German Classics 2026


Von Groß bis Klein und Alt bis Jung - Tommy Loewe berichtet vom Wochenende in Laboe, mit Bildern von Ekke Erben


Die komplette Bilderstrecke von Ekke Erben

Nur ein 12er war gekommen und das auch noch mit gekapptem Mast. Die HETI, ein First Ruler von 1912, von Max Oertz gezeichnet und gebaut, hatte sich einige Tage vorher mit dem riesigen Gennaker die Toppstenge abgerissen. Zum Glück ist niemandem etwas passiert und auch ohne Toppsegel ist sie eine beeindruckende klassische Rennyacht, die sehr gut gesegelt wird und immer wieder mit interessierten SeglerInnen besetzt wird.

Glückliche HETI-Crew

Das Gleiche gilt für die imposante Spreizgaffelketsch SENTA, gebaut 1928 bei HDW, ebenfalls ein Oertz-Riss. Im Besitz der Familie Schmidt aus Bremen seit 1933 und inzwischen gesegelt von der 5. Generation. Besatzung: Familie und Freunde, immer offen und gut gelaunt mit Familienoberhaupt Holger Schmidt an Bord, erkennbar am Strohhut.

SENTA in voller Fahrt

Der 2. Zweimaster der German Classics war die Yawl HERTA, eine Abeking & Rasmussen Yawl von 1923 und neben HETI und SENTA mit etwas über 10m Länge eher ein kleines Bötchen.

A&R-Yawl HERTA unter Vollzeug

Die Hansajollen sind aber die richtigen Winzlinge dieser Veranstaltung. Immerhin 5 Boote kamen direkt vom Deutschland-Pokal am Wolfgangssee. Mit nur 5.85 m sind sie richtige Tourenboote für 2 Leute mit großer Lust auf Regattasegeln und gemeinsamen Feiern.

Hansajolle STERNCHEN

In ihrer Gruppe fuhr dann auch Holger Rieck mit seinem offenen 15er Jollenkreuzer ACHNEEDOCHNICH. Mit knapp 80 einer der Oldies, fehlt er auf keiner Veranstaltung. Der älteste Teilnehmer konnte aber mit 94 Jahren, davon über 80 unter Segeln glänzen: Hans Roland Heller mit der 6 KR Yacht ARIEL.

Schön auch die drei Generationen auf dem 20er Jollenkreuzer ANNA, Vater und Opa Frederik, Sohn Christian und Tochter / Enkelin vereint in einem Boot.

Drei Generationen auf einem Boot

Dazu kamen noch einige Folkeboote, Mälars (eine Art Schärenkreuzer) 5, 6 und 7KR und 8mR-Yachten.

Eine neue Gruppe kristallisiert sich heraus: Zur Gründung des FKY noch fast neu und nicht teilnahmeberechtigt, gibt es jetzt immer mehr IOR und ähnliche Yachten in Holz gebaut, aus den 60er und 70er Jahren. Die größte ist allerdings die auf der Fischkutterwerft Bierritz an der Nordseeküste gebaute FREYA, ein van-de-Stadt-Riss von 1982 mit stattlichen 16,30 m Länge. Diese Gruppe wird unter „Neo-Klassiker“ zusammengefasst.

IOR-Yacht ANÄIS unter Spi

Insgesamt waren 55 Klassiker gemeldet, gestartet sind bei bestem Wetter, Sonne und 3-4 Bft. aus West am Samstag nur 47 zur Langstrecke Richtung Stollergrund. Am Freitag zu den 2 Dreiecken in der Strander Bucht waren es immerhin 35 Boote in 4 Starts.

Es gab Zeiten, da konnte man von Boot zu Boot den Laboeer Hafen überqueren, das war zu Anfang der 2000er Jahre, da boomte die Klasse. Inzwischen werden die alten Holzboote weniger und die EignerInnen älter. Viele haben keine Lust mehr auf Trubel und Regatta-Segeln. Doch es gibt Licht am Horizont: Auf vielen Schiffen sieht man junge Gesichter.

wie gemalt: Abendstimmung in Laboe

Einen Restaurierungspreis gab es auch, den kupfernen Teekessel für den Wiederaufbau des 45ft. Bermuda Cutters ST.SAMPSON, 1954 auf Guernsey von Paul Dorey gebaut und gezeichnet und bei dem Herbststurm 2023 in Massholm zerstört. Die beiden Eigner Sebastian Ohrndorf und Armin Keller haben ihn mit viel Aufwand in eineinhalb Jahren wieder restauriert und zur German Classics an den Start gebracht.

Die St. SAMPSON-Crew, FKY-Juroren und der Kupferkessel

Das Wettfahrtteam um Markus Boehlich vom SVAOe hat wieder beste Arbeit geleistet, nur einmal funktionierte die Pistole nicht, da zählen die Flaggen, das war schon immer so.

Die Startschiff-Crew hat auch Spaß

Auch das Landprogramm ließ nicht zu wünschen übrig. Frühstück und Abendessen für etwa 200 hungrige Mäuler und in Verbindung mit dem Hafenfest viele kleine Buden wie dem kleinen Café Citroën wo es den besten Capuccino gibt. Auch das Musikprogramm war super von Anfang bis Ende, von Gitarren Folkrock von Kavanagh und Kowalski bis zu knackigem Funk von B-Connected.

Eine rundum gelungene Veranstaltung dank des FKY-Orgateams der German Classics um Niko von Bosse - wir freuen uns aufs nächste Jahr.

Tommy Loewe

Alle Fotos: Ekke Erben