OPEN HARBOUR – Eine erste Entscheidung


Wir wollen bekanntlich einen kulturellen Bildungs-und Handwerkerstandort zum Thema Segelsport und Holzbootsbau als OPEN HARBOUR in Kiel verwirklichen - verbunden mit starken Initiativen zur Entwicklung der Stadtteile in touristischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht sowie zum Schutz der Meere und deren nachhaltiger Nutzung. Hintergrund ist das aktuelle Verfahren zur Nachnutzung des Geländes des ehemaligen British-Kiel-Yacht-Club.


Im Juli haben wir unsere 40seitige Bewerbung mit allem formalen Tam-Tam abgegeben, Ende August fand die finale Präsentation vor der Jury statt. Unsere Erwartung als Verein: Die Stadt gibt dem zivilgesellschaftlichen Engagement, das sich durch Freiwilligkeit, fehlende persönliche, materielle Gewinnabsicht und eine Ausrichtung auf das Gemeinwohl auszeichnet, eine Chance.

Eine erste Entscheidung ist nun gefallen. Mit Bestürzung haben wir von dem Ergebnisprotokoll über die Sitzung der Vergabekommission Kenntnis genommen, wonach für unser Konzept nicht einmal eine Anhandgabe erfolgen soll. Stattdessen soll im wesentlichen ein gewerbliches Konzept einer Firma aus dem Yachtservicebereich verwirklicht werden.

Link: Ergebnisprotokoll über die Sitzung der Vergabekommission

Zumindest drei Gesichtspunkte zeigen deutlich, worauf unsere Verwunderung / Bestürzung angesichts der Protokoll-Lektüre fußt.

- Entwicklung eines musealen Bildung-und Handwerksstandortes

Nach dem Text der Auslobung geht es um die Entwicklung eines „musealen Bildung-und Handwerksstandortes zum Thema Segelsport und Schiffsbau“ . Nach der Entscheidung der Vergabekommission wird es uns jedoch negativ angerechnet, dass die zukünftige Identifikation des/der Einzelnen mit dem Ort überwiegend über die Nutzung des Kulturguts „klassische Yachten“ erfolgen wird. In anderen Bewerbungen fehlt jeder museale Bezug.

- Finanzierung

Soweit es in unserer Bewerbung heißt, eine Minderheitsbeteiligung der Landeshauptstadt Kiel an der Betreibergesellschaft sei „wünschenswert“, wird uns unterstellt, es sei beabsichtigt, Finanzierungsbedarfe in Teilen auf die Ausloberin zu übertragen. Hierfür ergibt sich in unserem Finanzierungskonzept keinerlei Anhaltspunkt.

- Abriss von Gebäuden

Unsere Bewerbung soll nach Auffassung der Vergabekommission schließlich deshalb ausgeschlossen werden, weil sie die vorgesehenen Abrisse von dem Bürogebäude und Teilabriss von dem zentralen Blau-weißem Gebäude nicht berücksichtigt. Die Abrisse sind jedoch auch nach dem Struktur-und Entwicklungskonzept der Landeshauptstadt Kiel kein Selbstzweck, sondern sollten nur erfolgen, um eine durchgehende Wegeverbindung am Ufer sicherzustellen. In der Auslobung wird nur die Öffentliche Promenade als zwingend dargestellt. Unser Konzept hat hierfür einen alternativen Vorschlag entwickelt, den die Vergabekommission überhaupt nicht erwähnt, geschweige denn berücksichtigt. Hintergrund unseres Vorschlages sind Nachhaltigkeitsaspekte, die dem Bewertungskriterium Ökologische Nachhaltigkeit folgen sowie baurechtliche Erwägungen.

Der Neubau von Büro- und Kantinengebäude (teilweise) ist nach unserer Auffassung und unserer Kalkulation nur durch rein gewerbliche Nutzungen zu erreichen. Mit der Bevorzugung einer solchen Konzeption weicht die Landeshauptstadt Kiel von ihren eigenen Bewertungsvorgaben – soziales Miteinander und ökologische Nachhaltigkeit – ab, um einem gewerblichen Investor die Refinanzierung dieser Gebäudeneubauten zu ermöglichen.

In einem Schreiben an das Verfahrensmanagement der Stadt Kiel haben wir nun die Erwartung formuliert, dass im Lichte unserer Kritikpunkte nochmals in die Bewertung der Konzepte eingetreten werde.