilen. nehmen wir den punkt epoxyüberzug : für mich hat das bei der restaurierung einer klassischen yacht ( achtung ! meine persönliche auffassung ) nichts zu such. vielleicht hat sich der eigner aber entschieden, dass dies für seine yacht technisch und vielleicht auch seinen geldbeutel die richtige lösung ist. das kann ich akzeptieren.

warum soll ich ihm eine markierung , falls diese einen epoxymantel verpöhnt, verwehren ?
gibt es bestimmt auch sachverstänige/ bootsbauer die einen epoxyüberzug gutheißen..
oder soll die markierung , wir haben uns alle lieb, beides erlauben ? dann ist das doch wischi-waschi...

die wahrheit kann doch auf jedem klassiker treffen bestaunt werden. durch die verschiedenen foren/ restaurierungs-seminare / berichte und "small-talk" am steg kann jeder seinen eigenen standard finden. schrecklichste auswüchse habe ich noch nicht gesehen.

wir brauchen keine plakette einführen ,die uns in klassengesellschaften teilt.


grüße, karsten

p.s. schleife momentan 8 holzblöcke, meine finger sehen aus wie abgeknabbert...vielleicht kaufe ich mir nächstes jahr moderne, vielleicht....vielleicht auch nicht !


Re: K-Markierung
geschrieben von: Laithy (IP bekannt)
Datum: 23.12.10 18:19

Moin,
bloß keine Plakette!
Das ruft nur Bürokraten auf den Plan. Schnell werden dann Regeln gemacht, mit denen sind dann nicht alle einverstanden, es bildet sich ein Gegenlager und im schlimmsten Fall nimmt der Gesetzgeber es plötzlich ernst mit der Kulturgutpflege und regelt das ganze per Gesetz mit entsprechenden Gebühren und / oder Steuern ...

neee- is gut so wie das is

Diejenigen die keine Ahnung haben staunen: OHHHH, schöne alte Boote...
Die, die Ahnung haben freuen sich das sie ein bischen exklusiv sind und trotzdem alle Freiheiten haben die man sich heute noch so vorstellen kann.

Was gut, erlaubt,praktisch und zum Klassiker passt oder auch nicht, regeln wir doch heute schon unter uns - oder?

Fröhliche Weihnachten wünscht

Laithy

"so jung sehen wir uns nie wieder...."

Re: K-Markierung
geschrieben von: Bodenseegler (IP bekannt)
Datum: 26.12.12 21:10

Servus miteinander,

erlaube mir, an dieser Diskussion teilzunehmen, nachdem mich der Artikel von Erdman Braschos, der dieses Thema im letzten Klassiker beleuchtet, nachdenklich gemacht hat.
Dazu ein kleiner Rückblick:

Ich habe vor dreissig Jahren mein erstes Boot renoviert. Nicht restauriert!
Meine erste richtige Kindheitserinnerung an Segelboote ist ein Blick auf den Bodensee unter einer Weide hindurch auf ein Feld von - vermutlich Schärenkreuzern ...
Faszination läßt einen nie wieder los.
Männer wissen, wovon ich rede.

So war die Entscheidung, den einschlägigen Beruf zu erlernen, logisch.
Daß wir in der Werft laufend neue Schiffe traditionell in Holz bauten, war kein Nachteil.
Wo gab es das Anfang der 70er noch!
Plastik, Tschuldigung, GFK als Baumaterial stand kurz vor seiner explosionsartigen Verbreitung und brachte besonders dank der Visionen der Dehlers, den Henry Fords des Wassersports, die exklusive Freizeitbeschäftigung einer größeren Bevölkerungsschicht nahe.

Da stand also auf einmal diese heruntergekommene Jolle bei uns in der Werft und es gelang mir, das Ding zu erstehen. Lang, schmal, niedrig und genietet. Was süchtig machte, war der Geruch, den ich auch nie aus all meinen Schiffen rausbrachte, und das war gut so.
Im Kopf hatte ich bei ihrem Anblick ein Bild aus einer früheren Yachtrevue, den Florian vom Chiemsee in einem Bericht über Z-jollen. Mein Boot war zwar kürzer, aber was solls.

Die heute originalgetreu restaurierte Z 333, während meiner Schulzeit Fixpunkt bei vielen sehnsüchtigen Blicken auf den See, sofern bei ihrer Geschwindigkeit von Fix und Punkt überhaupt die Rede sein konnte, war sie ja immer das schnellste weisse Dreieck, das über das Wasser glitt, war von der Bildfläche verschwunden, sie sollte erst viele Jahre später, in meinen Augen irreparabel, unbeachtet(?) an einer Durchzugsstrasse auf Sammy Smits warten.

Die Baubestimmungen waren sehr frei, hieß es, und da sollte ich das Böötchen schon reinbringen. Alles was ich an anderen Jollen als überholt ansah, wollte ich besser und vor allem anders machen. Es sollte länger halten und stärker werden.

Formverleimen kannte ich vom Hörensagen als Nonplusultra und brachte mir bei, auf den Rumpf zwei Schichten wunderschönes Mahagonifurnier diagonal draufzukleben. Dann entfernte ich nach dem Deck alle eingebogenen und meist morschen Spanten zwischen Kiel und Balkweger, furnierte ein Lage quer und laminierte Spanten in größeren Abständen hinein, baute einen Doppelboden ein und mit einem neuen Deck war das Boot fertig, grob gesagt ... und wie neu.
Rigg von einem Star angepasst, Beschläge von Harken, als einzige Verbindung zur Vergangenheit spendete ich mir eine sehr seltene Klappklampe von Tilikum, Genf.
Ach ja, der originale Ruderkopf und das alte Alublatt beidseitig mit Schaum beklebt und profiliert, sind auch übernommen worden.

Irgendwann war ich so weit fertig, daß ich nichts mehr zu tun hatte als zu segeln. Da mangelte es mir an williger Besatzung, da waren mal zu viele Wellen, zu viel Wind oder gar keiner oder grad keine Lust oder Angst, umzusegeln.

Einige Jahre später fiel zwei besten Freunden eine 6er Segellänge in die Hände, "Pirat", ein schöner v.Hacht von 1906, die konnte wenigstens nicht umkippen. Sie war wie die anderen überlebenden der Klasse in Österreich in der Segelfläche auf 35qm reduziert worden, es segeln aktuell 4 Boote regattamäßig.
Zustand wie beim ersten Boot, Geruch auch.

Wir also mit vollem Elan an zwei Aussenlagen Mahagonifurnier, diesmal quer und eine Längsaufplankung von 5mm tropischer Zeder, wie original. Hat auch richtig Spaß gemacht.
Innen als einzige Konstruktionsverbesserung eine Art Kielschwein zur Aufnahme der Bolzen des neuen, aber in alter Form gegossenen, Bleikieles.
Das originale separate Ruder in Kleeblattform wurde durch ein neues halbelliptisches ersetzt.
Dafür blieb der vermutlich originale Mast nach neuer Verleimung erhalten und wir takelten auf 6 SL zurück. Dazu opferte ich den ehedem selbstgebauten Holzmast für die Rennjolle, er war mir zu schwer geraten, als neuen längeren Großbaum.
Neues Leinendeck, mit Epoxi auf Sperrholz aufgeklebt, neuer Cockpitboden, ein zeitaufwändig verleimter Süll (auf den bin ich heute noch stolz), Holzklampen und -blöcke, verschiedene Beschläge entweder von Dauelsberg oder vom Schlosser in Eisen verzinkt bewahren traditionelles Aussehen bei recht einfachem Handling.
Später machten eine kleine Rollfocktrommel und Genuawinchen mit Unterdeckkurbel die Bedienung noch kräfteschonender.

Insgesamt war das ebenso wie die Rennjolle ein richtig einfach zu unterhaltendes Boot geworden, stabil und sicher trotz altertümlicher Beschläge.
Und eines Tages hatte ich beide Schiffe allein, die ich dann abwechselnd segeln konnte, wenn ich wollte. Tja, dann war wieder der Baum zu niedrig, der Wind zu stark, die Wellen ... - alles klar?

So suchte ich aus meinem Reederleben auszusteigen und bot beide Boote zum Verkauf.
Die Jolle liegt mittlerweile als Z 38 am Tegernsee, die Segellänge steht hoch und trocken schon wieder zum Verkauf, ich konnte sie damals an den Zürichsee abgeben.

Als wir sie wieder zur SL gemacht hatten, sahen wir uns als Pioniere. Als ich auf dem See unterwegs war, war es meist ein traumhaftes Erlebnis. Mein Verkauf war aber ein Glücksfall.
Aus dem Salzkammergut, dem Refugium der Freien 35qm Rennklasse, in die sie reinpasste, wenn wir sie nicht übertakelt hätten, kam kein Interesse.
Daß sie unverkäuflich sein soll ist unverständlich für mich, würde sie jeder Sonderklasse vorziehen.
Immerhin kann sie einfach umgetakelt werden, Vorstag- und Achterstagverankerungen haben wir damals eingebaut.

Bootlos war für mich wie brotlos und mittlerweile altersbedingt bequem geworden, legte ich mir einen Kajüt5.5er Bj.'62 zu. Ja, auch so was gibt's!
Klar, nicht original, ein Drachen war zu klein und die Lacustres sind mir zu teuer, eine Kajüte wollte ich mir aber jetzt gönnen.
Wenn ich schon nicht zum Segeln komme, sollte ich doch ab und zu ein Nickerchen auf dem Wasser machen können.
Auch sie roch nach Geschichte, doch nicht so stark wie die andern.

So habe ich den weissen Rumpf abgelaugt, ausgeleistet, mit Matte und Epoxi überzogen (sorry), geschliffen und gespachtelt wie nie zuvor im Leben. Nie mehr!
Das schlimme selbstlenzende Cockpit habe ich als allererstes rausgesägt und mit größter Befriedigung mittels Traktor zerstört. Dann habe ich einen schönen Cockpitboden aus Teak in der richtigen Höhe zum Süll in den leeren Bereich gebaut. Noch die Schottwand bis in die Bilge verlängert und zum ersten Mal ging ich mit einem nicht fertigen Projekt aufs Wasser.
Im ersten Jahr also stehend oder auf dem Achterdeck sitzend segeln. Keine Nickerchen.

Dann Sitzduchten und Kojen eingebaut, später die Kajüte vorn gekürzt und das Deck ebenso mit Matte überzogen, je eine Unterdeckrollanlage für Toppgenua und Vorstag, neue und ältere Beschläge gemischt. Nickerchen ja, aber auch neue Mannschaft.

Was kümmerten mich Widersprüche wie abblätternde Farbe auf dem Deck zum glänzenden Finish des Rumpfes oder immer noch keine Fensterchen in den Kajütwänden.
Letzten Winter machte ich aus dem schweren, natürlich nicht originalen Alummast, der in grauer Vorzeit viel länger war und einst von zwei Backstagpaaren auf einem anderen Schiff gehalten wurde und beinahe so viele Löcher wie unnötige Beschläge hatte, eine Zierde.
Er wird schon halten, und sonst eben nicht.
Beim Einwassern merkte ich, daß ich den Baum doch glatt vergessen hatte mitzuverschönern.

Dann eben diesen Winter. Die Fockschienen montiere ich heuer auch wieder, nachdem ich mir eine fast neue Lacustrefock als Ersatz für das olympiagestempelte Vorsegel aus den 60ern zugelegt habe.
Mir doch egal, wenn die 5.5er jetzt eine Wendefock setzen, habe mir für unsere leichten Winde eine Genua schneidern lassen.
Sonst schau ich schon auf mögliche Einhaltung der Klassenbestimmungen.
Vieles weitere ist notiert und harrt meiner Lust an der Kompensation zu meiner, dem seligen Willi Dehler sei Dank, rohstoffveränderten Tätigkeit im gleichen Gewerbe.

Natürlich ist die Liste immer gleich lang, egal ob zu Beginn der Weiterbausaison oder ein halbes Jahr später vor dem Einwassern.

Dann die Lese- und Surfabende.
Die erreichbaren Zeitschriften, die die ganze Bandbreite abdecken zwischen Restauration, resp. Wiederherstellung im, sagen wir, nordischen Sinne, also am liebsten so wie zur Bauzeit mit darauf folgender ebenso aufwendiger Instandhaltung, sowie Beibehaltung der Originalität und dem geografisch südlicher angesiedelten Pragmatismus, der sich in erster Linie an der Wiederherstellung der Form orientiert und möglichst alle neuen Technologien einsetzt, um endlich das letzte aus den Linien der großen Konstrukteure herauszuholen.
Wobei ich kaum einen Kostenunterschied sehen kann. Das was nördlich erst billiger ist, kommt im Lauf der Zeit ebenso teuer wie der südliche Weg.

Wenn ich dann im Tripledoublejuh surfe, Videos und Bilder beider Weltanschauungen betrachte, die hochgerüsteten 35er und Sonderklassen in unserem mondänen Salzkammergut, das Promovideo der 5.5er, Neuaufbauten mit minimalen Resten alter Yachten, archaische Restaurationen andrerseits, alte Schwarzweißfilme mit riesigen Mannschaften auf alten Schwänen...
Ach, und wenn ich an meinen letzten Besuch bei Sammy S. denke, der grad wieder eine Zwanziger erneuert und schnell macht, daß mir das Wasser im Mund zusammenläuft, da fällt mir nur das Phänomen ein, das in allen Gemeinden grassiert:
Fängt einer an, die Fassade seines Hauses zu verschönern, sind bald die meisten der Häuser in der selben Strasse auch wieder adrett anzuschauen.

Es zieht uns aufs Wasser, weil wir Freiheit suchen, lassen wir doch die Finger von Einschränkungen
und erfreuen wir uns an der Vielfalt der Möglichkeiten, das Vergangene zu bewahren, zu nutzen und Spaß daran zu haben.

Schöne Grüße von einem, der's auch nicht besser weiß,
Karl





2 mal bearbeitet. Zuletzt am 26.12.12 21:35 von Bodenseegler.

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