Teamracing 2026: Schottische Klassiker, FKY-Titelambitionen


Anfang September werden sich der Freundeskreis Klassische Yachten (FKY) und der Royal Northern & Clyde Yacht Club in Helensburgh westlich von Glasgow zur nächsten Auflage ihres traditionsreichen Teamracing-Duells um den David-Ryder-Turner-Cup treffen.


Powered by Bootsbau Stefan Züst

Das Team vom FKY reist als Titelverteidiger an. Insgesamt haben 14 Seglerinnen und Segler für das FKY-Team gemeldet. Beim letzten Aufeinandertreffen im September 2025 auf dem Berliner Wannsee gewann das FKY-Team nach engen Rennen auf Drachen den David-Ryder-Turner-Cup zurück und setzte damit ein Ausrufezeichen in einer inzwischen über Jahrzehnte gewachsenen Segelfreundschaft.

Nun steht die Titelverteidigung an und damit eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn die Schotten kennen ihr Revier und ihre Boote aus dem Effeff. Gastgeber ist der Royal Northern & Clyde Yacht Club (RNCYC), der 1824 gegründet wurde und als ältester Yachtclub Schottlands gilt. Austragungsort ist Helensburgh am Gareloch und am River Clyde, rund 30 Kilometer westlich von Glasgow. Das Revier verbindet die maritime Geschichte des Clyde mit einer eindrucksvollen Landschaft aus Wasser, Hügeln und tief eingeschnittenen Meeresarmen. Der RNCYC in Rhu bei Helensburgh zählt bis heute zu den aktivsten Segelzentren Großbritanniens und ist insbesondere für Team- und Matchracing bekannt.

Doch wer die Veranstaltung kennt, weiß, dass der sportliche Wettbewerb nur eine Seite der Medaille ist. Das Teamracing lebt seit jeher von einer besonderen Mischung aus ambitioniertem Segelsport, klassischer Yachtkultur und herzlicher Gastfreundschaft. Alle Seglerinnen und Segler teilen die Begeisterung für traditionelle Boote, nautische Geschichte und die besonderen Werte des Segelsports. Formelle Dinner, gemeinsames fleet race und lange Abende im Clubhaus gehören ebenso zum Programm wie die Teamracing-Wettfahrten selbst.

Segeln auf lebender Geschichte

Der Gareloch, ein geschützter Seitenarm des Firth of Clyde, ist seit mehr als einem Jahrhundert Heimat der legendären Gareloch One Designs. Diese 24 Fuß langen Kielyachten wurden 1924 von der berühmten McGruer-Werft in Clynder gebaut, sozusagen gleich gegenüber. Alle 16 jemals gebauten Boote existieren noch heute und werden weiterhin aktiv gesegelt, eben auch für das Teamracing. Damit gehört die Klasse zu den außergewöhnlichsten Einheitsklassen der Segelwelt.

Gareloch One Designs

Teamracing kurz erklärt

Teamracing ist eine besondere Form des Regattasegelns und im Vereinigten Königreich sowie in den USA weit verbreitet. In Deutschland ist diese Disziplin dagegen wenig bekannt. Die wichtigsten Besonderheiten:

Team statt Einzelboot
Der Sieg hängt von der Gesamtleistung der Mannschaft ab, nicht von einem oder mehreren herausragenden Boot(en).

Enge taktische Situationen
Manöver wie „mark trap“, „pass back“ oder das bewusste Unterstützen eines Teamkollegen entscheiden über den Ausgang.

Positionskontrolle
Ein Boot kann taktisch zurückfallen, um einen Gegner zu blockieren und dadurch einem Teammitglied eine bessere Platzierung zu ermöglichen.

Regelkenntnis und Kommunikation
Ausweichregeln, Zurufe und schnelle Entscheidungen sind entscheidend.

Einheitliche Boote
One-Design-Yachten reduzieren die Materialfrage und rücken Taktik, Manöver und Crewleistung in den Mittelpunkt.

Hohe Dynamik
Die einzelnen Rennen sind kurz, die Abstände gering und die Situationen an Startlinie und Tonnen besonders intensiv.

Mannschaftsgeist
Ein scheinbar verlorenes Einzelrennen kann durch eine starke Teamtaktik kompensiert werden.

Anfang September wird sich erweisen, ob der David-Ryder-Turner Cup erneut zum FKY reisen wird.

www.holzboot.ch

Fotos: Axel Huntgeburt, Miriam Sutter