Restaurierungsseminar in Kempen
Am 14.03.2026 fand bei der Bootswerft Funger in Kempen am Niederrhein ein eintägiges Restaurierungsseminar statt. Ein Bericht und Fotos von Julia Biermann.
Am 14.03.2026 fand bei der Bootswerft Funger in Kempen am Niederrhein ein eintägiges Restaurierungsseminar statt. Ein Bericht und Fotos von Julia Biermann.
Es nahmen 13 Interessierte aus NRW und darüber hinaus teil, die sich für den traditionellen Holzbootsbau und dessen Erhalt begeistern und diese Leidenschaft aktiv weiterentwickeln möchten.
Christopher Funger, Inhaber der Werft, sein Bruder und Bootsbaumeister Sebastian Funger, sowie der sehr engagierte Auszubildender Theo führten durch den Tag und ermöglichten vielfältige Einblicke ins Handwerk. Mit viel Herzblut, großer Sorgfalt und Geduld – und vor allem auf absoluter Augenhöhe – wurden praktische und individuelle Tipps für die eigenen Boote ausgetauscht.
Zu Beginn des Seminars erläuterte jeder seine Interessen, sowie offenen Fragen rund um den Holzbootsbau und die Restaurierung. In lockerer Atmosphäre – bei Brötchen und Kaffee – lernten sich die Teilnehmenden kennen. Schnell entwickelte sich ein intensiver Austausch, bei dem deutlich wurde, wie viel Leidenschaft und Motivation in der Gruppe steckte.
Im Anschluss begann der praktische Teil des Seminars. Einer der Schwerpunkte lag auf dem Dämpfen und Biegen von Eichenspanten. Dabei lernten die Teilnehmenden nicht nur den praktischen Ablauf dieser traditionellen Technik kennen, sondern erhielten auch wertvolle Informationen zur Auswahl geeigneter Holzarten und -qualitäten. Zudem erklärten Christopher und Sebastian Funger, wie und warum Verbindungen von Holz und Stahl problematisch sein können und welche Materialien sich besser eignen, um Schäden am Boot zu vermeiden.
Als weitere Option zum Herstellen von Spanten wurde das Lamellieren eines Spants mit Epoxidharz demonstriert. Hierbei wurde gezeigt, welche Potenziale moderne Materialien im Restaurierungsprozess bieten können. Parallel wurde angeregt über Tradition und „Moderne“ beim Erhalt historischer Boote philosophiert – ein Austausch, der einmal mehr verdeutlichte, wie vielschichtig das Thema des Erhalts klassischer Boote ist.
Nach einer gemeinsamen Mittagspause, in der sich die Teilnehmenden weiter austauschten und vernetzten, ging es in die zweite Hälfte des Tages. Auf dem Programm stand die Herstellung eigener Bootshaken, welche mittels Handhobel aus Kanthölzern erstellt wurden. Mit sichtbarer Begeisterung und großem handwerklichem Engagement verwandelten sich einfache Holzstücke Schritt für Schritt in persönliche Werkzeuge für den Bordalltag. Zudem bot sich die Möglichkeit, Planken mittels Schäftung zu verbinden, was von den Teilnehmenden mit großem Interesse umgesetzt wurde.
Neben den praktischen Arbeiten lernten die Teilnehmenden alles über „Esel“ und „Kühe“ im Bootsbau und nutzten die Gelegenheit, eigene Fragen einzubringen und konkrete Themen aus der Praxis zu diskutieren. Gerade dieser offene Dialog – geprägt von gegenseitigem Respekt und echter Begeisterung fürs Handwerk – machte den besonderen Charakter des Tages aus.
Der Seminartag bot einen intensiven und praxisnahen Einblick in verschiedene Arbeitsschritte des Restaurierungsprozesses und zugleich viel Raum für fachlichen Austausch unter Gleichgesinnten. Für alle Beteiligten wurde deutlich, wie wertvoll das Weitergeben und Diskutieren von Erfahrungswerten im traditionellen Bootsbau ist und wie sehr ein solcher Tag die eigene Begeisterung für dieses besondere Handwerk weiter entfacht.
Wir danken Christopher und Sebastian Funger, sowie Martin Mohrmann vom Freundeskreis sehr herzlich für die Koordination und die hervorragende Organisation dieses rundum gelungenen Seminars. Das große Engagement aller Beteiligten hat diesen Tag zu einer ebenso lehrreichen wie motivierenden Erfahrung gemacht – wir freuen uns bereits sehr auf eine Fortsetzung!
Text & Fotos: Julia Biermann