Frühjahrstreffen der Weserjollen-Eigner und -Freunde
Am 22.März trafen sie sich im Segelverein Weser. Bernd Metz berichtet, mit historischen Bildern und Auszügen aus einem Vortrag von Alexander Skalicky.
Am 22.März trafen sie sich im Segelverein Weser. Bernd Metz berichtet, mit historischen Bildern und Auszügen aus einem Vortrag von Alexander Skalicky.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen hatte Alexander Skalicky, selbst Eigner einer 6,50m Kielschwert Weserjolle, im Klubraum des Vereinshauses zu einem Bildvortrag eingeladen. In der Regel kreisen die Gespräche unserer Treffen um die Grünhagen Weserjollen, doch Alex hatte sich in die Materie vertieft, recherchiert und Merkmale der Revierklassen herausgearbeitet.
Im Nachfolgendem können nur Ausschnitte aus seinem aufschlussreichen und interessanten Vortrag wiedergegeben werden.
Vom Kleinseglerverband und späteren DSV wurden für das Weserrevier schon früh Bauvorschriften für Weser-Klassenboote in Klinker- bzw. Karweel-Beplankung herausgegeben. Bei der Klassifizierung wurden die Jollen nach Segelfläche eingestuft, aber auch bei den Längen- und Breitenangaben gab es klare Regeln. Diese Bauvorschriften und erweiterten Baubestecke galten in erster Linie für Schwertjollen, aber in der Folge auch für Kielschwertjollen.
Der Konstrukteur Ferdinand Grünhagen war Mitglied des SVW und seine Erfahrungen auf dem rauen und Tiden abhängigem Revier spiegelten sich in seinen Rissen und Materialien, seiner seit 1907 bis 1953 gezeichneten Jollen wieder und ermöglichten ein händiges und trockenes Segeln. In Anlehnung an diese Vorgaben wurden auch von anderen Konstrukteuren , wie Emil Naupert, Henry Rasmussen, Horst Seydler, L.Dinklage und andere, Jollen für das Weser-Revier entworfen.
Auch die Bootswerften hatten sich dem Aufschwung und der Entwicklung des Wassersports angepasst. Neben den uns geläufigen Werften, wie Rohde, de Dood, Lühmann, wurden u.a. Schwers, Wrede, Naupert, und Fassmer genannt. Von den Etablierten machte auch A&R Werbung für Weserjollen und aus dem Archiv der Lürssen-Werft ist zu erkennen, dass viele Weserjollen, verstärkt in den 20er und 30er Jahren, hier gebaut wurden.
Alex hatte dazu viele historische Fotos gezeigt. Bei den Jollen-Bildern konnte man sehr deutlich die unterschiedlichen Spant- und Längsrisse, sowie Rig- und Segelformen erkennen. Wobei die Gaffeltaklung überwog. Anfangs ragten die Großbäume über das Heck des Bootes hinaus, später wurden diese kürzer und die Gaffelbäume dafür länger und steiler. Auch die Regeln für Segellatten wurden mit der Zeit angepasst, zuerst waren nur kurze Latten vorgesehen, dann die drei obersten durchgängig und später alle auf volle Segelbreite, oder kürzer, erlaubt. Die fächerförmige Anordnung der oberen Segellatten bei den Jollen erleichterte auch das Auftuchen der Segel, ohne dass die Latten gelockert bzw. herausgezogen werden mussten. Das eingeführte hölzerne Vorstag dient der Stütze des Mastes bei gaffelgetakelten Booten, da diese ja kein Achterstag fahren können.
Die Vorgaben und Regeln sind nicht nur für die Konstrukteure und Bootswerfen bindend, diese müssen auch von den Eignern beachtet werden, wenn sie an Regatten teilnehmen wollten. Leider sind viele dieser Weser-Revierklassen Boote durch die Kriegswehen verloren gegangen, daher ist es umso erfreulicher, das von den Grünhagen Kielschwert Weserjollen aus den 40er und 50er Jahren zwei Fünfeinhalber des SVW und die meisten von den elf erfassten 6,50m Booten noch an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen.
Die Eigner dieses Bremer Kulturgutes haben sich zur Aufgabe gemacht, diese Preziosen zu pflegen und zu erhalten.
Bernd Metz