3. Grünhagen-Cup mit Rekordbeteiligung oder: Die glorreichen Sieben
Am letzten August-Wochenende wurde auf der Weser oberhalb des Wehrs zum dritten Mal der Grünhagen-Cup, die inoffizielle Meisterschaft der Weserjollen, ausgetragen.
Am letzten August-Wochenende wurde auf der Weser oberhalb des Wehrs zum dritten Mal der Grünhagen-Cup, die inoffizielle Meisterschaft der Weserjollen, ausgetragen.
Wie schon im letzten Jahr stellte der Oberweser-Segel-Verein (OSV) seinen Hafen als Ausgangsbasis zur Verfügung, dieses Mal ergänzt um eine richtige Regattabahn mit Start- und Ziellinie, Wendemarken und Regattaleitung. Dafür hier schon mal ein großes Dankeschön!
Doch nicht nur die organisatorischen Rahmenbedingungen wurden im Vergleich zum Vorjahr erheblich verbessert, auch die Beteiligung war annähernd doppelt so hoch: Insgesamt sieben gaffelgetakelte Schönheiten vom Reißbrett Ferdinand Grünhagens gaben sich im idyllischen Hafen des OSV unter rauschenden Bäumen ein Stelldichein: die beiden dort beheimateten Sechseinhalber TUULIKKI (K95) und CUMULUS (V429), beide in dieser Saison das erste Mal seit Jahren wieder im Wasser, brauchten für´s Gruppenfoto nur im Hafen den Liegeplatz zu wechseln. Auch K129 KUMPEL, von Anfang an beim Grünhagencup dabei, hatte aus Hemelingen keine weite Anreise. Immerhin durch die Wehrschleuse mussten STINT und FORELLE vom Segelverein Weser am Weserstadion. Bereits am Mittwoch hatte K48 HOL DI NICH UP vom Weser Yacht Club in Lemwerder die Passage unter den Brücken Bremens absolviert. 743 ÄLSKLING vom Steinhuder Meer schließlich machte die Glorreichen Sieben komplett.
Trotz 5-6 Bft., in Böen auch schon mal 7, ging es am späten Samstagvormittag zum ersten Rennen auf die Bahn. Teils unter doppelt gerefftem Groß zeigten die 70 bis 80 Jahre alten Kielschwertjollen, daß sie hervorragende Schwerwetterboote sind. Angesichts der aber doch nicht unerheblichen Belastung für Mensch und Material wurde das Rennen nicht unnötig ausgedehnt und es blieb bei einer Kreuz flußaufwärts bis zur ersten Wendemarke am Korbhaus und dem anschließenden Downwind-Törn, abgeschlossen mit einer Mini-Kreuz von der zweiten Wendemarke im Lee der Start- und Ziellinie ins Ziel. Das Rennen machten HOL DI NICH UP und ÄLSKLING unter sich aus, wobei ÄLSKLING bis zur ersten Wendemarke knapp führte, direkt an der Tonne aber von der Konkurrentin überholt wurde, die die – weiterhin äußerst knappe – Führung bis ins Ziel nicht mehr abgab. Zu ÄLSKLINGs Ehrenrettung sei angemerkt, dass sie das Rennen einhand bestritt, was bei derartigen Windverhältnissen sicher ein gehöriges Handicap ist.
Das zweite Rennen entschied CUMULUS für sich, wobei einige der Konkurrenten die Segelanweisungen wohl nicht richtig mitgeplottet hatten und sich regelrecht „versegelten“.
Nichtsdestotrotz war der Vorsprung des Lokalmatadors so groß, dass hier getrost von einem ungefährdeten Start – Ziel – Sieg gesprochen werden kann.
Nachdem der Samstag bei einer gemütlichen Grillrunde ausgeklungen war, stand am Sonntag wieder Leistungssport auf dem Programm. Wieder mussten doppelte Reffs eingesteckt werden, und auch der Kurs glich dem des ersten Rennens. Bei soviel gleichen Bedingungen wundert es nicht, dass das Rennen auch wie das erste ausging. Zwar fuhr ÄLSKLING diesmal mit kompletter (Mindest-)Besatzung, dafür hatte aber HOL DI NICH UP den Skipper und Eigner von KUMPEL für die Vorschot angeheuert, mit dem dieser Posten mit einem Segler besetzt war, der wußte, „wie ein Steuermann die Wende fahren will“ – was konsequenterweise zu einer dauerhaften Führung von ein bis zwei Bootslängen reichte und HOL DI NICH UP den Gesamtsieg und damit die Trophäe in Form des Halbmodells einer Grünhagenjolle sicherte.
Alle Boote schlugen sich wacker, besonders die Fünfeinhalber des SVW, die trotz technischer Probleme aufgrund von Materialüberbeanspruchung immer wieder an den Start gingen. Dieses Jahr leider noch nicht dabei war die Stahlweserjolle UKIYO, die aber nach mehrjähriger Restaurierung im nächsten Frühjahr endlich wieder in ihr Element soll.
Text & Fotos: Alexander Skalicky