Anmerkungen zum Kaufpreis klassischer Yachten

Am "Klassiker-Markt“ werden für die hinsichtlich Alter, Größe, Zustand, Herkunft usw. sehr unterschiedlichen Schiffe alle möglichen Preise erzielt – von geschenkt bis astronomisch. Das hilft uns zunächst nicht weiter, es stellen sich jedoch eigentlich bei allen Kaufverhandlungen immer wieder die berechtigten Fragen
„Was ist denn das Objekt tatsächlich wert?“ oder „Wieviel darf ich dafür höchstens bezahlen (ohne von den vielen „Experten“ auf diesem Gebiet oder auch der Familie für wahnsinnig erklärt zu werden)?“.

Absolute und richtige Antworten auf diese Fragen erwartet zu Recht sicherlich niemand, aber es gibt doch einige Anhaltspunkte, wie ein Kaufpreis letztlich zustande kommt. Er gehorcht auf jeden Fall den Gesetzen des freien Marktes nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Beides verändert sich mit der Zeit in einem leider nicht voraussehbaren Auf und Ab. Viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle: Allgemeine Wirtschaftslage, gewisse Trend- und Modeerscheinungen, Darstellung der Klassiker in den Medien, Verfügbarkeit usw.. Für das einzelne Objekt bedeutet dies, dass nicht nach einem absoluten Wert zu fragen ist, sondern nach einem angemessenen aktuellen Marktwert. Der muss allerdings nicht zwangsläufig dem tatsächlichen Verkaufspreis entsprechen, weil gerade bei den klassischen Yachten und Booten aufgrund ihrer extremen Individualität (jedes Stück ein Unikat) die besonderen Gegebenheiten und Umstände zum Zeitpunkt des Angebots unberechenbar sind. Sind beispielsweise gerade zu dieser Zeit keine Käufer vorhanden, die ein entsprechendes Schiff suchen und auch den geforderten (angemessenen) Preis zahlen würden, muss entweder gewartet werden oder der Preis so weit reduziert werden, dass neue Käuferkreise angesprochen werden. Andererseits können manchmal für Schiffe, die gerade voll im Trend liegen, weil sie „in“ sind und möglicherweise in den Medien sehr herausgestellt wurden, deren Verfügbarkeit aber sehr begrenzt ist, höhere Preise erzielen, als das relativ kurze Zeit vorher oder nachher möglich wäre.

Die folgende Aufstellung in Form einer Checkliste nennt einige Kriterien und Eigenschaften von klassischen Yachten und Booten, die sich tendenziell auf den Kaufpreis auswirken. Die Wertigkeit der einzelnen Punkte hängt natürlich sehr vom jeweiligen Betrachter ab, ebenso letztendlich die persönliche Entscheidung, ob einem selbst das Objekt der Wahl den geforderten Preis wert ist. Jeder beschäftigt sich wohl mehr oder weniger intensiv mit Alternativen. Aber wie wir alle wissen, sind einige Entscheidungen eben irrational und eher vergleichbar mit denen, wie sie auch im zwischenmenschlichen Bereich getroffen werden – wo die Liebe hinfällt ...

Tendenztabelle

Niedrigerer Preis / Höherer Preis

  • Wenig bekannter Konstrukteur, wenig bekannte Werft (hier jedenfalls)

Renommierter Konstrukteur; bekannte, renommierte Werft

  • Geschichte und Voreigner des Schiffes wenig bekannt oder unbekannt

Geschichte, Unterlagen, Pläne bekannt und vorhanden

  • Keine besondere Bedeutung, keine oder wenig Erwähnung in Quellen und Veröffentlichungen

Größere Bedeutung, Bekanntheit, Teilnahme an herausragenden Ereignissen, viele Erwähnungen

  • Verschiedene vergleichbare, ähnliche Schiffe vorhanden

Alternativen „einzigartig“

  • Keine Regattaerfolge (wichtig bei Rennyachten und Regattabooten)

Regattaerfolge vorhanden

  • Vergleichsweise langsamer Vertreter des Typs

Bessere Segeleigenschaften als durchschnittlicher Typ

  • Minderwertigere, bzw. unbeständigere Materialien, z.B. Bolzen und Beschläge aus Stahl, Holzarten

Höherwertigere Materialien

  • Im Laufe der Zeit umgebaut, verändert

Näher am Originalzustand

  • Wenig Originalsubstanz und Originalteile erhalten

Viel Originalsubstanz

  • Nicht authentische Restaurierung, starke Abweichung von Baumethoden, viel „fremde“ Materialien (z.B. Alumast statt ursprünglich Holz)

Originalgetreuere Restaurierung, traditionelle Methoden, Materialien

  • Entfremdung von ursprünglicher Erscheinung

Erhaltung des Erscheinungsbildes

  • Wenig fachmännisch repariert, restauriert und erhalten, „Pfuschecken“

Fachmännische Unterhaltung, Reparatur nachvollziehbar

  • Kostspielige, aufwendige Arbeiten und Reparaturen noch zu erwarten, z.B. Kielbolzen, Kiel, Spanten, Planken, Deck, Motor

Entsprechende Arbeiten bereits fachmännisch durchgeführt oder nicht erforderlich

  • Reparaturen und Restaurierung nicht dokumentiert

Dokumentiert (beschrieben, Fotos)


Interessanterweise scheint die Frage nach vorhandenem Zubehör und Ausrüstung bei den Klassischen Yachten wesentlich untergeordneter zu sein, als etwa bei Serienkunststoffbooten. Während bei diesen neben dem Pflegezustand und dem Alter die Ausrüstung unmittelbaren und z.T. erheblichen Einfluss auf den Kaufpreis hat, sind die vielen oben genannten und zusätzlichen Kriterien für die Klassiker weitaus dominanter.Enno Thyen