6. Müritz Klassik Holzbootregatta


Der Warener Seglerverein e.V. lud auch in diesem Jahr zur Müritz Klassik Holzbootregatta
ein. Manfred Jacob berichtet, mit Bildern von Frank Bauer.


Insgesamt gingen am 20. und 21. Juni 14 Holzboote in zwei Wertungsgruppen an den Start: fünf Jollen sowie acht Jollenkreuzer und Kielboote, darunter ein Folkeboot. Leider konnten die angekündigten Kutter nicht teilnehmen.

Gesegelt wurde auf der Binnenmüritz direkt vor den Toren der Stadt Waren. Das Revier präsentierte sich von seiner besten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein, sommerlichen 26 Grad und Winden um 2 bis 3 Beaufort herrschten an beiden Wettfahrttagen ideale Segelbedingungen. Das etwa drei Kilometer lange und bis zu zwei Kilometer breite Revier bot abwechslungsreiche Verhältnisse.

Am ersten Wettfahrttag wurden drei Rennen auf einem klassischen olympischen Dreieckskurs gesegelt. Eine besondere Bereicherung des Jollenfeldes war die Teilnahme der österreichischen Z-Rennjolle BEKASSINE II vom UYC Mondsee, Baujahr 1938. Steuermann Reinhard Carli war gemeinsam mit Eigner Christian Bosecker und Thomas Gitter an die Müritz gereist. Gesegelt wurde mit Doppeltrapez – das bedeutet, dass zeitweise zwei Crewmitglieder gleichzeitig außenbords im Trapez stehen.

In der Jollenwertung entwickelte sich ein spannender Zweikampf zwischen der J-Jolle FRAM von Manfred Jacob aus Hamburg, Marek Jacob und Udo Lang sowie der österreichischen Mannschaft. Beide Teams beendeten die Regatta punktgleich. Bemerkenswert dabei: Beide Jollen stammen aus der Feder des renommierten Berliner Yachtkonstrukteurs Reinhard Drewitz. Aufgrund des Sieges in der letzten Wettfahrt setzte sich die Crew der FRAM jedoch knapp durch und sicherte sich den Gesamtsieg.

Dahinter folgten Eckhard Scheufler und Jörn Wollenzin auf ihren 12-Fuß-Dinghys sowie Hans-Peter Konow vom Barther Bodden auf seinem Piraten.

Besonders herausfordernd war die Langstreckenwettfahrt am Sonntag. Der Kurs führte bis vor Klink und hinaus auf die Große Müritz. Wie vom Wettfahrtleiter vorhergesagt, war dort zunächst kaum Wind zu sehen. Allein die Thermik sorgte zeitweise für ausreichenden Vortrieb. Auf dem Rückweg durch den „Hals“ verlangten kräftige Winddreher und Fallböen den Crews noch einmal alles ab.

Acht klassische 20-m²-Jollenkreuzer sowie ein Folkeboot boten den Zuschauern ein eindrucksvolles Bild traditioneller Segelboote mit Kajüte auf der Müritz. Wilfried Ahrend mit Crew Thomas Böcker und Thomas Blasius, segelte mit seiner SAILOR souverän zu drei Wettfahrtsiegen und sicherte sich damit den Gesamtsieg in seiner Wertungsgruppe. Zweiter wurde Tobias Lux mit MIN BEST, mit an Bord Robert Schiddel und Tilmann Frick.


Alle Ergebnisse auf manage2sail


Der WSV liegt idyllisch am Waldrand direkt am Wasser. Die Jollen sind in historischen Reihen-Bootsschuppen untergebracht, die an die bekannten Anlagen in Schwerin erinnern. Viele Teilnehmer nutzten die große Uferwiese zum Zelten und genossen die besondere Atmosphäre des Vereinsgeländes.

Besonders hervorzuheben sind die hervorragende Organisation und die herzliche Gastfreundschaft des WSV. Dank an den Wettfahrtleiter und WSV-Vorsitzenden Guido Ecks und seine engagierte Crew! Sie sorgte an Land und auf dem Wasser für einen reibungslosen Ablauf. Die familiäre Atmosphäre und die Hilfsbereitschaft aller Beteiligten trugenwesentlich zum Gelingen der Veranstaltung bei. Die Teilnehmer waren sich einig: Von dieser schönen Regatta muss man weitererzählen und im kommenden Jahr möglichst noch mehr klassische Holzboote an die Müritz bringen.

Auch das gesellige Beisammensein kam nicht zu kurz. Beim gemeinsamen Grillabend unter dem großen Schattendach wurden die Erlebnisse des Tages ausgetauscht. Jeder Eigner erhielt die Gelegenheit, die Geschichte seines Bootes vorzustellen. Als das Alter der 102-jährigen FRAM genannt wurde, ging ein anerkennendes Raunen durch die Runde. Auf die Frage nach noch älteren Jollen verwies Manfred Jacob stolz auf die ebenfalls in seinem Besitz befindliche J-Jolle WOGE, die auf der Elbe gesegelt wird und inzwischen 104 Jahre alt ist.

Anschließend verfolgten viele Teilnehmer gemeinsam das Fußballspiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste auf einer Großleinwand. Ein erfrischendes Bad in der mit 19 Grad noch angenehm kühlen Müritz setzte schließlich den Schlusspunkt unter ein rundum gelungenes Regattawochenende.

Die Warener Holzbootregatta hat einmal mehr gezeigt, wie lebendig die klassische Holzbootszene auf den Binnenrevieren ist und mit welcher Begeisterung die Gemeinschaft der traditionellen Segler gepflegt wird.

Manfred Jacob

J-Jolle „FRAM“

Fotos: Frank Bauer